Sonntag 19. Mai 2013, 13:49

Energie & Ressourcen


Emissionshandel: voestalpine erwartet massive Verteuerung ab 2013

Gestohlene CO²-Zertifikate sorgten zuletzt auch in Österreich für Aufregung. Viel größere Sorgen bereitet aber jenen Unternehmen, die auf den Kauf von so genannten Verschmutzungsrechten angewiesen sind, wie etwa der Stahlhersteller voestalpine, die ab dem Jahr 2013 erwartete deutliche Verteuerung des Emissionshandels in der EU.

Voestalpine AG
Voestalpine AG
Bild: Voestalpine AG
„Wir haben in den vergangenen fünf Jahren gemäß den nationalen Zuteilungsplänen jeweils zehn Millionen Euro in den Kauf von CO²-Zertifikaten investiert“, sagt Nikola Donig, Pressesprecher der voestalpine. Jeweils zur Hälfte habe man sich am freien Markt, sprich an der Börse, bedient, wo eine Tonne Kohlendioxid derzeit etwa 15 Euro kostet und Investitionen in Umweltschutzprojekte in Drittländern getätigt. Ab dem Jahr 2013, wenn die dritte Phase des 2005 in Kraft getretenen EU-Emissionshandels beginnt, erwartet der größte heimische Emittent des klimaschädlichen Kohlendioxids aber eine massive Verteuerung.

„Wir gehen von Kosten in Höhe von 120 Millionen Euro pro Jahr aus“, erläutert Donig. Denn die EU plane eine Ausstoßgrenze von 1,4 Tonnen CO² pro hergestellter Tonne Stahl, darüber hinaus müssten Zertifikate zugekauft werden. Die voestalpine liege bei 1,6 Tonnen CO². Die Entscheidung soll am 7. April fallen. Das Problem des europaweit saubersten Stahlwerkes mit Sitz in Linz sei nicht der Hochofen, sondern die Kokerei und die Sinterei, wo das aus dem steirischen Erzberg stammende Eisenerz aufbereitet werde. Den Stahlhersteller stören aber nicht nur die stark steigenden Kosten, sondern auch die Tatsache, dass es diese finanzielle Belastung für die Branche nur in Europa gebe, Stahlwerke in den USA oder Asien hätten keine derartigen Umweltkosten.

Kosten werden auf Stromkunden abgewälzt

Betroffen vom europäischen Emissionshandelssystem sind aber auch Papier- und Zementfabriken, Ölraffinieren sowie die Strom- und Wärmeerzeugung mit fossilen Rohstoffen ab 20 Megawatt. Gelingt es dem Anlagenbetreiber nicht, weniger CO² auszustoßen als der zugeteilten Zertifikatsmenge entspricht, muss er Verschmutzungsrechte zukaufen.

Bei der Energie AG OÖ ist Erwin Mair, Geschäftsführer der Handelsgesellschaft, für den Handel mit CO²-Zertifikaten zuständig. „Wir kaufen Zertifikate von Energiehändlern, von Unternehmen, die ihre Kontingente nicht zur Gänze benötigen und wir kaufen sie an der Börse hauptsächlich für den eigenen Bedarf. Wir handeln aber auch mit Zertifikaten und verkaufen diese weiter und können darüber hinaus Projekte in Drittstaaten machen, wofür es ebenfalls Handelsplätze gibt“, erläutert der Experte.

Wenn es ab 1. Jänner 2013 keine kostenlosen CO²-Zertifikate mehr gibt, sondern alle Verschmutzungsrecht zugekauft werden müssen, wird sich die Stromerzeugung nach Ansicht von Mair verteuern. Die zusätzlichen Kosten müssten die Stromkunden tragen, womit letztlich diese Maßnahme zu einer Verteuerung der Strompreise führe.

So funktioniert der Emissionshandel:

Kohlekraftwerk Fenne-Völklingen, Saarland
Kohlekraftwerk Fenne-Völklingen, Saarland
Bild: Lucy 44
Der Emissionshandel ist eines der Mittel, mit dem die EU versucht, das im Kyoto-Protokoll festgelegte Klimaschutzziel einer Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2012 um acht Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu erreichen. Der Handel mit Emissionsrechten trat 2005 in Kraft und läuft in drei Phasen ab. Von 2005 bis 2007 wurde von den EU-Mitgliedsstaaten festgelegt, wie viele Emissionszertifikate den Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Die Verteilung oblag weitgehend den Nationalstaaten (Nationaler Allokationsplan). Die Emissionszertifikate berechtigen die energieintensiven Unternehmen zum Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO²). Nicht benötigte Papiere können zum Marktpreis weiterverkauft werden. Ein Zertifikat berechtigt zum Ausstoß einer Tonne CO² und wird derzeit um rund 15 Euro gehandelt.

In Österreich ist für den Handel die Zertifikateregiesterstelle ECRA zuständig, die dem Umweltbundesamt untergeordnet ist. In Deutschland ist die Energiebörse EEX mit Sitz in Leipzig zuständig. Die größten Geschäfte werden aber an der ICE in London getätigt. Unternehmen oder Branchen, die mehr CO² ausstoßen als zugeteilt, kaufen anderen Firmen, die sauberer produzieren, Verschmutzungsrechte ab. Damit können sie Kosten verringern und Strafzahlungen vermeiden. 2013 wird das System EU-weit zentral von Brüssel aus geregelt. Geplant ist eine Einbindung aller Industriefirmen mit einem jährlichen CO²-Ausstoß von mehr als 10.000 Tonnen. Die Betriebe dürfen dann nur entsprechend der erworbenen Rechte Kohlendioxid freisetzen, das beim Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle, Öl oder Erdgas entsteht.

Aufs richtige Pferd gesetzt

Zu jenen Firmen, die kräftig im Emissionshandel mitmischen, zählt die 1999 von Hansjörg Tengg gegründete smart technologies GmbH. Der Unternehmer, der sich unter anderem in der heimischen Energiewirtschaft, als Chef des ersten privaten Mobilfunkbetreibers max.mobil (heute T-Mobile) und als Konsum-Liquidierer einen Namen gemacht hatte, erkannte, dass die Vollliberalisierung der Energiemärkte zahlreiche neue IT-Lösungen benötigt und holte sich zu diesem Zweck den Siemens-Konzern ins Boot. Er half dabei mit, Marktregeln zu schaffen und die Vollliberalisierung auf den Weg zu bringen. Die Firma, an der Tengg 74 Prozent hält, hat zwar nur 15 Mitarbeiter, ist aber dafür an einer Reihe von Unternehmen beteiligt. So hält smart technologies 8,06 Prozent an der Österreichischen Strombörse EXXA, als deren Aufsichtsratschef Tengg verantwortlich zeichnet. Weitere Beteiligungen gibt es mit 10,0 Prozent an der Zertifikateregisterstelle ECRA, bei der Tengg stellvertretender Aufsichtsratschef ist, 18,50 Prozent hält smart an der Beratungsfirma CISMO – auch hier ist der Manager stellvertretender Chef des Kontrollorgans -, jeweils 12,60 Prozent an der Ökostromabwicklungsstelle OeMAG und an RIECADO, einem Serviceprovider für Auktionsprozesse im Strombereich, 20 Prozent an der Verrechnungsstelle für Gas, AGCS sowie 17 Prozent an der Verrechnungsstelle für Strom, APCS.

 


 




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