Freitag 18. Mai 2012, 19:49

Bildung & Kultur


Erasmus für alle: EU-Fördermittel für 5 Millionen Bürgerinnen und Bürger

Die Europäische Kommission hat heute ihren Vorschlag für „Erasmus für alle“, das neue EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport vorgelegt. Mit den darin vorgesehenen Stipendien könnten bis zu 5 Millionen Menschen – fast doppelt so viele wie bisher – einen Teil ihres Bildungswegs im Ausland absolvieren, darunter fast 3 Millionen Lernende in der Hochschul- und Berufsbildung. Für Master-Studierende ist zudem ein neues Garantieinstrument für Studiendarlehen vorgesehen, das gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank-Gruppe eingerichtet werden soll. Das auf sieben Jahre angelegte Programm „Erasmus für alle“ mit einem Gesamtbudget von 19 Mrd. Euro soll im Jahr 2014 anlaufen.

Androulla Vassiliou
Androulla Vassiliou
Bild: Europ. Union
„Investitionen in die allgemeine und berufliche Bildung sind die besten Investitionen in die Zukunft Europas. Bildungsaufenthalte in anderen Ländern verbessern die Fertigkeiten der Bürgerinnen und Bürger, tragen zu ihrer persönlichen Entwicklung bei und steigern ihre Anpassungs- und Beschäftigungsfähigkeit. Wir wollen dafür sorgen, dass mehr Menschen EU-Stipendien erhalten, um solche Möglichkeiten zu nutzen. Zugleich müssen wir mehr Mittel für qualitative Verbesserungen auf allen Ebenen der allgemeinen und beruflichen Bildung bereitstellen, damit wir weltweit zur Spitzengruppe zählen und die Beschäftigung und das Wachstum steigern können“, erklärte Androulla Vassiliou, EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend.

„Erasmus für alle“ würde alle derzeitigen EU-Programme für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport auf europäischer und internationaler Ebene in sich vereinen. Dies bedeutet, dass sieben laufende Programme 1 durch ein einziges neues ersetzt werden, was mehr Effizienz, einfachere Antragsverfahren für Finanzhilfen und weniger Doppelarbeit und Zersplitterung mit sich bringt.

Die Kommission schlägt vor, das Programm mit einem Budget von 19 Mrd. EUR für den Zeitraum 2014-2020 auszustatten, was einem Zuwachs gegenüber dem laufenden Siebenjahreszeitraum um rund 70 % entspricht. Dieser Betrag, in dem die prognostizierte Inflation berücksichtigt ist, umfasst auch die für die internationale Zusammenarbeit vorgesehenen Ausgaben.

Im Zentrum des neuen Programms stehen der Mehrwert auf EU-Ebene und die systemrelevante Wirkung. Zu diesem Zweck werden drei Arten von Aktionen gefördert: Lernangebote – innerhalb und außerhalb der EU – für Einzelpersonen; institutionelle Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen, Jugendorganisationen, Unternehmen, lokalen und regionalen Behörden und Nichtregierungsorganisationen; Unterstützung von Reformen in den Mitgliedstaaten, um die Bildungs- und Berufsbildungssysteme zu modernisieren und Innovation, Unternehmergeist und Beschäftigungsfähigkeit zu fördern.

Folgendes wäre nachdem Vorschlag mit „Erasmus für alle" möglichen:

  • 2,2 Millionen Studierende könnten Stipendien für Studienaufenthalte im Ausland erhalten (gegenüber 1,5 Millionen im laufenden Programm ). Diese Zahl schließt auch Studierende aus der EU ein, die in einem Drittland studieren, sowie Studierende aus Drittländern, die ein Studium in der EU absolvieren (insgesamt 135 000 Personen).

  • 735 000 Auszubildende, Berufsschülerinnen und –schüler könnten einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolvieren (gegenüber 350 000 im laufenden Programm).

  • 1 Million Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie Jugendbetreuerinnen und ‑betreuer könnten Fördermittel für Lehr- und Fortbildungsaufenthalte im Aus land erhalten (gegenüber 600 000 im laufenden Programm).

  • 700 000 junge Menschen könnten Auslandspraktika in Unternehmen machen (gegenüber 600 000 im laufenden Programm).

  • 330 000 Master-Studierende könnten das brandneue Garantieinstrument für Studiendarlehen für ein Studium im Ausland in Anspruch nehmen.

  • 540 000 junge Menschen könnten an Freiwilligen- oder Austauschprojekten teilnehmen (gegenüber 374 000 im laufenden Programm).

  • 34 000 Studierende könnten ein Stipendium für ein Studium an mindestens zwei Hochschulen im Ausland erhalten, das zum Erwerb eines „gemeinsamen Abschlusses“ führt (gegenüber 17 600 im laufenden Programm).

  • 115 000 in den Bereichen allgemeine und berufliche Bildung und/oder Jugend aktive Einrichtungen und Organisationen sowie weitere Akteure könnten mehr als 20 000 „strategische Partnerschaften“ schließen, um gemeinsame Initiativen umzusetzen und den Austausch von Erfahrungen und Know-how zu fördern.

  • 4000 Bildungseinrichtungen und Unternehmen könnten 400 „Wissensallianzen“ und „Allianzen für branchenspezifische Fertigkeiten“ bilden, die als Triebfedern für Beschäftigungsfähigkeit, Innovation und Unternehmergeist dienen sollen.

Zwei Drittel der Mittel sind für Mobilitätsstipendien zur Verbesserung von Kenntnissen und Fertigkeiten vorgesehen.

Durch die schlankere Struktur des neuen Programms – und die beträchtliche Erhöhung der Mittelausstattung – kann die EU Studierenden, Auszubildenden, jungen Menschen, Lehrkräften, Jugendbetreuerinnen und –betreuern und anderen Gruppen erheblich mehr Möglichkeiten eröffnen, ihre Fertigkeiten zu verbessern, ihre persönliche Entwicklung voranzubringen und ihre Beschäftigungsaussichten zu steigern. Darüber hinaus wird „Erasmus für alle“ die Forschung und Lehre zur europäischen Integration unterstützen und den Breitensport fördern.

Seit 2007 haben im Jahresdurchschnitt 400 000 Menschen EU-Stipendien für einen Studien- oder Ausbildungsaufenthalt oder für eine Freiwilligentätigkeit im Ausland erhalten. Diese Zahl würde sich durch das vorgeschlagene Programm fast verdoppeln (knapp 800 000 Personen). Im Jahr 2010 erhielten in den 27 EU-Mitgliedstaaten 560 000 Bürgerinnen und Bürger ein Stipendium (vgl. Anhang 1).

Der Programmvorschlag wird nun vom Rat (den 27 Mitgliedstaaten) und vom Europäischen Parlament erörtert. Diese entscheiden dann über den endgültigen Finanzrahmen für die Jahre 2014-2020.

Weitere Informationen:

Siehe auch MEMO/11/818
http://ec.europa.eu/education/erasmus-for-all

Website von EU-Kommissarin Vassiliou:
http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/vassiliou

Europäische Kommission: Website zur allgemeinen und beruflichen Bildung

Anhang 1:

Der Tabelle ist zu entnehmen, wie vielen Menschen 2010 im Rahmen der Programme für lebenslanges Lernen und Jugend in Aktion EU-Stipendien für Studien- und Ausbildungsaufenthalte sowie Freiwilligentätigkeiten gewährt wurden. „Erasmus für alle“ wird beide Programme in sich vereinen, und die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger soll EU-weit fast verdoppelt werden.

Land
Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer*
Programm für lebenslanges Lernen
Jugend in Aktion
Gesamt
Österreich
11000
2500
13500
Belgien
12000
4500
16500
Bulgarien
6000
5000
11000
Zypern
1500
1000
2500
Tschechische Republik
14000
3000
17000
Dänemark
6000
2000
8000
Estland
3000
5000
8000
Finnland
23500
2000
25500
Frankreich
52000
11000
63000
Deutschland
63000
15000
78000
Griechenland
8000
2500
10500
Ungarn
8000
4500
12500
Irland
4000
2000
6000
Italien
43500
6000
49500
Lettland
4500
3000
7500
Litauen
7000
4500
11500
Luxemburg
1000
900
1900
Malta
250
100
350
Niederlande
19500
3000
22500
Polen
23000
10500
33500
Portugal
21000
2500
23500
Rumänien
12500
7500
20000
Slowakei
6000
3500
9500
Slowenien
3500
2000
5500
Spanien
52000
10500
62500
Schweden
8500
3500
12000
Vereinigtes Königreich
20750
7500
28250
Gesamt
435000
125000
560000
* Sämtliche Zahlen sind auf die nächste Hunderterstelle auf- oder abgerundet. Enthalten sind auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Mobilitätsprojekten, die nicht für einen Studien-, Lern- oder Arbeitsaufenthalt ins Ausland gereist sind (z. B. Schulklassen).

 




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