Europa 2020: Strategiepaket zur Ressourceneffizienz
Rohstoffknappheit und drängende ökologische Probleme fordern neue Lösungen und ein Umdenken in Sachen Umweltpolitik. Die Ressourcenpolitik der Zukunft verlangt nach einer Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcennutzung. Das Ende der Lissabon- Strategie hat zu neuen umwelt- und wirtschaftspolitischen Leitgedanken geführt.
Windpark Baltic 1
Bild: CC-BY 3.0
Das gemeinsame Nutzen natürlicher Ressourcen hat mittlerweile einen geradezu traditionellen Stellenwert in der Tagesagenda der Europäischen Union. Entsprechend weit reicht die gemeinsame Ressourcenpolitik neben friedenspolitischen Zielen sowohl in ökonomischen, wie auch ökologischen Aspekten in die Gründungsphase der Staatengemeinschaft zurück. Doch Klimawandel, Rückgang an Biodiversität, Flächenkonkurrenzen bei nachwachsenden Stoffen, Rohstoffknappheit, schwankende Rohstoffpreise und die reichlich leidige Abhängigkeit von Importen stellen die Mitgliedstaaten vor gänzlich neue Herausforderungen. Janez Potocnik, EU-Umweltkommissar, bringt es sachlich auf den Punkt: „ Alles ist nur einmal da“ - die Ressourcenrevolution erfordert gesunden Menschenverstand und vorausschauendes, konsequentes Handeln. Es geht um eine neue Lebenszyklusperspektive. Produktionsmuster und Konsummuster sollen in die politische Agenda Einzug halten, die optimale Ressourcenschonung erfährt fortan oberste Priorität. Die Devise der Zukunft lautet schlicht und einfach: Effizient, anders und weniger.
Europa 2020: Neues Umweltbewusstsein in der EU
Die Europa 2020-Strategie hat zu einem geradezu einmaligen Paradigmenwechsel geführt: Anders als bisher geht es nicht länger alleine um Wachstum. Es geht vielmehr um Qualität: Geht es nach der Europäischen Union, so soll es „intelligent, nachhaltig und integrativ“ zugleich sein und im Rahmen der Leitinitiative „Ressourcenschonendes Europa“ kontinuierlich weiterentwickelt werden. Dabei wird ein struktureller Wandel der zentralen Wirtschaftssektoren angestrebt wie z.B. Verkehr, Energieversorgung, Handel, produzierendes Gewerbe, Landwirtschaft und Fischerei. Über die gemeinsamen langfristigen Ziele und Visionen der Ressourcenpolitik soll ein Konsens geschaffen werden. Die von der EU-Kommission angekündigte „Roadmap für Ressourceneffizienz“ kann weichenstellend für die Zukunft sein, vorausgesetzt, es kommt zu einem Konsens, um die erforderlichen Maßnahmen, Zeitpläne und Sanktionsmechanismen zu etablieren.
Roadmap für Ressourceneffizienz als verbindliches Pflichtenheft
Die Umweltverbände Friends of the Earth Europe und das Europäische Umweltbüro fordern bereits jetzt konkrete Maßnahmen in der für den kommenden Herbst angekündigten Roadmap zur Ressourcenschonung, da die bisherigen Richtlinien der EU kaum realistische Lösungen für die Mitgliedstaaten bieten.
Bezüglich der bestmöglichen Nutzung an verfügbaren Ressourcen soll die EU mit diesem ausgeklügelten Konzept in eine einzigartige globale Vorreiterrolle gebracht werden. Dabei wird eine nachhaltige und zugleich vorbildliche Gesamtverringerung im Verbrauch der kostbaren Rohstoffe erwartet, was natürlich konkrete Handlungsansätze voraussetzt. Das Pflichtenheft darf bereits jetzt als ziemlich umfangreich bezeichnet werden. Folgende Parameter sollen dabei berücksichtigt werden:
Anhand bereits entwickelter Indikatoren soll der EU Ressourcenverbrauch erfasst werden. Dabei soll die Kommission vier mittlerweile bewährte, weil nachvollziehbare Ressourcenverbrauchsindikatoren übernehmen, nämlich den Globalen Land-Fußabdruck, den Wasser-Fußabdruck, den CO2-Fußabdruck sowie den Globalen Materialverbrauch ( abiotisch und biotisch ). Dabei wird auch der im Import und Export entstehende Ressourcenverbrauch berücksichtigt, ebenso eine denkbare Verlagerung der entstehenden Umweltbelastungen in andere Regionen. Geplante Reduzierungsziele für einen Zyklus von zwei Jahren und eine verbesserten Produktpolitik basierend auf dem analysierten Konsummuster prägen eine neue Generation von Ökodesign und werden ebenso geregelt wie ein optimiertes Abfallmanagement zur Minimierung des anfallenden Restmülls. Apropos Müll:
Brüssel auf Sparkurs: Fünf Milliarden Euro liegen auf Halde!
Gegenwärtig wandern rund 50% des gewerblichen, industriellen und städtischen Mülls, obwohl dieser durchaus recyclebar wäre, unaufhaltsam auf Deponien. Der finanzielle Wertverlust beträgt dabei sagenhafte 5 Milliarden Euro. Zugegeben, das ist für einen Rettungsschirm entschieden zu wenig, doch hoffentlich mehr als Anreiz genug um endlich gemeinsam zeitgemässe Alternativen in Erwägung zu ziehen, denn eine optimierte Abfallwirtschaft bietet zahlreiche Möglichkeiten zu einer gezielten Schonung der Umwelt, die spürbaren Vorteile liegen geradezu auf der Hand.
Im Zuge der angestrebten Ressourcenschonung werden zudem konkrete Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität eingefordert sowie zeitnah die Gründung einer eigenen Agentur für Ressourceneffizienz, um das Thema adäquat zu institutionalisieren. Verschiedene EU Politfelder, einschliesslich Landwirtschafts- und Energiepolitik sowie Köhäsionsfonds sollen in Folge nachhaltig und wesentlich effizienter und gezielter koordiniert werden können als dies bisher möglich war.
Signalwirkung für Wirtschaft und Politik
Zeitgemässe Ressourceneffizienz steht in einer untrennbaren Wechselwirkung mit dem ökologischem, sozialen und zugleich auch wirtschaftlichen Erfolg der Union. In Folge sollen diese Indikatoren auch eine bessere Abschätzung von Anträgen für die zukünftige Verteilung von Geldern im Bereich der Struktur- und Kohäsionsfonds ermöglichen.
Die Vision eines ressourcen-effizienten Europas setzt einen entsprechenden Transformationsprozess voraus, wobei die natürlichen Grenzen unseres Planeten mit berücksichtigt werden müssen, um auch in Zukunft den für Europäer gewohnt hohen Lebensstandard erhalten zu können. Die besagte Roadmap ist der einzigartigen Chance für Europa gleichzusetzen, im Einklang mit den natürlichen Ressourcen zu agieren und zugleich dem wirtschaftlichen Expansionsdrang und Erfolgsstreben der Unternehmen einen geeigneten Rahmen zu präsentieren.
Die gemeinsamen Ziele sollen bis 2013 beschlossen werden. Um dieses engagierte Ziel zu realisieren ist eine ebenso einheitliche wie ganzheitliche strategische Planung ist angesagt. So wie bisher kann es nicht weiter gehen. EU – Quo vadis?
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