Mittwoch 22. Mai 2013, 08:58

Umwelt & Agrar


EU-Aus für Plastiksackerln in Sicht

Dem Plastiksackerl soll es jetzt auch in der EU an den Kragen gehen. Geht es nach EU-Umweltkommissar Janez Potocnik, dann soll die Ära des „Kulturgutes“ Plastiksackerl nach nur knapp einem halben Jahrhundert zu Ende gehen. In den 60er-Jahren hielt das Plastiksackerl Einzug in den europäischen Alltag. Es galt als eine der Errungenschaften für die Bequemlichkeit und einen neuen, modernen Lebensstil.

Kartoffelstärkesackerl REWE
Kartoffelstärkesackerl REWE
Bild: REWE International AG/BILLA
Nicht mehr gezwungen, Transportbehältnisse von zu Hause mitnehmen zu müssen, erleichterte es den Einkaufsalltag und war für Unternehmen ein hervorragender Werbeträger. Mittlerweilen ist das Plastiksackerl auch in Schwellen- und Entwicklungsländern angelangt, das heißt, alle haben nun Anteil am Segen - einem nahezu gewichtsfreien, oft kostenlosen Transportbehältnis das darüber hinaus nahezu überall zu bekommen ist.

Diese Segnung hat aber einen entscheidenden Nachteil - nach meist nur wenigen Minuten Gebrauch wird das Plastiksackerl zu Müll und belastet, da es als Erdölprodukt nicht verrottbar ist, die Umwelt über mehrere Jahrzehnte.

Jeder Europäer verbraucht im Laufe eines Jahres rund 500 Plastiksackerln, rechnet die EU-Kommission vor. Das ergibt 3,5 Millionen Tonnen Müll jährlich. Viele davon wandern eben nicht zum Recycling, sondern landen im Meer - mit verheerenden Folgen für die Meereswelt, fügt Kommisar Potocnik hinzu.


Todesfalle Plastikmüll im Meer

Die EU-Kommission will daher den Plastiksackerln den Kampf ansagen. 3,5 Millionen Tonnen Müll verursachen die Sackerln jährlich. Viele davon wandern eben nicht zum Recycling, sondern landen im Meer - mit verheerenden Folgen für die Meereswelt.

Meeresschildkröten, Seevögel, Pinguine, Wale und Seeotter halten den Müll für Nahrung, an der sie oft verenden. Außerdem werden sie meist aus Erdöl hergestellt. Kritiker sehen eine gigantische Energieverschwendung.

Potocnik überlegt daher ein EU-weites Verbot, oder eine Plastiksackerl-Steuer. Seit Mittwoch, dem 18.05. läuft eine öffentliche Befragung der EU-Behörde (siehe Verweis am Ende des Artikels). Sie läuft noch bis Ende August, dann will der Kommissar Taten folgen lassen.

In Österreich ist die Situation nicht ganz so dramatisch. Trotzdem unterstützt Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich die Initiative der EU-Kommission mit einem Fünf-Punkte-Programm: Das sieht eine Kooperation mit dem Handel zur Plastiksackerlvermeidung, ein Pilotprojekt zum verstärkten Einsatz von abbaubaren Verpackungsmaterialien und die Bewusstseinsbildung in Sachen Abfallvermeidung vor.

In Österreich ist ein Verbot, wie es FPÖ und Grüne im Nationalrat forderten, derzeit nicht zu erwarten, da es dem freien Warenverkehr in Europa widerspricht. Italien hat sich mit seinem Verbot nicht abbaubarer Sackerln bereits ein Vertragsverletzungsverfahren aufgehalst.

Auf unsere Nachfrage, wie bei REWE, einem der größten Lebensmittelhandelskonzerne Europas, mit der Situation umgegangen wird, teilte uns Frau Mag. Corinna Tinkler, Leiterin Unternehmenskommunikation und Pressesprecherin REWE International AG. mit:

„In all unseren Vertriebsschienen der REWE International AG in Österreich gibt es auch Papier-Tragetaschen - der Konsument kann hier wählen. Außerdem haben wir Mehrwegvarianten bei BILLA, MERKUR und BIPA im Sortiment.

Im Rahmen des Nachhaltigkeitskonzeptes von REWE International AG, das fixer Bestandteil der Unternehmensstrategie ist, wurde in der REWE Group Nachhaltigkeitswoche im vergangenen Jahr, im September 2010, ein Kartoffelstärkesackerl bei BILLA eingeführt. Dieses wird nachhaltig aus nachwachsenden Rohstoffen produziert.“

Ein EU-Verbot ist nicht vor 2013 oder 2014 realistisch. Ein Gesetzesvorschlag nach der Befragung der Bürger muss von den EU-Umweltministern und dem Parlament erst abgesegnet werden. Einfacher ist es da, bereits jetzt nicht mehr zum Plastiksackerl zu greifen.

In übrigen - Australien und China haben sich bereits von ihren Plastiksackerln getrennt, dort sind sie verboten. » Ihre Stimme in Europa...


 




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