Dienstag 18. Juni 2013, 05:39

Bildung & Kultur

Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft in allen europäischen Ländern auf den Lehrplänen

Alle EU-Mitgliedstaaten haben das Fach „Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft“ in ihre Lehrpläne für Grund- und Sekundarschulen aufgenommen – allerdings mit unterschiedlichen Ansätzen, wie aus einem von der Europäischen Kommission veröffentlichten Bericht hervorgeht.

Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft
Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft
Bild: SEA LIFE/flickr.com
Die Verbesserung von Kenntnissen und Kompetenzen für das Unterrichten dieses Fachs stellt jedoch eine Herausforderung dar, da nur zwei Länder (England und die Slowakei) eine gezielte Ausbildung für angehende Fachlehrer im Rahmen ihrer Lehrergrundausbildung anbieten. Laut dem Bericht besteht allgemein Konsens darüber, dass Staatsbürgerkunde darauf ausgerichtet sein sollte, kritisches Denken, analytische Fähigkeiten und Sichtweisen und damit die aktive Teilhabe in Schule und Gesellschaft zu fördern.

Aktive Teilhabe an unserer Gesellschaft

Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend: „Die Erziehung zur aktiven Staatsbürgerschaft vermittelt Schülerinnen und Schülern die notwendigen Kenntnisse, Kompetenzen und Werte für eine aktive Teilhabe an unserer Gesellschaft. Dies müssen wir fördern, weil die aktive Teilhabe die Basis unserer demokratischen Werte in Europa ist. Auch die Ausbildung der Lehrkräfte in diesem Bereich verdient mehr Aufmerksamkeit, damit junge Menschen inspiriert werden, sich als aktive Staatsbürger zu verhalten.“

Laut dem Bericht haben Schulen in allen europäischen Ländern Regeln und Empfehlungen formuliert, die demokratisches Verhalten und Mitwirkung fördern sollen, beispielsweise durch die Wahl von Klassensprechern, Schülerräten und Schülervertretern in schulischen Gremien. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich junge Menschen auch später aktiv in das gesellschaftliche und politische Leben einbringen werden.

Öffentlich finanzierte Programme oder Projekte

Inzwischen haben alle Länder Leitlinien aufgestellt, um die Schülerschaft in die Verwaltung ihrer jeweiligen Schulen einzubeziehen, und seit 2007 haben mehr als die Hälfte der Länder wenigstens ein öffentlich finanziertes Programm oder Projekt durchgeführt, um staatsbürgerliche Werte und Verhaltensweisen außerhalb der Schule zu fördern. So gibt es Initiativen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichem ethnischen und sozioökonomischen Hintergrund zu gemeinsamen Tätigkeiten angeregt werden sollen (Lettland beispielsweise hat ein Projekt in dieser Richtung eingeleitet). In anderen Projekten werden Grundschulkinder mit in Altersheimen lebenden älteren Menschen zusammengebracht (Frankreich zählt zu den Ländern, die derartige generationenübergreifende Projekte fördern).

Auch bei der Bewertung von Schülerinnen und Schülern spielt die aktive Mitwirkung eine immer größere Rolle. Mehr als ein Drittel der europäischen Länder  berücksichtigen die aktive Teilnahme an schulischen oder gemeinschaftlichen Aktivitäten bei der Bewertung von Schülerinnen und Schülern.

Der vom Eurydice-Netzwerk für die Kommission zusammengestellte Bericht über die Erziehung zu aktiver Staatsbürgerschaft in Europa (Citizenship Education in Europe) erfasst 31 europäische Länder – die EU-Mitgliedstaaten, Island, Norwegen, Kroatien und die Türkei.

Eurydice

Der Bericht wurde vom Eurydice-Netzwerk erstellt, das Analysen und Informationen zu europäischen Bildungssystemen und -strategien bereitstellt. Es besteht aus 37 nationalen Stellen in allen 33 Ländern, die am EU-Programm für lebenslanges Lernen teilnehmen (EU-Mitgliedstaaten, Kroatien, Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz und Türkei). Es wird von der EU-Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur koordiniert und verwaltet.


 




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