Mittwoch 22. Mai 2013, 08:10

Energie & Ressourcen

Energie 2050: Die 10 Gebote

Brüssels Visionen von der Dekarbonisierung kosten Geld. Nichts bleibt dabei so wie es einmal war. Umdenken ist angesagt. Während die Energiemärkte neu ausgerichtet und europäisiert werden, greift die Energiewende mit aller Nachhaltigkeit in unseren Alltag ein. Mobilität und unsere teils recht sorglose Verbrauchsgewohnheiten werden sich ändern.

Energie 2050: Die 10 Gebote
Energie 2050: Die 10 Gebote
Bild: Uni Graz
Klimaschutz, Sicherheit und wirtschaftliche Gründe verlangen danach, das europäische Energiesystem grundlegend auf die Anforderungen der Zukunft zu adaptieren. Der Energiefahrplan 2050 zeigt, dass die Dekarbonisierung des Energiesystems realisierbar ist. Doch um die wegweisenden Konzepte rechtzeitig zu realisieren, müssen die politischen Ambitionen drastisch erhöht werden, die Kommission vermisst auf nationaler Ebene die erforderliche Ernsthaftigkeit in dieser Sache, es fehlt am Bewusstsein für die angebrachte Dringlichkeit.

Laufendes Monitoring und neue Benchmarks

Es ist  vorgesehen, mit allen involvierten EU-Organen und Akteuren intensive Gespräche zu führen und laufende Adjustierungen am Fahrplan vorzunehmen. In einem interaktiven Prozess zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten und der EU sollen die Benchmarks den Umständen entsprechend neu ausgerichtet werden und die erforderlichen Massnahmen getroffen werden, um die Ziele der Energiewende termingerecht realisieren zu können. Verzerrungen des Energiebinnenmarkts sollen vermieden werden. Brüssel hat zudem erkannt, dass künstlich regulierte, zu geringe Energiekosten falsche Signale an die Märkte geben und dadurch die Anreize für Energieeinsparungen und Effizienzmassnahmen negativ beeinträchtigen, was wiederum die Dekarbonisierung verzögert.

Energiepreise werden steigen

Nachhaltigkeit hat ihren Preis: Die Roadmap zeigt ein signifikantes Ansteigen der Energiepreise bis 2030, erst danach sind Preissenkungen realisierbar. Die Bürger der Union müssen, so sieht es Brüssel ausdrücklich vor, auf die bevorstehenden Preiserhöhungen vorbereitet werden. Energieintensive Branchen und schutzbedürftige Kunden werden sehr wahrscheinlich Unterstützung brauchen, doch steht für die Kommission fest, dass sich die massiven Investition auf lange Sicht rentieren werden und weitgehende Unabhängigkeit von Energieimporten bewirken. Die Botschaft aus Brüssel lautet: Beschäftigung, Wachstum und niedrigere Brennstoffkosten bei maximaler Wettbewerbsfähigkeit.

10 Gebote aus Brüssel

Um das neue Energiesystem erfolgreich implementieren zu können, hat sich Brüssel einen 10-Punkte-Plan ausgedacht. Dieser ist als Grundvoraussetzung für die Energiewende zu sehen und somit strikt und mit aller Konsequenz einzuhalten, sonst klappt es nicht mit der Dekarbonisierung.

1) Energiestrategie 2020: Diese Zwischenetappe hat oberste Priorität. Die Rechtsvorschriften müssen adaptiert und konsequent umgesetzt werden. Es ist angebracht, die Vorschläge betreffend Energieeffizienz, Sicherheit und internationale Zusammenarbeit zügig zu verabschieden. Dabei sollen die Sozialpartner integriert werden, um zu einem gerechten Übergang beizutragen.   

2) Effizienz ist angesagt. Das gilt sowohl für Energiesysteme als auch für die Gesellschaft. Es geht um Bewusstseinsbildung, um das erforderliche Umdenken in die Wege zu leiten. In Verbindung mit der Agenda für Ressourceneffizienz können die festgelegten Ziele in Folge schneller und kosteneffizienter erreicht werden. Brüssel zwingt uns zu sparen.

3) Der Ausbau der erneuerbaren Energieträger steht im Fokus des Geschehens. Die Ausbaurate erfordert eine Adaptierung der politischen Rahmenbedingungen. Die 20%-Quote der Union hat sich bislang als zugkräftiger Antrieb für die Umsetzung der Pläne bewährt. Für 2030 sollen rechtzeitig neue Benchmarks festgelegt werden.   

4) Es sind vermehrte private und öffentliche Investitionen in den Bereichen Forschung und Präsentation erforderlich, um technologische Innovationen zu forcieren. Diese sind ausschlaggebend für eine schnelle kommerzielle Markteinführung der neuen Energiequellen.

5) Um den für 2014 vorgesehenen integrierten Markt zu realisieren, müssen regulierungsbezogene und strukturelle Defizite restlos beseitigt werden. Das erfordert effiziente Marktstrukturinstrumente, denn nur so kann der Energiebinnenmarkt sein Potenzial entfalten und den Energiemix ändern.

6) Kostentransparenz soll das Energiesystem nachvollziehbar machen. Je früher sich die Preise an den Kosten orientieren, desto leichter geht der Wandel des Energiesystems über die Bühne. Brüssel erwartet, schutzbedürftige Gruppen auf nationaler und lokaler Ebene entsprechend zu berücksichtigen.

7) Bewusstseinsbildung drängt: Kollektive Verantwortung und ein neues Bewusstsein für Energie und Ressourcen spielen bei der Entwicklung neuer Energieinfrastrukturen und Energiespeicherkapazitäten
eine tragende Rolle, auch über die europäischen Grenzen hinaus.

8) Bei Sicherheit und Gefahrenabwehr dürfen keine Abstriche gemacht werden. Die EU beabsichtigt diesbezüglich eine internationale Vorreiterrolle einzunehmen. Der Rahmen dafür muss entsprechend geschaffen werden, hier dürfen keine halbherzigen Kompromisse gemacht werden.

9) Think Big. Brüssel wünscht sich einen stärker koordinierten EU-Ansatz in Sachen Energiebeziehungen. Das beinhaltet zudem die Intensivierung der Bemühungen bei internationalen Klimaschutzmassnahmen. Es geht dabei schlichtweg um Verbindlichkeit.

10) Es müssen konkrete Meilensteine für Mitgliedstaaten und Investoren gesetzt werden. Das verlangt natürlich geeignete Rahmenbedingungen, um endlich die vielfach bemängelte Vorhersehbarkeit zu implementieren. Der nächste logische Schritt ist die Festlegung des Politikrahmens bis 2030 als noch einsehbarer Zeithorizont, der auch im Fokus der Anleger steht.     

So viel zu den Visionen aus Brüssel. Ob der Energieplan 2050 fristgerecht realisiert wird, liegt definitiv an den Mitgliedstaaten und deren Kooperation. Es liegt auf der Hand, dass eine neue Art der Zusammenarbeit gefunden werden muss, die auf Ehrlichkeit, Toleranz und Vernunft aufgebaut ist, taktische Verzögerungspolitik führt in eine Sackgasse. Wir müssen die Herausforderung annehmen, schon alleine im Interesse der nächsten Generationen. Entscheidungen von heute bestimmen über das Schicksal der Zukunft. Wir alle tragen die Verantwortung.    


 


 




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