Freitag 01. August 2014, 17:52

Energie & Ressourcen

Energieeffizienz: So sieht es die Kommission

Der Europäische Rechungshof bemängelt in einem Sonderbericht die Investitionen für Energieeffizienz. In Italien, Litauen und Tschechien wurden reichlich Fördergelder in den Sand gesetzt. Im Vordergrund der durchgeführten Massnahmen stand die sichtliche Notwendigkeit, öffentliche Gebäude zu sanieren.

Sanierung öffentlicher Gebäude
Sanierung öffentlicher Gebäude
Bild: erzgebirgsblog/flickr.com
Die Energiewende ist verbriefte Sache. Bis 2020 sollen 20 % des prognostizierten  Primärenenergiebedarfs eingespart werden. Gezielte Massnahmen im Bereich Energieeffizienz sind unumgänglich, zumal die Kommission bereits jetzt festgestellt hat, dass die EU, sofern keine weiteren Massnahmen ergriffen werden, gerade mal 9 % Energieersparnis erreichen dürfte. Damit wird die Roadmap 2020 um über 10 % verfehlt. Rein theoretisch ist es jedoch nach wie vor möglich, an der  Zwanzigermarke zu kratzen. Dazu müssten die Bemühungen lediglich etwas ambitionierter umgesetzt werden. Massnahmen müssen punktgenau gesetzt werden, was wiederum entsprechende Bedarfsanalysen, Pflichtenhefte und konsequentes Monitoring erfordert. Nur so ist es möglich,

Fehlschläge wie zuletzt in Italien, Litauen und Tschechien zu vermeiden. Die dort getroffenen Massnahmen haben eine durchschnittliche Amortisationszeit von 50 Jahren und mehr. Rüffel blieben nicht aus, die Stellungsnahme der Kommission gibt jedoch zu denken.       

Widersprüchliche Kostenwirksamkeit

Differenzen zwischen einer Bedarfsanalyse und dem Ansatz der Kostenwirksamkeit sind unvermeidbar. Bestehende regionale Bedürfnisse etwa können zu komplett anderen Prioritäten führen als bei einer prinzipiellen Priorität auf Basis der Kostenwirksamkeit. Zudem beruft sich die Kommission übrigens zu Recht auf die teils sehr dynamischen Entwicklungen im Bereich der Energieeffizienz, hier hat sich seit der Grundkonzeption der einzelnen Programme viel geändert. Die operationellen Programme müssen anhand jener Kriterien bewertet werden, anhand derer sie ausgearbeitet, bewertet und abgesegnet wurden. Der Kommission einfach mal so und ganz pauschal den Schwarzen Peter rüber zu schieben ist nicht unbedingt fair.

Köhäsionspolitik: Faktor Ganzheitlichkeit

Da die Kohäsionspolitik als ganzheitliche Politik zu verstehen ist, ist speziell bei öffentlichen Gebäuden ein ebenso ganzheitlicher Ansatz zu berücksichtigen, mit Energieeffizienz alleine ist es nicht getan. Es geht vielmehr um die generelle Aufwertung bestimmter Gebäude und Objekte. Zudem kommt, dass besagte Programme ausgehandelt und auch genehmigt wurden, noch bevor die nationalen Energieeffizienz-Aktionspläne (NEEAP) vorgelegt werden mussten. Diese sind definitiv nicht als Investitionsstrategie für die Nutzung der Mittelzuweisungen gemäß Kohäsionspolitik zur Förderung der Energieeffizienz gedacht. Energieeffizienz ist nur eine von mehreren Zielsetzungen der Kohäsionspolitik. Vielfach ist eine Gesamtsanierung angebracht, um Erfolge zu erzielen, wodurch die Amortisationsdauer naturgemäss verlängert wird, dabei aber die Höhe der Einsparungen merklich ansteigt. Sanierungskonzepte sind naturgemäss langfristig zu werten. 

Indikatoren der Überwachung nicht bindend!

Es ist vorgesehen, die Effizienz der Programme konsequent zu steigern. Die Kommission schlägt vor, den Bereich Energieeffizienz um drei gemeinsame Indikatoren zu erweitern. Die Zahl der Haushalte mit niedrigem Energieverbrauch wird ebenso angeführt wie der Rückgang des Primärenergieverbrauchs in öffentlichen Gebäuden und die Zahl der Endkunden an intelligenten Netzen. Energieprüfungen und Energiemanagementsysteme sind auch aus Sicht der Kommission sehr zu begrüßen, es geht um konkrete Nachvollziehbarkeit und verbindliche Benchmarks, um bei Bedarf geeignete Anpassungen einfließen zu lassen, was durchaus sinn macht. Gegenwärtig gibt es diesbezüglich kein verbindliches Framework. Kurzum, die Kommission wendet konsequent sämtliche bestehenden Vorgaben an, man agiert exakt im Rahmen der Vorgaben.

2014 - 2020: Verbesserungen in Sicht

Die Kommission ist mit dem Aufbau der aktuellen Indikatoren des Frameworks nicht unbedingt glücklich, es gibt zu viele Unbekannte im Spiel. Energiepreise und klimatische Begebenheiten erschweren unmittelbare Vergleiche, was Fehlschlüsse begünstigt. So wird vorgeschlagen, dass die Methodik für Auswahlverfahren aufgewertet wird, wobei auch die Verwaltungsbehörde mitziehen muss. Standardinvestitionskosten erwiesen sich aufgrund teils sehr unterschiedlicher Begebenheiten als problematisch, eine regionale Situationsanalyse in Verbindung mit einer Bedarfsanalyse erscheint durchaus sinnvoll, sofern auch die regionalen Möglichkeiten und Ressourcen berücksichtigt werden. Kurzum, der ganzheitliche Ansatz der Kommission hat seine Berechtigung und ist gut geeignet, die doch heftige Kritik des EuRH zu relativieren.   

Neue Leitlinien in Vorbereitung

Die Kommission ist daran, neue Leitlinien zur Bewertung von Projekten zur Erhöhung der Energieeffizienz auszugestalten. Diese könnten die Basis zur Implementierung von Auswertung, Überwachung und Kontrolle der Projekte dienen. Monitoring gewinnt fortan zusehends an Bedeutung.  Zudem ist vorgesehen, dass den Endkunden qualitativ hochwertige Energieprüfungen zur Verfügung stehen. Ganzheitliche Konzeptionen sind ausschlaggebend für den Erfolg der Programme, wobei die Kommission die Ansicht vertritt, dass Sanierungen auch dann gerechtfertigt sind, wenn die Kosten unterm Strich denn doch heftiger ausfallen als vorgesehen. Grundlegende Sanierungen amortisieren sich eben erst zu einem späteren Zeitpunkt. 

In den Ausführungen der Kommission ist reichlich Optimismus zu erkennen. Ob eine so großzügige Auslegung der Vorgaben den Regeln entspricht ist fraglich. Das berechtigt zur Frage, warum die Gelder der Union zur Erhaltung oder auch grundlegenden Sanierung von öffentlichen Gebäuden unter dem Aspekt der Energieeffizienz herangezogen werden. Solidarität ja. Aber bitte nach Vorschrift.   

 




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