Montag 15. September 2014, 03:59

Telekommunikation & Verkehr

Elektromobilität: EU-Standard für Ladestecker

Der einheitliche Ladestecker für Elektroautos ist beschlossene Sache. Die EU plant bis 2020 europaweit in Summe acht Millionen Ladestationen. 800.000 davon sollen öffentlich zugänglich sein. Über acht Millionen E-Fahrzeuge sollen bis dahin über die Strassen schnurren. Strom für Stromer wird Wirklichkeit.

Elektromobilität: EU-Standard für Ladestecker
Elektromobilität: EU-Standard für Ladestecker
Bild: Kurt F. Domnik/PIXELIO/©www.pixelio.de
Unplugged ist out. Die Kommission hadert mit dem bisherigen Prozedere in Sachen Elektromobilität und zugleich auch mit sich selbst. Unzureichend und unkoordiniert, so lauten die diesbezüglichen Selbstvorwürfe, in Zukunft soll alles besser werden. Die Ziele sind hoch gesteckt: Bis 2020 sollen insgesamt acht Millionen Ladestationen am Netz sein und ausreichend Energie für über acht Millionen Stromer bereitstellen. Zudem ist der Einheitsstecker beschlossene Sache. Diese Entscheidung darf sehr wohl als  Meilenstein gewertet werden, haben doch einige Länder und Hersteller einmal mehr ihr eigenes Süppchen gekocht. Artenvielfalt ja, aber nicht bei Ladesteckern, das funktioniert ja nicht einmal bei Smartphones.

Typ-2: Der Stecker für alle

Nach langwierigen Diskussionen und Verhandlungen ist endlich der Typ-2 Stecker als Standardstecker für nahezu alle Elektrofahrzeuge vorgesehen, wodurch die Unsicherheit bei Industrie und Verbrauchern beendet sein dürfte. Dieser ist bereits vielfach im Einsatz, der VDE hat ihn bereits 2009 als einheitlichen Standard vorgeschlagen. Während Japan und USA aufgrund der dort üblichen Hausinstallationen auf den einphasigen Stecker setzen, profitieren europäische Lenkraddreher hierzulande von der Dreiphasentechnik, die höhere Ladeleistungen und somit auch merklich kürzere Ladezeiten realisierbar macht.

Ladeinfrastruktur braucht Normen

Wechselstrom, Gleichstrom oder gar kein Strom: Mittels Rechtsgutachten untermauern die Normungsexperten die Einsatzmöglichkeiten des Typ-2-Steckers in ganz Europa und damit auch Italien und Frankreich, auch wenn die Rechtslage betreffend der Normen doch ziemlich vertrackt ist.  Ohne einheitlichen Standard ist es jedoch nicht möglich, E-Mobilität maßgeblich in den europäischen Verkehrsmix zu integrieren. Bis 2017 sollen alle in Europa angebotenen Fahrzeuge mit dem Normstecker ausgestattet sein.

Strom an jeder Ecke

Angesichts der nach wie vor bescheidenen Reichweite der E-Cars müssen die Ausbaupläne der Kommission als Lichtblick gewertet werden. Ob das reicht, die Stromer boomen zu lassen wird sich weisen. In Zahlen ausgedrückt sieht die Lage so aus: In Österreich sollen es 12.000 öffentlich zugängliche Ladestationen werden, 2011 waren es nicht einmal 500. Belgien soll auf 21.000 öffentliche Stromtankstellen kommen, 2011 waren es gerade mal 188. Was Deutschland betrifft, sollen die Stromer 150.000 Stromtankstellen mit öffentlichem Zugang vorfinden, in Frankreich 97.000 und in Italien 125.000, jeweils bis 2020. Die öffentlich zugänglichen Ladestellen machen dabei gerade mal 10 % der Gesamtanzahl aus.

E-Cars sollen Straßenbild prägen

Bislang gelten die schnurrenden Stromer als Exoten im Straßenverkehr. Mickrige Reichweiten und happige Anschaffungskosten haben das Publikum ebenso effizient auf Distanz gehalten wie die nur sehr spärliche Dichte der Ladestationen. Idealismus war das in unseren Breiten bislang übliche Hauptargument für die Anschaffung eines schnurrenden Flitzers. Doch das soll sich ändern. Bis 2020 sollen diese das alltägliche Straßenbild maßgeblich prägen. Die Ziele sind ambitioniert, alleine in Österreich sollen 250.000 Stromer über die Strassen schnurren, in Deutschland gar über eine Million. Ähnlich ehrgeizig gibt sich Frankreich mit erhofften 2 Millionen Elektrofahrzeugen, Dänemark soll wie die Niederlande und Portugal von je 200.000 ‚Stromern „beschnurrt“ werden. Die feurigen Italiener setzen sich 350.000 Stück zum Ziel, bis 2015 so es so weit sein. Spanien ist als Paradebeispiel für Elektromobilität auserkoren: 2.5 Millionen Fahrzeuge sind geplant, diesen stehen 82.000 Ladestationen bis 2020 zur Verfügung. Eine ähnliche Marktdurchdringung ist nur mehr im Vereinten Königreich vorgesehen, sofern es bis dahin keine eigenen Wege beschreitet. 

Grünstrom für E-Mobilität

Brüssel meint es natürlich ausgesprochen gut mit der geplanten Dekarbonisierung. Die Vorgaben und Zahlen sind recht engagiert. Elektrofahrzeuge sollen der Knaller schlechthin werden und einen ordentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten. Wären da nicht einige Ungereimtheiten in dem an sich  glorreichen Konzept aus Brüssel erkennbar. Zum einen braucht es Erneuerbare Energien, um den beabsichtigten Effekt im Sinne der Umwelt zu erzielen, mit fossilen Brennstoffen geht das ganz zwangsläufig daneben. Auch wenn die Stromnetze mit intelligenter Steuerung und Smarttechnik einiges aushalten, ohne Netzausbau stehen wir früher oder später an, und Netzausbau ist eine teure Sache. Speziell im Detail gibt es trotz ausgeklügelter Regeltechnik nach wie vor einige ungelöste Komponenten.

Zu teuer für die Reichweite

Anschaffungspreis und Reichweite gelten als abschreckende Argumente bei den Verbrauchern. Im Bereich Reichweite sind die ersten Lichtblicke erkennbar. Angesichts des dafür erforderlichen Kostenaufwands reicht das bestenfalls für finstere Minen. Die Fortschritte geben zwar berechtigten Grund zur Hoffnung, sind jedoch nach wie vor vom geheimnisvollen Hauch der Forschungslabors geprägt. Was helfen erhöhte Reichweiten, wenn die erforderlichen Batterien konstruktionsbedingt unbezahlbar bleiben. Die aktuellen Batterieprobleme aus der Luftfahrt sind ebenfalls nur sehr bedingt geeignet, das Vertrauen in die transportablen Energiespeicher grundlegend zu stärken. Ohne Meilensteine in der Entwicklung wird es vorerst wohl bei Hybriden bleiben, daran ändern auch die vielen schönen Worte der Kommission wenig.

Die geplante Infrastruktur gibt's sicher nicht umsonst. Darüber, dass einmal mehr private Quellen für die Kostenfrage gerade stehen sollen, wird nur ungern gesprochen. Vielleicht überrascht die findige Kommission auch in dieser Sache mit guten Ideen?  

 

Bild: Kurt F. Domnik/PIXELIO/©www.pixelio.de




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