Freitag 18. Mai 2012, 19:47

Energie & Ressourcen

Energieeffizienz: Energiearmut wegen Heizkosten

Väterchen Frost beschert den Energieproduzenten gute Geschäfte. Anders sieht es bei den Verbrauchern aus: Die Heizkosten steigen und steigen – Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Die Kältewelle und Lieferengpässe bei Gas aus Russland machen gemeinsame Sache, das Thema Gebäudesanierung gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Russland drosselt die Gaslieferungen um ein Drittel - Keine Versorgungsengpässe in Europa
Russland drosselt die Gaslieferungen um ein Drittel - Keine Versorgungsengpässe in Europa
Bild: RIA Novosti. Iljya Pitalew
Die anhaltenden frostigen Temperaturen treiben den Bewohnern insbesondere in unsanierten Gebäuden die Schweißperlen auf die Stirn: Die Heizkosten steigen in astronomische Höhen, die ohnehin überzogenen Energiekosten verschärfen die Situation zusehends. Das lauschig-warme Zuhause entwickelt sich zur teuren Sache, Gebäudesanierungen sind angesagt. Energieeffizienz ist angesagt, die ungünstigen Rahmenbedingungen machen Förderungen wichtiger denn je.

Zank um Förderung für Energieeffizienz

Berlin: NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller übt heftige Kritik an der deutschen Politik, die sich bislang über eine zusätzliche Förderung für energetische Gebäudesanierungen nicht einigen konnte. „Reden und Handeln klaffen in Sachen Energieeffizienz in der Politik meilenweit auseinander“, so Miller, und lässt an den Verantwortlichen kein gutes Haar. Über Energieeffizienz wird philosophiert und diskutiert, doch bei der konkreten Umsetzung „scheinen Bund und Länder in Kälte zu erstarren“, so Miller weiter. Und in der Tat, es wird reichlich Heiße Luft durch die Gegend geblasen.       

Steigende Energiearmut

Erneut tagt der Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern, um sich diesem Thema zu widmen. Die steigenden Heizkosten sollten die Politiker endlich zum Handeln animieren, die Lage ist ernst. Die bevorstehenden Heizkostenabrechnungen könnten zahlreiche Haushalte ins wirtschaftliche Dilemma stürzen, es wird einfach zuviel Kohle verheizt. Die Kälte der Politik hält Einzug ins Wohnzimmer. Gegenüber 2007 ist der Preis für Heizöl, berechnet anhand eines 4-Personenhaushalts, in Deutschland um satte  40 Prozent gestiegen. L. Miller wirft der Bundesregierung bei dieser Gelegenheit auch gleich vor, in punkto energetische Gebäudesanierung grob fahrlässig zu handeln, da sie Hausbesitzer und Mieter in die Energiearmut treibt.   

Armutszeugnis für deutsche Bundesregierung

Ursprünglich war die Rede von 1,5 Milliarden Euro an Fördermittel für die energetische Gebäudesanierung für 2012. Stattdessen sind es jetzt nur mehr 900 Millionen, die bereit stehen. Bundesbauminister Ramsauer hat sichtlich zu viel versprochen. Die Gewinne für die umstrittenen CO2-Zertifikate haben einige wenige reich gemacht, um letztendlich einzubrechen. Die Bundesregierung reduziert Fördergelder, die steuerlichen Anreize fehlen. Haus- und Wohnungseigentümer sind verunsichert. Der Stillstand im Bereich der energetischen Gebäudesanierung blockiert zugleich die Gewerbebetriebe, Arbeitsplätze werden vernichtet.

Rettung durch Energieeffizienz

2 Milliarden Euro müssten an Fördermittel bereitgestellt werden, so NABU, um das Problem in den Griff zu bekommen und die um sich greifende Energiearmut einzuschränken. Das erfordert jedoch ein Umdenken auf politischer Ebene. Die Energieeffizienzrichtline ist als einmalige Chance zu sehen, um nachhaltig Ressourcen zu schonen. Und im Gegenzug zu den unzähligen kritischen Stimmen streut L. Miller dem EU-Kommissar G. Oettinger Rote Rosen für dessen den Energieeffizienz-Auftrag an Unternehmen.

Angesichts dieser Fakten stellt sich die berechtigte Frage: Wird die Energie gar knapp? Russland hat erst dieser Tage die Gaslieferungen nach Europa um 30% reduziert. Als Grund dafür wird die Rekordkälte in Russland genannt. Und einmal mehr schoben Insider die Schuld der Ukraine zu, jenem Land, das die wichtigste Pipeline-Route nach Europa kontrolliert. Aus Brüssel wurde versichert, dass „keine Notsituation“ bestehe und jeder Mitgliedsstaat Reserven für einen Monat hat. Seitens der Verantwortlichen sind keine Versorgungsengpässe zu erwarten, doch einmal mehr zeigt der im wahrsten Sinn des Wortes Kalte Alltag, wie abhängig der Faktor Energie auf einmal machen kann. Der aktuelle Polit-Hickhack ist jedenfalls denkbar ungeeignet, um in Sachen Energieeffizienz und damit auch der energetischen Gebäudesanierung auch nur irgendwelche Fortschritte zu erzielen, von der avisierten Energiewende ganz zu schweigen.  

Energiefahrplan, Energiewende, Energieeffizienzauftrag: Mit Energie können gute Geschäfte gemacht werden, das steht fest. Schade nur, dass dabei sehr oft die Nachhaltigkeit das Nachsehen hat. 


 




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