Mittwoch 19. Juni 2013, 20:58

Umwelt & Agrar

EU verschärft Lebensmittelkennzeichnung

Die Europäische Union schiebt Tricksereien bei Lebensmitteln einen Riegel vor und verschärft die Kennzeichnungspflichten für Hersteller. So darf beispielsweise der künstlich hergestellte Analogkäse künftig nicht mehr Käse heißen und Lebensmittelimitate wie etwa „Klebefleisch“ müssen mit „aus Fleischstücken gefertigt“ gekennzeichnet sein.

Sardinendose
Sardinendose
Bild: RI, CC-BY-SA 3.0
„Wir erachten es für wichtig, dass die Konsumenten genau wissen, woraus die Lebensmittel, die sie kaufen möchten, bestehen und welche Inhaltsstoffe in welcher Menge darin vorkommen“, erläutert der oberösterreichische EU-Abgeordnete Paul Rübig. Die neue EU-Lebensmittelkennzeichnung, die von den Herstellern ab sofort umzusetzen ist – vorhandene Bestände von Verpackungen und Etiketten müssen binnen einer Übergangsfrist verbraucht werden – sieht neben der verpflichtenden Kennzeichnung von Imitaten eine Reihe weiterer Neuerungen vor.

Zahlreiche Neuerungen

So muss die Kennzeichnung des Energiehaushaltes sowie der Menge an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker und Salz künftig verpflichtend in Form einer Tabelle auf jedem Lebensmittel erfolgen. Die Nährstoffgehalte sind bezogen auf 100 Gramm oder 100 Milliliter anzugeben. Erleichterungen für die Verbraucher sollen weiters das Hervorheben von anerkannten Allergenen in der Zutatenliste bringen. Auch Hinweise für Schwangere, Stillende und für Kinder werden laut Rübig verbessert. Strenge Kriterien wie Mindestschriftgröße und Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund sollen zudem die Pflichtangaben besser lesbar machen. Neu ist auch, dass bei Frischfleisch (Rind, Schwein, Schaf, Geflügel) das Herkunftsland angegeben werden muss und bei gefrorenem Fleisch und unverarbeiteten Fleischprodukten das Einfrierdatum anzugeben ist.

Lebensmittelversorgung im Fokus der EU

Hintergrund der verschärften Kennzeichnungspflichten ist laut dem EU-Abgeordneten die Sicherstellung der Versorgung mit Lebens- und Futtermitteln. So gehe die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO) davon aus, dass der weltweite Verbrauch bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen werde. Dazu komme, dass noch immer im großen Maße Lebensmittel auf dem Müll landen. So würden in der EU 89 Millionen Tonnen – dies entspricht 80 Kilo pro Kopf und Jahr – weggeworfen. Ziel sei es, möglichst lange gesund zu leben, wozu hochqualitative Lebensmittel wesentlich beitragen, betont Rübig.

Hersteller sehen Änderungen gelassen

Laut Michael Blass, Geschäftsführer der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich, haben sich die Hersteller auf die Änderungen gut vorbereitet, schließlich sei man in den Gesetzwerdungsprozess eingebunden gewesen. Allerdings seien damit auch Kosten in Höhe von zig-Millionen Euro verbunden. Für Blass bedeutet die neue EU-Lebensmittelkennzeichnung keinen großen Wurf, da man darauf verzichtet habe, auf elektronische Unterlagen zurückzugreifen. Konkret hätte man die Informationen auch im Internet abrufbar machen können.

Die heimische Nahrungs- und Genussmittelindustrie beschäftigt an rund 300 Produktionsstätten mehr als 27.000 Mitarbeiter, die zusammen einen Bruttoumsatz von zirka sieben Milliarden Euro erwirtschaften.


 




Kommentar hinzufügen