Emissionshandel: voestalpine erwartet massive Verteuerung ab 2013
Gestohlene CO²-Zertifikate sorgten zuletzt auch in Österreich für Aufregung. Viel größere Sorgen bereitet aber jenen Unternehmen, die auf den Kauf von so genannten Verschmutzungsrechten angewiesen sind, wie etwa der Stahlhersteller voestalpine, die ab dem Jahr 2013 erwartete deutliche Verteuerung des Emissionshandels in der EU.

Bild: Voestalpine AG
„Wir gehen von Kosten in Höhe von 120 Millionen Euro pro Jahr aus“, erläutert Donig. Denn die EU plane eine Ausstoßgrenze von 1,4 Tonnen CO² pro hergestellter Tonne Stahl, darüber hinaus müssten Zertifikate zugekauft werden. Die voestalpine liege bei 1,6 Tonnen CO². Die Entscheidung soll am 7. April fallen. Das Problem des europaweit saubersten Stahlwerkes mit Sitz in Linz sei nicht der Hochofen, sondern die Kokerei und die Sinterei, wo das aus dem steirischen Erzberg stammende Eisenerz aufbereitet werde. Den Stahlhersteller stören aber nicht nur die stark steigenden Kosten, sondern auch die Tatsache, dass es diese finanzielle Belastung für die Branche nur in Europa gebe, Stahlwerke in den USA oder Asien hätten keine derartigen Umweltkosten.
Kosten werden auf Stromkunden abgewälzt
Betroffen vom europäischen Emissionshandelssystem sind aber auch Papier- und Zementfabriken, Ölraffinieren sowie die Strom- und Wärmeerzeugung mit fossilen Rohstoffen ab 20 Megawatt. Gelingt es dem Anlagenbetreiber nicht, weniger CO² auszustoßen als der zugeteilten Zertifikatsmenge entspricht, muss er Verschmutzungsrechte zukaufen.
Bei der Energie AG OÖ ist Erwin Mair, Geschäftsführer der Handelsgesellschaft, für den Handel mit CO²-Zertifikaten zuständig. „Wir kaufen Zertifikate von Energiehändlern, von Unternehmen, die ihre Kontingente nicht zur Gänze benötigen und wir kaufen sie an der Börse hauptsächlich für den eigenen Bedarf. Wir handeln aber auch mit Zertifikaten und verkaufen diese weiter und können darüber hinaus Projekte in Drittstaaten machen, wofür es ebenfalls Handelsplätze gibt“, erläutert der Experte.
Wenn es ab 1. Jänner 2013 keine kostenlosen CO²-Zertifikate mehr gibt, sondern alle Verschmutzungsrecht zugekauft werden müssen, wird sich die Stromerzeugung nach Ansicht von Mair verteuern. Die zusätzlichen Kosten müssten die Stromkunden tragen, womit letztlich diese Maßnahme zu einer Verteuerung der Strompreise führe.
So funktioniert der Emissionshandel:

Bild: Lucy 44
In Österreich ist für den Handel die Zertifikateregiesterstelle ECRA zuständig, die dem Umweltbundesamt untergeordnet ist. In Deutschland ist die Energiebörse EEX mit Sitz in Leipzig zuständig. Die größten Geschäfte werden aber an der ICE in London getätigt. Unternehmen oder Branchen, die mehr CO² ausstoßen als zugeteilt, kaufen anderen Firmen, die sauberer produzieren, Verschmutzungsrechte ab. Damit können sie Kosten verringern und Strafzahlungen vermeiden. 2013 wird das System EU-weit zentral von Brüssel aus geregelt. Geplant ist eine Einbindung aller Industriefirmen mit einem jährlichen CO²-Ausstoß von mehr als 10.000 Tonnen. Die Betriebe dürfen dann nur entsprechend der erworbenen Rechte Kohlendioxid freisetzen, das beim Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl oder Erdgas entsteht.
Aufs richtige Pferd gesetzt
Zu jenen Firmen, die kräftig im Emissionshandel mitmischen, zählt die 1999 von Hansjörg Tengg gegründete smart technologies GmbH. Der Unternehmer, der sich unter anderem in der heimischen Energiewirtschaft, als Chef des ersten privaten Mobilfunkbetreibers max.mobil (heute T-Mobile) und als Konsum-Liquidierer einen Namen gemacht hatte, erkannte, dass die Vollliberalisierung der Energiemärkte zahlreiche neue IT-Lösungen benötigt und holte sich zu diesem Zweck den Siemens-Konzern ins Boot. Er half dabei mit, Marktregeln zu schaffen und die Vollliberalisierung auf den Weg zu bringen. Die Firma, an der Tengg 74 Prozent hält, hat zwar nur 15 Mitarbeiter, ist aber dafür an einer Reihe von Unternehmen beteiligt. So hält smart technologies 8,06 Prozent an der Österreichischen Strombörse EXXA, als deren Aufsichtsratschef Tengg verantwortlich zeichnet. Weitere Beteiligungen gibt es mit 10,0 Prozent an der Zertifikateregisterstelle ECRA, bei der Tengg stellvertretender Aufsichtsratschef ist, 18,50 Prozent hält smart an der Beratungsfirma CISMO – auch hier ist der Manager stellvertretender Chef des Kontrollorgans -, jeweils 12,60 Prozent an der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG und an RIECADO, einem Serviceprovider für Auktionsprozesse im Strombereich, 20 Prozent an der Verrechnungsstelle für Gas, AGCS sowie 17 Prozent an der Verrechnungsstelle für Strom, APCS.


















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