EU-Projekt am St. Anna Kinderspital – Forschen heilt Krebs
Mit dieser Botschaft widmete sich die international renommierte St. Anna Kinderkrebsforschung und Projektleiter Prof. Helmut Gadner gemeinsam mit ihren drei Partnern, dem St. Anna Kinderspital, der Deutsche Kinderkrebsstiftung und der Pammerfilm von März 2008 bis Dezember 2010 einem EU-geförderten Wissenschaftskommunikations-Projekt mit dem Titel „Direct“.

Bild: fotodienst/Anna Rauchenberger
Arzneimittel für Kinder
Dringend ist der Bedarf an Therapie- und Medikamentenstudien mit Kindern für Kinder. „Für arbeits- und kostenintensive Studien auf qualitativ hohem Niveau muss uns eine 3-Säulen-Allianz aus Akademia, Politik und Industrie gelingen, um die heute noch leeren Budgettöpfe für Kindernetzwerke zu füllen“, betont St. Anna Ärztin und Forscherin Doz. Ruth Ladenstein. „DIRECT“ klärte über EU-Auflagen auf, die seit 2001 die klinische Kinderkrebsforschung und internationale Zusammenarbeit behindern. Da es für Kinder kaum Antikrebsmedikamente gibt, werden Arzneimittel, die sich seit langem als wirksam und sicher erwiesen haben, aber nur für Erwachsene zugelassen sind, „off label“ eingesetzt. „Für spendenfinanzierte Studien gelten Auflagen wie für große Pharmabetriebe. Dies verschlingt Unmengen an Geld und ist eine administrative Hürde“, beklagt Dworzak. Krebskranke Kinder benötigen den raschen Zugang zu innovativen Therapien und zugelassenen Medikamenten. Gefordert werden Budgets für klinische Forschung und weniger Bürokratie.
Nutzen für die Gesellschaft
Wegen ihrer Seltenheit werden Kinderkrebserkrankungen oft als ein Spezialproblem ohne gesellschaftliche Relevanz abgetan, obwohl die geheilten jungen Menschen als in der Regel produktive Mitbürger der Wirtschaft und dem Sozialsystem Österreichs dienen. „Jeder tausendste Österreicher hat heute eine Kinderkrebserkrankung überlebt“, sagte Doz. Kovar, wissenschaftlicher Leiter der St. Anna Kinderkrebsforschung, die höchst erfolgreich Koordinator oder Partner vieler EU-Projekte ist. Die EU hat den hohen Nutzen erkannt und fördert experimentelle, translationale und klinische Forschung, um die Neben- und Spätwirkungen von Kinderkrebstherapien mindern zu helfen. Die Mittel unterliegen jedoch einem sehr harten Wettbewerb, da es sich um kompetitive Förderprogramme handelt. Die Chance zur Förderung liege bei etwa zwanzig Prozent. Der Erfolg der verbesserten Heilungschancen hat die logische Konsequenz der umfassenden Nachsorge nach Therapieende und im Erwachsenenalter. Das Ziel sind einheitliche Richtlinien und EU-weite Nachsorgeeinrichtungen für Kinderkrebs-Langzeitüberlebende.
Awareness als probates Mittel

Bild: fotodienst/Anna Rauchenberger
Kommuniziert wurde über Pressekonferenzen, Vorträge bei der „Langen Nacht der Kinderkrebsforschung“ am St. Anna Kinderkrebs-Forschungsinstitut, eine öffentlich über die Medien ausgeschriebene „Sarkom-Awareness-Radtour“ von Greifenstein zur Donauinsel, ein Public-Students’-Forum „Krebs verstehen – Leben retten“ an der Akademie der Wissenschaften für SchülerInnen, um den Alltag von Forschern transparent zu machen. Weiters wurde im Rahmen des Projektes ein sogenanntes Mutmachbuch mit persönlichen Geschichten von Kinderkrebs-Überlebenden verfasst, welches zwei Aktionen des Projektes mit Bildern darstellt: Die Besteigung des Großglockner-Gipfels und eine 600-Kilometer-Radtour durch Deutschland mit ehemaligen Kinderkrebspatienten. Das Mutmachbuch soll nachhaltig die Akzeptanz der jungen Erwachsenen als geheilte Menschen mit gleichen Rechten in Ausbildung, Job und bei Versicherungen betonen.
Zukunft durch Verantwortung
Auf die Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten im Förderbereich wurde die Vereinfachung der Abrechnung und damit zusammenhängend die Vereinfachung der Dokumentation genannt. Der Prozess für die Entscheidung der Ausschreibungsthemen solle transparenter, sprich verständlicher werden. Die primär spendenfinanzierte St. Anna Kinderkrebsforschung nützt die Fördermittel der EU seit 1995. „Seit zweiundzwanzig Jahren basiert der Erfolg der Kinderkrebsforschung in Österreich primär auf privaten Spenden“, erklärte Prof. Gadner. Die Kontinuität verlangt langfristig eine Sicherstellung durch die öffentliche Hand. Im 21. Jahrhundert darf die Forschung zur Lebenssicherung krebskranker Kinder keinesfalls reine Wohltätigkeit sein. Sie muss gesellschaftspolitische Verpflichtung werden.
Zukunft Kinderkrebs: St. Anna hat mit dem EU-Projekt DIRECT kommuniziert - Europa hat gehört. Jetzt ist politisches Handeln in Österreich gefragt.
Filmtipp: "Kleine Helden - große Chancen. Kinderkrebsforschung in Europa"
(BR Alpha: Di 15.02.2011, 21:00 Uhr


















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