Mittwoch 22. Mai 2013, 17:34

Binnenmarkt & Wettbewerb


Europäische KMU sollen den Weltmarkt erobern

Gerade 13% der in der EU ansässigen KMU agieren weltweit. Handel, Investitionen oder andere Formen der Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern bieten dabei geradezu sensationelle Chancen für Wachstum und Expansion, besonders für KMU, die naturgemäss wesentlich flexibler agieren können als Monsterkonzerne mit unüberschaubarer Hierarchie und starren Denkmustern.

Goldfischkugeln
Goldfischkugeln
Bild: Fotolia
Brüssel und die Lieben Kleinen: Um der EU neues Wachstum und somit neue Chancen zu bescheren, entsinnt sich die Kommission, wie diese heute inbrüstig bestätigt, der Wertschöpfung von KMU. Für diese den Weltmarkt zu erschliessen klingt vielversprechend und macht schlichtweg Sinn. Speziell kleine und mittelgrosse Unternehmen sollen in Zukunft spürbar grösseren Nutzen aus den rasch wachsenden Märkten in Schwellenländern wie China, Indien, Russland oder aus Regionen wie Südostasien und Lateinamerika ziehen. In den Augen der Kommission ist dieser Ansatz als das Hauptinstrument zur Überwindung der aktuellen, mittlerweile fast schon chronischen Krise zu werten. Es soll eine tragfähige Partnerschaft entstehen, um KMU dabei zu helfen, ihre Chancen im globalen Bereich zu nutzen: Die Erschliessung des Weltmarktes für diese Zielgruppe sichert der Union letztlich das erforderliche wirtschaftliche Wachstum für eine hoffentlich bessere Zukunft. 

Hänschen Klein, ging allein, in die weite Welt hinein …

Gegenwärtig tüftelt die Kommission an einer umfassenden EU-Strategie zur Förderung der leider sehr oft nur belächelten KMU auf den globalen Auslandsmärkten. So könnten beispielsweise Dienstleistungen der Unternehmensförderung ausgebaut werden sowie die Koordinierung und Nutzung vorhandener Mittel inklusive des Enterprise Europe Network optimiert werden. Dies hätte zur Folge, dass KMU einen effizienteren Zugang zu relevanten Informationen und Unterstützung bei ihren Bemühungen um die Erschliessung neuer Märkte bekommen, die Suche nach geeigneten Geschäftspartnern vor Ort soll ebenfalls erleichtert werden.  

Bitte ein Stück Kuchen. Aber vom Weltmarkt!

Stellvertretend für Brüssel erklärt der für Industrie und Unternehmertum zuständige Kommissionsvizepräsident Antonio Tajani, dass bedeutende Märkte von Drittstaaten mit hohen Wachstumsraten klare Chancen für unsere kleinen Unternehmen bieten. KMU sind seiner Meinung nach unabdingbare Stützen für die wirtschaftliche Stärke Europas. Dabei hat es jetzt eindeutig Priorität, ihnen dabei zu helfen, dass sie ihre Möglichkeiten auf dem Weltmarkt besser nutzen können, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und zugleich Arbeitsplätze geschaffen werden.

Zahlreiche Hürden erschweren die Expansion

Die erfolgreiche Erschliessung des Weltmarkts ist speziell für KMU eine enorme Herausforderung. Der Zugang zu verlässlichen Marktinformationen, das Erschliessen von neuen Kundensegmenten und die Suche nach geeigneten, zuverlässigen Geschäftspartnern erfordert Geduld und Ausdauer und zehrt spürbar an der Substanz. Es gilt, komplexe Fragen zu lösen. Ausländische Gesetze, Vertragsrecht, Zollvorschriften sowie technische Regeln sind ebenso zu berücksichtigen wie Urheber- und gewerbliche Schutzrecht – kurzum: Es fordert reichlich Pionierarbeit, um auf fremden Terrain erfolgreich Fuss fassen zu können. Um Unternehmen den Weg zu ebnen, muss Europa endlich aufwachen und zugleich spürbar internationaler werden als bisher. Das erfordert vielfach gerade auch von Amts Wegen die alteingetretenen Pfade endlich zu verlassen und Toleranz und Offenheit zu zeigen, Eigenschaften also, die bislang vielfach komplett unberücksichtigt blieben. Kosmopolitisches Agieren erfordert auch von der Bürokratie, teils noch aus K & K – Zeiten stammende ideologische Relikte und Verhaltensmuster nachhaltig abzulegen, um diese Chancen realisierbar zu machen

EU-Strategien zur Internationalisierung von KMU

Bestehende Angebote von Unterstützungsdienstleistungen auf den Hauptzielmärkten sollen ausgebaut werden. Um eine bessere Kooperation mit Anbieterorganisationen und Interessenträgern zu ermöglichen muss die Steuerungsstruktur des Enterprise Europe Network an die heutigen Erfordernisse adaptiert werden. Die Förderprogramme auf EU-Ebene müssen an Wirkung gewinnen, hier gibt es gegenwärtig entschieden zu viel Reibungsverlust, zu viele Bemühungen verpuffen nahezu wirkungslos. Cluster und Netze zur Internationalisierung müssen an Effizienz gewinnen, eine paneuropäische Zusammenarbeit für die wichtigsten Zielmärkte initiiert werden. Die Kommission kann sich, um die Strategie auf Erfolgskurs zu bringen, eine einzige virtuelle Auskunftsstelle für jene KMU vorstellen, die ausserhalb der Union aktiv werden möchten. Bestehende politische Massnahmen der EU sind ebenfalls zu intensivieren.

Ein umfassender Überblick über das europäische Angebot an Unterstützungsdiensten soll die Basis für diese Strategie bilden. Sämtliche EU-Organe sowie massgebliche Interessensträger der KMU sollen dazu partnerschaftlich integriert werden, die Leitlinien vereinheitlicht werden: Die bislang mitunter von einem reichlich schalen Beigeschmack umgebene sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit könnte endlich in einem neuem, sympathischeren Licht erstrahlen, vorausgesetzt, die bislang teils recht ungeniert zur Schau gestellte Eitelkeit mancher Stellen löst sich in friedfertiges Wohlgefallen auf. Zur Erinnerung: Wer schafft denn die vielen sicheren Arbeitsplätze in Europa!?  

Die Ziele der Kommission sind engagiert, doch genug der vielen Schönen Worte: Wir wollen Taten sehen. Zahlreiche  KMU hoffen bereits auf internationale Lorbeeren.


 




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