Freitag 24. Mai 2013, 08:23

Umwelt & Agrar


Elektroschrott: Bessere Entsorgung in Sicht

Kühlschrank, Rasierer, Handy und Co. – die Rücknahme von gebrauchten Elektrogeräten wird EU-weit verpflichtend. Die dadurch gesammelten Geräte sollen wiederverwertet werden: Das spart Ressourcen und schont zugleich unsere Umwelt. Die Novellierung der Richtlinie zu Elektronik- und Elektronik-Altgeräte (WEEE) macht`s möglich.

Elektroschrott
Elektroschrott
Bild: Wiki CC
Reduzierter Verwaltungsaufwand für Händler und die gesetzliche Verpflichtung, kleine  Elektronikgeräte umweltschonend zurückzunehmen sind Voraussetzung, um die Ressourcen auf dem blauen Planeten nachhaltig zu schonen. Die Verhandlungen für diese Rahmenbedingungen  waren denkbar aufwendig, doch endlich rücken die angestrebten Erfolge in greifbare Nähe: Es müssen nur mehr die Verbraucher mitziehen, und die nicht mehr bedarfsgerechten Kleingeräte auch konsequent an den Handel zwecks Rückgewinnung zurückleiten. Denn nur so ist es möglich, dass die Rechnung zur Ressourcenschonung wirklich aufgeht.

Mehr Recycling in Europa geplant

Es liegt nunmehr am Rat, die aktualisierte Richtlinie anzunehmen, danach geht diese in EU-Recht ein mit der Konsequenz, dass die Mitgliedstaaten 18 Monate Zeit haben, ihre nationale Gesetzgebung zu aktualisieren. Die Einigung auf die ambitionierte, jedoch durchaus realisierbare Sammelrate wird rundum positiv aufgenommen, Optimismus ist angebracht – zumindest, was die Gesetzeslage betrifft. Schliesslich ist das Abkommen mit geradezu überwältigender Mehrheit durch das Plenum gegangen, so viel Einigkeit gibt es in Brüssel nicht all zu oft.

Engagierte Vorgaben

Bis 2016 haben nun die Mitgliedstaaten Zeit, 45 Tonnen Elektroschrott pro 100 Tonnen verkaufter Elektronikartikel zu sammeln, welche drei Jahre vorher im Verkauf standen. Die Rate soll bis 2019 auf 65 % gesteigert werden, so sieht es das Konzept vor. Lediglich zehn Länder haben ein vorläufiges 40% Ziel zugestanden bekommen, um ihre Strukturen an die neuen Anforderungen zu adaptieren. Spätestens 2021 muss das Gesamtziel erreicht werden.
Die Hersteller der Elektronikartikel werden wie auch bisher ihren finanziellen Beitrag leisten, um die Ziele aus Brüssel zu erreichen. Die Registrierungs- und Reportingpflichten werden vereinfacht, neue Massnahmen ermöglichen den gezielten Bürokratieabbau – das klingt ganz nach Effizienz.

Verpflichtung zur Rücknahme

Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass Konsumenten fortan kleinere Geräte in allen grösseren Elektrowarengeschäften retournieren können, ohne gleich ein neues Produkt anschaffen zu müssen. Der Händler muss nur vergleichbare Produkte in seinem Sortiment führen. Die Regelung von Weissware hingegen – das betrifft Waschmaschinen, Kühlschränke etc. bleibt unverändert.  
Optimierte Methoden der Rückgewinnung können dazu beitragen, wertvolle Rohstoffe zu recyceln, um den Schadstoffanteil speziell hoch toxischer Substanzen auf Müllhalden zu reduzieren.

Gute Neuigkeiten gibt es zur Anwechslung auch im Zusammenhang mit den nicht gerade beliebten Energiesparlampe: zu deren Entsorgung werden spezielle Sammelboxen aufgestellt. Hoffentlich berücksichtigen die hoch dotierten Experten in ihrem Konzept auch deren weitere Verwertung, denn so ungiftig wir behauptet sind die Energiesparlampen keineswegs.

Elektroschrott als Exportschlager

Profitabel für Schrotthändler, verheerend für die Umwelt: Aufgrund der enormen Recyclingkosten in Europa haben windige Geschäftemacher jahrelang tonnenweise Altgeräte ins Ausland verfrachtet. Damit ist jetzt Schluss. Schärfere Kontrollen der mittlerweile ohnehin illegalen Ladungen mit Elektronikschrott sollen verhindern, dass damit in Drittländern unter gefährlichen Bedingungen für Mensch und Umwelt hantiert wird. Bisher lag die Beweispflicht beim Zoll, jetzt liegt es an den Exporteuren zu beweisen, dass diese Geräte tatsächlich zur Reparatur oder zur Wiederverwendung versandt werden. Sie müssen beweisen, dass derlei Geräte funktionsfähig sind.

Enorme Umweltschäden in Drittländern

Die in den Medien lang angeprangerten Müllhalden mit E-Schrott aus Europa liegen den Experten in Brüssel mittlerweile sichtlich im Magen. Kein Wunder angesichts der bedrohlichen Schwermetallkonzentrationen, die in Ländern wie Ghana und Indien gemessen wurden, lagen die bedrohlichen Messwerte teils bis zu dem 50-fachen jenseits der zulässigen Grenzwerte. Abgesehen vom Schaden an der Umwelt, den wir durch diesen Schrottexport verursacht haben – die Gewinnung von Rohstoffen durch Recycling reduziert die Abhängigkeit von den Lieferländern. Umdenken ist angesagt – die Umwelt wird es uns danken.


 




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