Mittwoch 22. Mai 2013, 11:07

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Euro-Krise tangiert die Nobel-Marken kaum

Auch wenn die Zahl der Millionäre weltweit infolge der Euro-Krise fast stagniert, wächst die Nachfrage nach Luxusgütern. Das freut vor allem die Nobel-Hersteller in Europa. Sie rechnen weiterhin mit jährlichen Zuwachsraten von zehn Prozent und mehr. Verdienen wollen sie nicht nur in China, sondern künftig auch verstärkt in Vietnam und der Türkei.

Goldene Zeiten für Europas Luxusgüter-Hersteller
Goldene Zeiten für Europas Luxusgüter-Hersteller
Bild: Ultima_Bruce/PIXELIO/©www.pixelio.de
Die schlechte Nachricht zuerst: Die Welt ist ärmer geworden. Doch ärmer bedeutet für manche, eben nur weniger reich zu sein. Die Euro-Krise hat den in den Jahren zuvor rasanten Anstieg der Zahl der internationalen Millionäre ausgebremst, wenngleich nicht in allen Teilen der Welt. Dennoch rechnen die Luxusgüter-Hersteller für die nächsten Jahre mit deutlich steigenden Umsatzzahlen. Und das ist wiederum die gute Nachricht, denn diese Branche gilt als bewährter Frühindikator mit einer engen Korrelation zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts des betreffenden Landes. Geht die Wirtschaftsleistung zurück, spürt das die Luxusbranche sofort. So war es nach dem 11. September 2001 und in den Monaten nach der Lehman-Pleite. Zeigen sich hingegen erste Lichtblicke am Konjunkturhimmel, erholen sich die Luxusgüterhersteller meist schneller als andere Bereiche der Wirtschaft. Die Luxusbranche gilt daher als extrem zyklisch.

Auf den ersten Blick sprechen die Zahlen allerdings eher für eine Stagnation im Luxusgüter-Segment, denn das frei verfügbare Vermögen der sogenannten HNWIs (High Net Worth Individuals), also der reichen Privatanleger, ging im Jahr 2011 weltweit in allen Regionen zurück. Nur im Mittleren Osten wurden laut dem 16. World Wealth Report 2012 noch Zuwächse verzeichnet. Allerdings: In den Jahren zuvor war das Vermögen der Millionäre und Multimillionäre deutlich gestiegen. Die Zahl der HNWIs stieg 2011 trotzdem leicht um 0,8 Prozent auf weltweit rund elf Millionen.

In Österreich zählten im Jahr 2011 rund 88.300 Bürger zu den Dollar-Millionären, rund 400 oder 0,6 Prozent mehr als 2010. In Deutschland stieg die Zahl der Reichen und Superreichen um drei Prozent auf 951.000. Sogar im krisengeschüttelten Frankreich erhöhte sich die Zahl der HNWIs um 1,9 Prozent auf 404.000, während sie in Großbritannien um 2,9 Prozent auf 441.000 sank. Weniger Millionäre gab es 2011 auch in Italien (minus 1,3 Prozent). Den stärksten Zuwachs in Europa verzeichnete die Schweiz mit einem Plus von 3,6 Prozent. Dort leben rund 252.000 Millionäre und Multimillionäre.

Asien/Pazifik – das neue Millionärs-Paradies

Doch selbst die Zuwachsraten in Deutschland und der Schweiz blieben deutlich hinter jenen in der Asien/Pazifik-Region zurück. In Japan stieg die Zahl der Millionäre im Jahr 2011 um fast fünf Prozent und in China sogar um 5,2 Prozent. Damit leben in der Asien/Pazifik-Region erstmals mehr Millionäre oder Multimillionäre als in den USA. Dort gab es im Berichtsjahr übrigens 1,2 Prozent weniger HNWIs als 2010. Allerdings bleibt Nordamerika führend, wenn es um konkrete Summen geht. Die dortigen HNWIs verfügen über ein Vermögen von 11,4 Billionen US-Dollar.

Zum erlauchten Kreis der HNWIs gehören Personen mit einem anlagefähigen Kapital von mindestens einer Million US-Dollar. Die selbstgenutzte Immobilie sowie Sachwerte wie Kunst, Oldtimer, Schmuck und Uhren werden bei dieser Berechnung nicht berücksichtigt. Capgemini und das RBC Wealth Management, die den HNWI-Report erstellt haben, unterscheiden gleichsam zwischen Reichen, Superreichen und Ultrareichen. Wer die Eine-Million-Dollar-Schwelle überwunden hat, darf sich nach dieser Definition zu den Reichen zählen. Mit einem anlagefähigen Kapital zwischen 5 und 30 Millionen US-Dollar zählt man zu den Superreichen. Und wer gar mehr als 30 Millionen US-Dollar auf der hohen Kante hat, gehört zu den Ultrareichen.

Der starke Vermögenszuwachs in der Asien/Pazifik-Region bereitet vor allem der Luxusgüter-Branche Freude. Kein Wunder, gibt doch ein gut verdienender Chinese nach einem Bericht der Tageszeitung China Daily atemberaubende 40 Prozent seines Einkommens für Luxusgüter aus. In Westeuropa sind es im Schnitt vier Prozent.

Luxusgüter sind in China in erster Linie Statussymbole. „Junge Männer kaufen sich Fahrräder aus Carbon-Fiber für mehr als 5000 US-Dollar. Aber sie fahren diese Räder nie, sondern hängen sie an ihre Wand“, weiß Jeff Lotman, Gründer und CEO der Marken-Lizenz-Agentur Global Icons.

Luxusbranche setzt auch auf die Türkei

Der globale Luxusgüter-Markt erreicht heute schon ein Volumen von schätzungsweise 250 Milliarden US-Dollar. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Bains & Company („Luxury Goods Worldwide Market Story“) wächst der Markt derzeit pro Jahr weltweit um fast zehn Prozent. In der Asien-Pazifik-Region dürfte die Wachstumsrate im vergangenen Jahr sogar bei 18 Prozent gelegen haben. Davon profitierten unter anderem Edelsteine von höchster Qualität und Luxusuhren.

Auch wenn es auf dem „Alten Kontinent“ also offenkundig weniger HNWIs gibt als in anderen Regionen der Welt, ist diese Entwicklung für Europa recht erfreulich. Denn die meisten starken Luxusmarken sind hier zu Hause. Geld verdienen wollen sie aber dort, wo das meiste Geld für Luxus ausgegeben wird. Und so kam es nicht überraschend, dass LVMH als größter Luxusgüterkonzern unlängst den chinesischen Großjuwelier Qeelin übernahm. Auch Vietnam ist im Fokus der Edelprodukt-Hersteller. Allein auf Asien freilich will die Branche nicht vertrauen. Und deshalb sollen fortan verstärkt reiche Türken für Luxusmarken aus Frankreich begeistert werden.


 




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