Mittwoch 22. Mai 2013, 22:07

Binnenmarkt & Wettbewerb

Enterprise Europe Network unterstützt KMU bei grenzüberschreitenden Aktivitäten

Das Enterprise Europe Network ist das größte Netzwerk von Informations- und Beratungsstellen in Europa, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Wir sprachen mit Heinz Kogler von der Wirtschaftskammer Österreich, der als Österreich-Koordinator des Netzwerks fungiert, über die Angebote und Aktivitäten und den tatsächlichen Nutzen des Netzwerks.

Seit wann gibt es das Enterprise Europe Network?

Das EEN gibt es in dieser Form seit 2008, aber es gab auch Vorgängernetzwerke, die in diesem Netzwerk zusammengeführt wurden.

Nach drei Jahren können sie eine erste Bilanz ziehen. Wie hat sich die Entwicklung in Österreich bisher gestaltet?

Wir mussten natürlich auch in Österreich viel umstrukturieren, weil wir hier bewusst ein einziges großes Netzwerk aufgebaut haben und nicht verschiedene kleinere. Es ging uns darum, Synergien zu schaffen. Zu diesem Zweck mussten wir verschiedene Organisationen unter einen Hut bringen, was in Österreich nicht immer einfach ist. Das Netzwerk hat in Österreich sicher einen Mehrwert geschaffen, auch für die KMU, weil es mittlerweile bekannter ist als die Vorgängernetzwerke. Die Netzwerkpartner treten auch viel gemeinsamer auf und machen auch in den Bundesländern viele gemeinsame Veranstaltungen.

Wie groß ist dieses Netzwerk in Österreich?

Die österreichischen Partner sind vor allem die Wirtschaftskammern und die Technologiestellen des Bundes und der Bundesländer. In ganz Europa gibt es um die 500 Partner, wobei auch die Kandidatenländer für einen EU-Beitritt schon voll in das Netzwerk integriert sind. Mit denen machen wir auch sehr viel, denn das Netzwerk hat ja nicht in erster Linie zum Ziel, innerhalb Österreichs die Firmen zu informieren oder zusammenzubringen, sondern grenzüberschreitend in Europa.

Welchen konkreten Nutzen haben die österreichischen KMU vom European Enterprise Network?

Den KMU wird geholfen, wenn sie den Binnenmarkt nutzen, also grenzüberschreitend tätig werden wollen. Dazu zählen Informationen und die Beantwortung von Fragen wie: Was muss ich tun, um in andere Länder hinüber zu arbeiten – was ja noch immer nicht ganz einfach ist. Was muss ich machen, wenn ich ein Produkt europakonform gestalten möchte? Kann ich Förderungen von der EU bekommen? Wichtig ist auch die Suche nach Kooperationspartnern, für die wir etliche Kooperationsbörsen veranstalten. Ähnliches gab es zwar auch früher, aber jetzt wird das besser koordiniert, andere Organisationen werden besser eingebunden, und man profitiert stärker gegenseitig vom Know-How und den Synergien. All das kommt den Firmen zugute.

Und wie sieht es auf europäischer Ebene aus?

Mag. Heinz Kogler; Bild: WKODa gibt es natürlich die Kooperation mit den Netzwerkpartnern in den anderen Ländern. Für unser „Danube Region Business Forum“ Anfang November haben wir z.B. mit den EEN-Partnern in Serbien, Rumänien, Ungarn und Deutschland kooperiert, die unser Event beworben und interessierte Firmen geschickt haben. Trotz aller professionellen und sozialen Netzwerke im Internet sind die direkten Kooperationsgespräche noch immer stark gefragt und erwünscht. Man muss aber aufpassen, denn bei den Events kann man nicht mehr allgemeine Treffen ohne Schwerpunktsektor machen wie noch vor zehn Jahren. Heutzutage muss man einen Schwerpunkt – oder maximal zwei – setzen und sehr spezifische Gesprächspartner anbieten.

Welche der vom EEN angebotenen Dienste nutzen die österreichischen KMU am stärksten?

Unsere KMU wollen vor allem wissen, wie sie europakonforme Dienstleistungen anbieten und grenzüberschreitend arbeiten können, wie sie die Möglichkeiten des Binnenmarktes nutzen können. Das gilt für den Dienstleistungsbereich ebenso wie für Produkte, daher ist z.B. die CE-Kennzeichnung ein Dauerthema, weil sich bei der Produktsicherheit und den Produktvorschriften immer wieder etwas ändert. Ein häufiges Thema sind Importe aus China oder auch aus anderen Drittländern, wo österreichische KMU als Importeure auftreten und das Produkt europaweit verkaufen möchten. Wir erklären ihnen, wo die Fallen sind, worauf sie achten müssen, welche Unterlagen bereitgehalten werden müssen, welche Sanktionen es gibt, usw. Ein immer wiederkehrendes Thema sind Binnenmarktbeschwerden, also wenn Firmen auf ein Hemmnis stoßen. Das sind oft kleine Details, die aber sehr wichtig sind, wenn z.B. ein technisches Detail verhindert, dass eine Gasflasche in Frankreich vertrieben werden darf. Wir prüfen dann im Einzelfall, ob die Anforderungen an ein Produkt oder eine Dienstleistung in einem anderen Land mit den entsprechenden EU-Richtlinien vereinbar sind. Gegebenenfalls schreiben wir auch einen Beschwerdebrief an die EU-Kommission, um Hindernisse auszuräumen.

Können sie uns ein ganz konkretes Beispiel für eine Hilfestellung geben?

Eine österreichische Lackfirma hat in verschiedenen EU-Ländern immer wieder Probleme mit der Zulassung von Lacken, weil irgendwelche Mitgliedsstaaten gewisse Stoffe nicht anerkennen, obwohl es ein europäisches Chemikalienrecht und REACH gibt. Wir haben dieser Firma oft geholfen, dass die jeweiligen Behörden – auch auf Druck der EU-Kommission oder des Problemlösungsmechanismus SOLVIT – einlenken. Das EU-Recht muss ja von allen Behörden bis zum Beamten auf der untersten Ebene der Hierarchie richtig angewendet werden. Oft ist es gar kein Gesetzesbruch des Mitgliedsstaats, sondern eine fehlerhafte Anwendung, die dann durch eine Verwaltungsanweisung bereinigt wird.

Wie stellt sich die Nutzung der EEN-Dienste zahlenmäßig dar?

Bei unseren Veranstaltungen in Österreich – im Jahr sind das vier oder fünf – sind jeweils bis zu 150 in- und ausländische Firmen vertreten. Dabei finden pro Jahr über 1000 Kooperationsgespräche zwischen österreichischen und europäischen Unternehmen statt. Zudem machen wir teilweise sehr spezielle Informationsveranstaltungen, z.B. ein Seminar in Wien zum Thema CE-Kennzeichnung für Maschinen, an dem hoch spezialisierte Techniker von rund 300 Firmen teilgenommen haben. Dazu kommen ca. 2000 Einzelanfragen per E-Mail oder Telefon von den Firmen zu unterschiedlichsten Bereichen von der Kennzeichnung bis zur Mehrwertsteuer.

Was halten sie von der Mitteilung „Kleine Unternehmen – große Welt: Eine neue Partnerschaft, um KMU zu helfen, ihre Chancen im globalen Kontext zu nutzen“, die die EU-Kommission im November veröffentlicht hat?

Europa ist diesbezüglich zweigeteilt in Länder, die starke Außenwirtschaftsstrukturen und viele Büros in den Zielländern, den Emerging Markets, besitzen, und jene Länder, die dies nicht haben. Wir in Österreich haben eine starke Export- und Internationalisierungsstruktur und müssen darauf achten, dass die EU nicht versucht, zusätzlich dazu parallele Strukturen aufzubauen. Wir müssen uns sehr genau anschauen, was die EU anbieten möchte und was die Mitgliedsstaaten anbieten, und wo eine Kooperation sinnvoll wäre und Synergien schaffen würde.

Danke für das Gespräch.

Enterprise Europe Network

Enterprise Europe Network ist ein europäisches Netzwerk mit dem Ziel Kooperationen, Technologietransfer und strategische Partnerschaften für kleine und mittelständische Unternehmen zu unterstützen. Es umfasst 600 Partnerorganisationen in 46 Ländern mit mehr als 3000 ExpertInnen. Das größte Technologie und Business Service Netzwerk der Welt erschließt für Firmen und Forschungseinrichtungen europaweit die optimalen Förder- und Kooperationsmöglichkeiten.

Das Enterprise Europe Network wird von der Europäischen Kommission gefördert und bietet daher einen Großteil seiner Serviceleistungen kostenlos an.

Alle Informationen dazu unter: www.een.at (Österreich) oder http://www.een-deutschland.de/ (Deutschland)


 




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