Euro-Zone im Griff der Rezession
Nun ist es amtlich: Nachdem die Wirtschaftsleistung in zwei Quartalen hintereinander geschrumpft ist, befindet sich die Eurozone in der Rezession. Ökonomen hatten den Rückgang von 0,2 Prozent im dritten Quartal erwartet. Eine schlechte Nachricht sind die Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat trotzdem. Denn die Währungsunion rutscht damit zum zweiten Mal binnen drei Jahren in die Rezession, im Jargon der Volkswirte spricht man von einem Double-Dip.

Bild: slolee/flickr.com
Besonders beunruhigend ist die Entwicklung auch, weil bisher wirtschaftlich starke Länder sich nicht mehr der Krise entziehen können. Das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im dritten Quartal mit 0,1 Prozent zurück. Besonders stark erwischte es die Niederlande, wo das Minus mit 1,1 Prozent unerwartet deutlich ausfiel. Im größten Land der Eurozone, Deutschland, gab es mit 0,2 Prozent zwar noch minimales Wachstum, aber auch dort deutet alles auf eine Verlangsamung der Wirtschaft hin.
Die Krise rückt vom Rand ins Zentrum vor
Die Kernbotschaft der jüngsten Zahlen: Die Krise aus der Peripherie rückt in das Herz der Eurozone vor. In einer stark verwobenen Wirtschaftsgemeinschaft wie der Eurozone kann sich niemand vom Abschwung abschotten. Wenn in einem Land wie Italien die Wirtschaft nun schon das fünfte Quartal in Folge schrumpft, dann schlägt sich das auch in den Exportzahlen von Österreich und Deutschland nieder. Italiens BIP ist in den vergangenen zwölf Monaten um 2,4 Prozent zurückgegangen. In Spanien sieht die Lage nur eine Spur besser aus. In den vergangenen zwölf Monaten verringerte sich die Wirtschaftsleistung um 1,6 Prozent. Einziger Trost: Die Abwärtsbewegung verlangsamt sich.
Ein großer Schwachpunkt der Eurozone bleibt Frankreich, das im dritten Quartal 2012 überraschend gut abschnitt. Allerdings warnte selbst Finanzminister Pierre Moscovici davor, den kleinen Zuwachs zu positiv zu bewerten. Die französische Wirtschaft verzeichnete im dritten Quartal ungewöhnlich hohe Exporte. Das geht auf einen großen Auftrag bei Airbus zurück, der sich in dieser Form in den kommenden Monaten nicht wiederholen wird. Da die Arbeitslosigkeit steigen wird, gehen Ökonomen davon aus, dass sich der private Verbrauch in den kommenden Monaten abschwächen wird – was die gesamte Wirtschaftsleistung dämpft.
Frankreich als Zeitbombe
Das britische Wochenmagazin „The Economist“ bezeichnet Frankreich in seiner aktuellen Ausgabe gar als „Zeitbombe im Herzen Europas“. Das Titelbild – Baguettes, die Dynamitstangen ersetzen und in jedem Moment zu explodieren drohen – hat in Frankreich viele Reaktionen hervorgerufen. Industrieminister Arnaud Montebourg, spielte die kritische Berichterstattung mit den Worten herunter, bei dem in Wahrheit hoch angesehenen Blatt handele es sich ohnehin nur um die „Satirezeitschrift des Finanzplatzes London“.
Gerüchte, dass die deutsche Bundesregierung ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, um ein Bild vom wahren Zustand der französischen Wirtschaft zu bekommen, sorgten zu Wochenbeginn für Verstimmungen zwischen Berlin und Paris. Am Dienstag gaben der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Kollege Moscovici in Brüssel gar gemeinsam eine Pressekonferenz um das Gerede über deutsch-französische Zwistigkeiten zu zerstreuen. Fakt ist aber, dass in Berlin der Mangel an Reformen in Frankreich sehr kritisch gesehen wird. Die Arbeitslosigkeit steht in Frankreich auf ihrem höchsten Stand seit 13 Jahren und die Wirtschaft verliert zusehends an Wettbewerbsfähigkeit. Französische Unternehmen sind auf den internationalen Wachstumsmärkten schlecht aufgestellt.
Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Aussichten für die Eurozone noch verdüstern. „Das vierte Quartal sieht deutlich schwächer aus, es wird wohl noch ein stärkeres Schrumpfen der Wirtschaftskraft geben“, sagt der Euroraum-Chefvolkswirt der Citigroup Jürgen Michels. „Für 2013 gehen wir von einer haltenden Rezession aus.“
Experten warnen bereits vor einer weltweiten Abkühlung der Konjunktur. „Die Weltkonjunktur tritt auf der Stelle“, sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts in München.


















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