Energiewende: Zukunftsfähige Strategien - Teil 2
Wien. Strategien und Vorschläge zur Energiewende sollen klären, wie es um den Fortschritt bei der Energiewende aussieht. Dänemark steht als leuchtendes Vorbild im Rampenlicht, aus Deutschland ist trotz dem latenten Politgeplänkel deutlicher Fortschritt zu berichten. Doch wie sieht es in Österreich aus?

Bild: BMLFUW/UBA/Gröger
Halbherzige Bemühungen
Die EU-Richtlinie von 34% erneuerbarer Energie sollte erreichbar sein. Josef Plank, Präsident des EEÖ (Verband Erneuerbare Energie Österreich) will sich damit nicht zufrieden geben. Seiner Meinung nach sind sogar 45-50% machbar. Das könnte einen enormen wirtschaftlichen und ökologischen Vorsprung verschaffen. Doch der österreichische Energieplan verpufft am Papier, es fehlt an Konsequenz, Verbindlichkeit und geeigneten Rahmenbedingungen. So ist seitens des EEÖ die Befürchtung zu vernehmen, dass Österreich seine Vorreiterrolle in Sachen erneuerbare Energie abgeben wird, wenn es nicht bald gelingt, konkrete Zielvorgaben, die über die EU-Vorgaben hinausgehen, politisch langfristig zu verankern. Ein 10-Jahresprogramm wäre angebracht, die Energiewende soll schließlich eine Erfolgsgeschichte werden. Was jedoch fehlt, ist ein Masterplan für Energieinfrastrukturen und Speicher, zudem geht es um Kostenwahrheit und Subventionen an falscher Stelle.
Rahmenbedingungen im Kreuzfeuer
Dr. Heinz Kopetz, Mitglied im Innovationsnetzwerk der „Japan Renewable Energy Foundation, Österreich, ist von den gegebenen Rahmenbedingungen auch nicht sehr überzeugt. Österreich liegt, was die Emissionswerte betrifft, nicht gerade gut. Es geht bei der Dekarbonisierung um globale Solidarität, der CO2-Handel ist wichtig für die Finanzwirtschaft, aber wirkungslos was die Umwelt betrifft. Zertifikate versus Klimaschutz, so die Kernaussage zu diesem Thema. Die Geldflüsse laufen zugunsten fossiler Energieträger, die Kritik ist nicht zu überhören. Als Vorschlag wir ein Konjunkturprogramm mit 150 Millionen Euro Budgetansatz genannt, finanziert durch eine Neuordnung aus inländischen Öl- und Gasförderungen in Verbindung mit einer Novelle des Mineralrohstoffgesetzes.
Raumwärme ohne Gas und Öl
Das Umweltbundesamt stellt angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen triste Prognosen was CO2-Emissionen betrifft. Um Industrie und Gewerbe nicht zu belasten, müssen Einsparungen am Strom- und Wärmesektor erfolgen. Fernwärme, Solarthermie, Biomasse sind des Rätsels Lösung, an der Energieeffizienz muss ebenfalls gearbeitet werden. In Schweden beispielsweise wurden bereits 2004 nur mehr 6% der Wohnungen mit Öl oder Gas beheizt. Japan hingegen wird als negatives Beispiel zitiert, 87% der Wohnungen werden fossil beheizt, der Rest elektrisch. Ohne geeignete Politik sind ökonomische Kalamitäten vorprogrammiert.
Zwar geht es hierzulande in die richtige Richtung, die Gangart muss jedoch spürbar verschärft werden. Beim jetzigen Tempo, sofern man überhaupt von Tempo reden kann, braucht die Umstellung der Heizsysteme rund 60 Jahre, so H. Kopetz. Die Vorgaben aus Brüssel sind, so H. Kopetz weiter, als Mindestanforderung zu werten, diese entsprechen nämlich dem Kompromiss aus 27 Mitgliedern, wir sind schließlich nicht die Provinz von Brüssel. Planbarkeit ist gefragt, und Sicherheit für Investoren, es fehlt an fester Struktur und Verbindlichkeit.
Fokus auf erneuerbare Energie setzen
Umweltminister Niki Berlakovich setzt sich gegen die Vorhaltungen der Experten energisch zur Wehr. „Wir tun reichlich viel. Nur geht vieles unter!“ so seine Worte. Österreich zieht die richtigen Schlüsse aus dem Aktionsplan, was der Glaubwürdigkeit zugute kommt. Low Carbon Economy ist realisierbar, CCS wird vehement abgelehnt. Atomkraft hat keine Nachhaltigkeit, nichts desto trotz ist ein europäisches Nuklearsicherheitssystem für Nachbarn sinnvoll. Abschalten oder Aufrüsten ist die einzige Antwort auf AKW Stresstest, so sein Ausführungen. Und verspricht, dass Österreich laut Studien, die er selbst beauftragt hat, bis 2050 energieautark ist. Energiesparen und Energieeffizienz sind an der Tagesordnung, die regionale Energieautarkie verspricht Wachstum und damit Arbeitsplätze. „Green Growth ist global gesehen die einzig sinnvolle Strategie“, so die mahnenden Worte des Ministers, „Wir müssen den Fokus auf erneuerbare Energien setzen. Zugleich bedauert er die fehlende Solidarität der Erneuerbare Energie Träger. Hier fehlt es sichtlich an gemeinsamer Strategie, es ist ein blanker Kampf um Fördergelder.
Was die Zertifikate betrifft, die erst kürzlich für Furore gesorgt haben: „Zertifikate jetzt kaufen, weil sie billig sind“, so des Ministers Worte im Zusammenhang damit, ob besagtes Geld nicht im Lande besser aufgehoben wäre. Die ausländischen Investitionen betreffend ist das Wort Solidarität zu vernehmen.
Effizienz im Vordergrund
Von Wirtschaftsminister Dr. Reinhold Mitterlehner hingegen ist gedämpfter Optimismus zu vernehmen. Der fossile Ausstieg dürfte wohl doch langsamer erfolgen als vorgesehen. Die EU-weite Versorgungssicherheit muss gegeben sein, Nabucco zieht sich in die Länge. Seinen Angaben zufolge sind derzeit 5% Atomstrom als Graustrom im Netz. Bekommt der Strom jetzt doch ein Mascherl umgebunden? Immerhin, ab 2013 werden Haushalte atomfrei versorgt, im Bereich Industrie wird es 2015 so weit sein. „Early Action“ fördern ist der Schlachtruf des Ministers, der im Bereich der Energieeffizienz die größte Chance sieht. Mittels konsequentem Monitoring soll festgestellt werden, ob die Weichenstellung für 2050 richtig ist, zudem setzt er auf internationale Solidarität. Auslandsprojekte müssen in der Bilanz ebenfalls angerechnet werden. Für die aktuelle Situation und auch die Ziele gibt es lobende Worte, jetzt müssen Massnahmen gesetzt werden. Und es steht fest, dass die Industrie die Wende mittragen wird.
Jetzt geht es sichtlich um den Masterplan, den wir mit großer Spannung erwarten. Alle suchen nach strukturierten Wegen und Lösungen.


















Kommentar hinzufügen