Freitag 24. Mai 2013, 15:08

Tourismus & Freizeit

EU-Abgeordnete wollen Denkanstöße geben

Die Fraktionsvorsitzenden des Europäischen Parlaments empfehlen Bücher,  die für den Strandurlaub nicht nur Lektüre sondern auch Denkanstoß sein können.

EU-Abgeordnete wollen Denkanstöße geben
EU-Abgeordnete wollen Denkanstöße geben
Bild: Rainer Sturm/pixelio.de
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (Deutschland), empfiehlt Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens von Immo Eberl. Das Buch gebe tiefere Einblicke in das frühe Klosterleben und seinen Einfluss auf die Kultur Europas, erklärt Schulz. Empfehlenswert sei auch die Biografie von Helmut Schmidt (Teil 1 und 2) von Hartmut Soell. "Helmut Schmidt ist einer der faszinierendsten Politiker meiner Zeit. Kürzlich hatte ich die Ehre ihn zu treffen und lange mit ihm über die Euro-Krise sowie die Zukunft der Europäischen Union zu diskutieren."

Der Österreicher Hannes Swoboda, Vorsitzender der Sozialdemokraten im Parlament, schlägt Hungary between democracy and authoritarianism des ungarisch-österreichischen Journalisten Paul Lendvai vor. Der Autor erzählt, wie Ungarn zu einer Bedrohung für die Demokratie in Mitteleuropa wurde. Die schockierenden Veränderungen führt Lendvai auf ein autoritäres System zurück und liefert seinen Lesern eine schonungslose Darstellung seiner persönlichen Erfahrungen mit der politischen Kultur Ungarns.

Der Vorsitzende der Liberalen und Demokraten für Europa, Guy Verhofstadt aus Belgien, empfiehlt Daron Acemoğlus und James Robinsons Why Nations Fail: The Origins of Power, Prosperity and Poverty, das erst 2012 erschienen ist und ebenfalls noch nicht auf Deutsch veröffentlicht wurde. "Ein wunderbares und außergewöhnliches Buch, das ihr Verständnis von Geschichte und Gesellschaft nachhaltig beeinflusst", erklärt Verhofstadt seine Wahl.

Die Autoren untersuchen, warum einige Nationen reich und erfolgreich sind, während andere mittellos blieben. Ihr Fazit: Es liegt nicht an der Wirtschaft eines Landes, sondern an der Politik. Sie behaupten, dass funktionierende politische Institutionen entscheidend für den Wohlstand eines Landes oder einer Region sind. "Das ist eine wichtige Lektion für die Europäische Union. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, wir müssen aber dringend unsere Institutionen reformieren und unsere Gesetze anpassen, wenn wir den Standard beibehalten möchten", folgert Verhofstadt.

Die Deutsche Rebecca Harms, Ko-Vorsitzende der Grünen, empfiehlt 3/11: Tagebuch nach Fukushima von Yuko Ichimura und Tim Rittmann. Das Buch erzählt durch Texte und Zeichnungen von den ersten sechs Monaten, die auf das "stärkste, jemals registrierte Erdbeben in Japan" folgten. Dieses Buch widerspricht nahezu allem, was im Zuge der Katastrophe über Japan und die Japaner geschrieben wurde. "Sie können es lesen oder sich einfach die Bilder anschauen. In jedem Fall wird es Ihnen einen besseren Überblick darüber geben, wie die Japaner mit dem Unglück umgehen."

Der Brite Martin Callanan von den Konservativen und Reformisten rät nicht zu einem Buch, sondern zu zwei Aufsätzen, die Auswege aus der Schuldenkrise aufzeichnen sollen. Die Texte raten von weiteren Bail-outs, Sparmaßnahmen und Gipfeltreffen ab und fordern stattdessen ein Ende des Euros.

Der Text von Roger Bootles (Capital Economics) erklärt wie ein Land aus dem Euro aussteigen könne und wurde mit dem Wolfson Preis ausgezeichnet. Bootles schlägt eine neue Währung vor, die anfangs gleichwertig zum Euro sein sollte. Preise und Gehälter müssten also nicht umgerechnet werden. Auf dem Finanzmarkt würde anschließend der Wechselkurs angepasst.

Der zweite Aufsatz stammt von Markus Kerber und untersucht die Möglichkeit einer "Guldenmark" als Parallelwährung zum Euro einzuführen, für Länder mit erstklassiger Kreditwürdigkeit und einem Leistungsbilanzüberschuss.

Der Ko-Vorsitzende der Partei Europa der Freiheit und der Demokratie, Nigel Farage, empfiehlt Olly Figgs Europe on 387 Million Euros a day: Why the world cannot afford the EU. "Ich studiere die EU seit Jahren und war überrascht - wenn nicht sogar entsetzt - darüber, wie viel ich noch nicht wusste. Figg hat ganze Arbeit geleistet."


 




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