EU lockert Flüssigkeitsverbot für Flugreisen - Flughäfen in Europa befürchten Chaos
Am 29. April wird das seit 2006 in der EU geltenden Verbot für Flüssigkeiten im Handgepäck teilweise aufgehoben. Doch was als Erleichterung für Flugreisende gedacht ist, könnte an den Flughäfen für lange Wartezeiten sorgen.

Bild: 2leeetisthebes
Bei den Fluggästen dürfte die Verwirrung über die neue Regelung erst einmal groß sein. Flüssigkeiten, Gels und Cremes dürfen weiterhin nur in Mengen bis zu 100 Millilitern in einem maximal einen Liter großen Plastikbeutel mit an Bord genommen werden. Transferpassagiere, die von bisher als nicht sicher geltenden Flughäfen in die EU fliegen, können aber künftig ihre Ware aus Duty-Free-Shops behalten. Einzige Voraussetzung: Beim Umsteigen in der EU müssen sie ihre Flaschen und Flakons in einer speziellen Maschine durchleuchten lassen. Bisher wurde den Transitgästen die Ware aus den fernen Duty-Free-Shops beim Eintreffen in der EU vom Sicherheitspersonal abgenommen, wenn sie nicht aus Ländern aus den USA, Kanada, Kroatien, Malaysia und Singapur kommen, deren Flughäfen als sicher gelten.
Probelauf für die Flughäfen
Die EU-Regeln werden in einem ersten Schritt erst einmal geringfügig gelockert, damit so etwas wie ein Probelauf stattfinden kann, ehe die Auflagen für Flüssigkeiten im Handgepäck im Jahr 2013 dann ganz wegfallen. Die EU-Kommission hat die Aufhebung des Verbots bewusst in zwei Stufen organisiert, um den Flughäfen die Möglichkeit zu geben, ihre Sicherheitskontrollen neu zu organisieren. Ab 2013 müssen alle Handgepäckstücke von den neuen Maschinen durchleuchtet werden, die gefährliche Flüssigkeiten erkennen können. Ursprünglich sollte das Flüssigkeitsverbot schon 2010 komplett auslaufen, doch damals waren die Geräte noch nicht ausgereift. Mittlerweile sind zehn verschiedene Geräte am Markt. Genug Auswahl, argumentiert die EU-Kommission.
Champagnerkorken knallen
Der Flughafenverband ACI sieht das anders. „Die bestehende Technologie ist nicht geeignet“, sagt ACI-Generaldirektor Olivier Jankovec und befürchtet, dass die großen Umsteigeflughäfen in Europa zum Erliegen kommen könnten. Bisher stehen drei Typen von Prüfgeräten zur Verfügung. Beim ersten Typ müssen die Flaschen geöffnet werden. „Das wird Freude auslösen, wenn der Passagier seine Champagnerflasche öffnen muss“, heißt es bei ACI. Der zweite Typ an Geräten kann nur einzelnen Flaschen überprüfen, wodurch es zu erheblichen Wartezeiten kommen könnte. Beim dritten Typ muss die Ware in ein spezielles Behältnis gelegt werden. Ein weiterer Typ, der den anderen überlegen wäre, befindet sich noch in der Entwicklung. Wohl auch deshalb wäre es den Flughäfen recht, wenn sie den Kauf noch hinauszögern könnten.
Häufiger falscher Alarm

Bild: Europäische Union
Bei ACI befürchtet man neben den langen Schlangen, dass die Passagiere die neue Regelung schlicht nicht verstehen. „Das wird das Flugerlebnis nicht verbessern“, heißt es dort. ACI hofft, dass die EU-Kommission das April-Datum noch nach hinten verschieben könnte. Mehrere EU-Mitgliedsstaaten würden dies begrüßen, etwa Frankreich, Italien, Tschechien, Polen und Slowenien. Die EU-Kommission ist jedoch nicht gewillt, Zugeständnisse zu machen: „Die Flughäfen wissen seit geraumer Zeit, dass sie die Geräte anschaffen müssen.“
Das Flüssigkeitsverbot war in der EU 2006 eingeführt worden, nachdem die britische Polizei ein Flugzeugattentat verhindert hat, bei dem flüssiger Sprengstoff verwendet werden sollte. Die USA haben ebenfalls ein Verbot für Flüssigkeiten im Handgepäck erlassen. Auch dort war die Aufhebung der Regeln ernsthaft erwogen worden. Weil die Technologie, die gefährliche von ungefährlichen Flüssigkeiten unterscheiden kann, jedoch noch nicht als ausgereift gilt, wurde der Termin nach hinten verschoben. Die US-Regierung wird möglicherweise noch im März bekannt geben, wie sie bei dem Thema weiter verfahren will.
Silke Wettach / Brüssel


















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