Mittwoch 19. Juni 2013, 17:36

Umwelt & Agrar

Energiesparlampen: Lichtblicke

Teuer, quecksilberhältig und unbeliebt. Diese Handicaps dürften ausschlaggebend dafür sein, dass die Marktdurchdringung der hochgiftigen Strahlemänner nur sehr zögerlich erfolgt. In der Praxis scheitert es an Performance und Haltbarkeit. Neue Errungenschaften setzen diesem dunklen Kapitel ein Ende.

Energiesparlampen: Lichtblicke
Energiesparlampen: Lichtblicke
Bild: Gerhard der Panzerknacker/flickr.com
Die Glühbirne hat ausgedient. Seit 1. September geht es den traditionellen Leuchtkolben sukzessive an den Leuchtdraht, die Händler dürfen nur mehr die letzten Restbestände verkaufen. Ihren als umweltfreundlich proklamierten Nachfolgern ist die strahlende Karriere jedoch bislang versagt geblieben, und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts mehr ändern. Eine Lichtrevolution steht bevor und dürfte einem der unpopulärsten Kapitel der Union ein jähes Ende setzen. FIPEL und OLEDs scharren bereits unüberhörbar in den Startlöchern, um das anspruchsvolle Erbe der millionenfach bewährten Glühbirnen zu übernehmen.

FIPEL: Effizienter als LEDs

Wake Forest University / North Carolina. Forscher entwickeln Glühbirnen aus Kunststoff. Diese sollen merkbar effizienter sein als konventionelle LEDs. David Carroll, Projektleiter: „Wir haben einen Weg gefunden, um Licht und nicht Hitze zu erzeugen“. FIPEL (Field-Induced Polymer Electroluminescent) besteht aus mehrschichtigem Kunststoff mit einer kleinen Menge Nanopartikeln. Diese werden in Schwingung gebracht und erzeugen dabei Licht ähnlich dem natürlichen Sonnenlicht.
Das klingt vielversprechend, ebenso die weiteren Eigenschaften der neuen Errungenschaft. Frei von anfälliger Elektronik und schädlichen Umweltgiften spendieren die bruchsicheren Turbo-Lampen flackerfreies, warmes Licht. Die neuen Leuchtkörper sind preiswert und zudem in jeder nur erdenklichen Form und Farbe realisierbar, was wiederum ein breit gefächertes Einsatzspektrum ermöglicht und Designern viel Spielraum bis hin zu großflächigen Leuchtflächen eröffnet.

OLEDs: Leuchtdioden auf Kohlenstoffbasis

Wesentlich komplexer im Aufbau hingegen sind organische Leuchtdioden (OLEDs) auf Basis von Kohlenstoff. Die Materie ist zwar durchwegs als gut erkundet zu bezeichnen, doch stehen die Wissenschafter noch vor einer ganzen Menge Herausforderungen. Speziell bei grössflächigen Leuchten gibt es nach wie vor viele ungelöste Komponenten, hier braucht es noch einiges an  Entwicklungsarbeit bis hin zur praxistauglichen Serienreife. Kleine Displays für Notebooks sowie Handys sind bereits am Markt erhältlich, OLED-Fernsehgeräte ohne Hintergrundbeleuchtung dürften ebenfalls bald erhältlich sein. Dabei schwebt den kreativen Technikern sogar vor, farblich variable Tapeten zu entwickeln, mit OLED beschichtete Fenster könnten nächtens gar als Lampen genutzt werden. Ob papierdünne Fernseher jedoch realisiert werden, sei dahingestellt. Denkbar wäre es jedenfalls.

Plastikleuchten bereits 2013

Während die Forschungslabors zum munteren Wettrüsten aufrufen, überbieten sich die Experten mit optimistischen Prognosen. Selbstbewusst weist FIPEL-Entwickler darauf hin, dass seine Innovation den reichlich empfindlichen OLEDs haushoch überlegen sei, da diese weder besonders haltbar noch ausreichend hell sind. CeeLite will bereits 2013 den Markt erobern und auch nach Europa kommen, der Preis wird bereits im Vorfeld als überaus konkurrenzfähig bezeichnet. OLEDs dürften noch einiges an Entwicklung vertragen. In Expertenkreisen wird gemunkelt, dass es zur weit reichenden Marktdurchdringung noch mindestens zehn Jahre dauern wird. 

Anschaffungspreis versus Energieeffizienz

Die Energiesparlampen waren an sich gedacht, die stromfressenden Glühlampen vom Markt zu drängen. Doch einmal mehr kam es anders, als von Brüssel erdacht. Die unbeliebten Leuchtröhren sind schlimmer als ihr Ruf, wie die Praxis eindrucksvoll beweist. Der Anschaffungspreis ist entschieden zu hoch, die Haltbarkeit erreicht üblicherweise nicht einmal die Hälfte der von den Herstellern angegebenen Lebensdauer, Lichtausbeute und Lichtqualität sind auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Dazu kommt, dass sie häufiges Ein- und Ausschalten laut zischend mit frühzeitigem Ableben quittieren. Das rückt die Leistungsbilanz in schräges Licht und führt den lautstark beworbenen Sparfaktor schlichtweg ad absurdum. LEDs übertreffen Energiesparlampen in Sachen Effizienz spürbar, der happige Anschaffungspreis ist jedoch geeignet, Sodbrennen zu verursachen. Die angegebene Lebensdauer von 30 Jahren hingegen stimmt Verbraucher milde. Halogenlampen bilden  eine weitere Alternative, doch auch diesen will die EU vereinzelt an den Kragen. Gegenüber Glühbirnen sparen sie bescheidene 30 % Energie. Die Haltbarkeit fällt mit rund 2000 Betriebsstunden nicht gerade üppig aus, doch das muss die Energiesparlampe überhaupt erst einmal bringen.

Energieaufwand bei Herstellung wird verschwiegen

Ob klassische Glühbirne, Energiesparlampe, LED oder Halogenbrenner: Im Bereich der Lichttechnik sind Fortschritte erkennbar. Worüber Hersteller üblicherweise nur ungern reden ist der Energieaufwand im komplexen Herstellungsprozess. Diesen in Relation zur Energieersparnis zu setzen wäre durchaus interessant. Immerhin, es zeichnen sich bereits ernstzunehmende Alternativen am Lichtmarkt ab. FIPEL und OLEDs könnten da und dort die erhoffte Erleuchtung bewirken und uns in Folge unerwartete Lichtblicke bescheren. 


 




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