Sonntag 19. Mai 2013, 02:07

Bildung & Kultur


EU-Strukturförderung unterstützt Kunst- und Kulturprojekte in Österreich

Die vom BMUKK in Auftrag gegebene Studie "Der Kreativ-Motor für regionale Entwicklung - Kunst- und Kulturprojekte und die EU-Strukturförderung in Österreich" wurde am 10. November präsentiert und belegt erstmals, dass die EU-Gelder für die Regionalentwicklung in Österreich einen Beitrag zur Kunst- und Kulturförderung leisten und die Kreativwirtschaft unterstützen.

C. Schmied
C. Schmied
Bild: Raimund Zalaudek
Die Studie wurde am Abend des 10. November im Haus der Europäischen Union präsentiert. Mag. Richard Kühnel, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich begrüßte die zahlreichen Teilnehmer, Mag. Veronika Ratzenböck, von der „österreichischen kulturdokumentation. internationales archiv für kulturanalysen“ präsentierte die Ergebnisse im Detail, Dr. Hedwig Kainberger moderierte das anschließende Gespräch mit Dr. Claudia Schmied, Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur und Dr. Johannes Hahn, EU-Kommissar für Regionalpolitik.

Die Europäische Union hat ein eigenes Kulturprogramm. Das Gesamtbudget beträgt 400 Millionen Euro für sieben Jahre. Doch auch über die EU-Strukturförderung werden Kunst- und Kulturprojekte unterstützt, so lautet das Ergebnis der aktuellen Studie. Obwohl die Aufgabe der Regionalpolitik, wie Kommissar Hahn betont, in erster Linie eine ökonomische ist, in ihrem Rahmen Klein- und Mittelbetriebe fördert und einen Ausgleich von Unterschieden zwischen den ärmeren und reicheren der 271 europäischen Regionen schaffen soll, bleibt doch ein Spielraum, um intelligent Weichen zu stellen und nebenbei Kunst, Kultur und die Kreativwirtschaft zu fördern. Ein wichtiger Impuls, wächst doch der Kreativsektor am schnellsten und bietet wirtschaftliches Potential. Auch in der künftigen EFRE Verordnung sind Begriffe wie Kunst, Kultur, Identität und Tradition verankert, die diese Linie bestätigen.

Motor für wirtschaftliche Dynamik

Ratzenböck, Schmied, Kainberger, Hahn
Ratzenböck, Schmied, Kainberger, Hahn
Bild: R. Zalaudek
"Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft schaffen einen Mehrwert für europäische Regionen: sie sind Motoren für wirtschaftliche Dynamik, weisen überdurchschnittliches Wachstum auf, fördern Kreativität, Innovation und Unternehmergeist sowie Standortattraktivität, Lebensqualität, Wohlbefinden und kulturelle Vielfalt. Es ist wichtig, diese zentrale Rolle der Kultur in der Regionalentwicklung sichtbar zu machen, Potenziale aufzuzeigen und den Zugang für Kulturprojekte zu den Strukturfonds zu erleichtern“, so Kulturministerin Dr. Claudia Schmied.

Die Studie zeigt, dass in Österreich bereits etliche Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaftsprojekte mit vergleichsweise hohen Summen umgesetzt werden: 534 Projekte mit zentralem oder peripherem Kulturbezug wurden zwischen 2007 und 2010 in den EU-geförderten Regionalprogrammen genehmigt. Ihre Gesamtprojektbudgets belaufen sich auf insgesamt € 139 Mio. Davon stammen € 78,8 Mio. – also über 56% – aus den EU-Fonds EFRE, ESF und ELER. Im Vergleich dazu sind die in Österreich ausgeschütteten Mittel aus den spezifischen EU-Kultur- und Medienprogrammen deutlich niedriger: Aus dem Programm KULTUR wurden bis 2010 54 Projekte mit € 13 Mio. gefördert, aus dem Programm MEDIA 176 Projekte mit € 8,8 Mio. Aufgrund dieser Ergebnisse kann der Eindruck, dass die Strukturfonds bzw. die Instrumente der EU-Regionalentwicklung für Kultur „nicht zuständig“ seien, entkräftet werden.

Kreativwirtschaft hat Aufholbedarf

Die Studie zeigt, dass 83% der Projekte auf den Bereich Kunst & Kultur entfallen und nur 17% auf die Kreativwirtschaft; die kreativen Wirtschaftsbranchen profitieren also derzeit noch vergleichsweise wenig von den Regionalentwicklungs-Programmen.

"Die Studie liefert eine fundierte Argumentationsgrundlage für die jetzt anlaufenden Verhandlungen zu den künftigen Strukturfonds 2014-2020. In den vier Jahren 2007 bis 2010 wurden EU-Mittel in Höhe von 78,8 Mio. Euro für Kultur in Österreich im Rahmen der EU-Regionalpolitik zur Verfügung gestellt. Eine stärkere Verankerung der Kunst- und Kultur in der EU-Regionalpolitik würde Fördermöglichkeiten zu den bestehenden bundesweiten Maßnahmen erschließen. Es geht nicht um eine Ökonomisierung der Kultur, sondern vielmehr darum, wie der Kunst- und Kultursektor von den Angeboten eines Wirtschaftsprogramms profitieren kann. Entscheidend ist hier auch die Sensibilisierung der für die Programmabwicklung des EU-Strukturfonds EFRE in Österreich verantwortlichen Stellen“, so Ministerin Schmied.

Kulturprojekte in Regionalprogrammen versteckt

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ist mit einer Dotierung von € 201 Mrd. der größte der drei Strukturfonds; er kofinanziert 257 Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaftsprojekte in Österreich und stellt dafür € 69 Mio. bereit – insgesamt sind das fast die Hälfte aller erhobenen Projekte und 87% der EU-Mittel. Mit € 78,8 Mio. beläuft sich der Anteil der erhobenen Kunst-, Kultur- und Kreativwirtschaftsprojekte an den gesamten, 2007 bis 2010 in allen Programmen genehmigten Mitteln von € 1,38 Mrd. auf 5,71% – dieser Anteil ist um ein Vielfaches höher als die Voranschläge der EU für Kultur für die gesamte Union (1,7%) und Österreich (1%). Damit übertrifft die vorliegende Studie die im Vorfeld gesetzten Erwartungen: Es werden bereits viele Kulturprojekte in den Regionalprogrammen umgesetzt – sie werden allerdings oft nicht als solche erkannt, weshalb der Kulturbereich im Rahmen der Regionalentwicklung noch faktisch „unsichtbar“ ist und sein Potential – trotz einer gewissen Basis – noch nicht in vollem Umfang genutzt wird. Die Regionalpolitik kann ihre Ziele nur erreichen, wenn sie jeden gesellschaftlichen Teilbereich berücksichtigt und fördert – darunter auch Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft sowie deren Spill-over-Effekte auf andere Sektoren.

Mediale Bekanntmachung von erfolgreichen Projekten ist unerlässlich

Neben verbesserten Rahmenbedingungen und Entbürokratisierung ist eine abschließende Empfehlung der Studie die Fördermöglichkeiten und die umgesetzten Projekte gezielt und breit zu kommunizieren, etwa durch Informationskampagnen und „Good Practice“-Publikationen. Letztere liefern Argumentationsgrundlagen für die Politik und Anreize für potenzielle AntragstellerInnen. "Folgende Schritte erscheinen mit Blick auf 2014-2020 wichtig: Verankerung von Kunst, Kultur, Kreativität entsprechend der EU 2020 Strategie 'Innovationsunion', Berücksichtigung in der EFRE-Verordnung, die derzeit verhandelt wird und Verankerung in den österreichischen Programmplanungsdokumenten (Bund, ÖROK und Bundesländer)“, hielt Kulturministerin Schmied fest.

Förderinteressenten wenden sich am besten an die zuständige Stelle in der jeweiligen Landesregierung, wo entschieden wird, wie das Geld aus Brüssel verteilt wird.

Studie "Der Kreativ-Motor für regionale Entwicklung - Kunst- und Kulturprojekte und die EU-Strukturförderung in Österreich"


 




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