Freitag 24. Mai 2013, 18:37

Telekommunikation & Verkehr

Elektromobilität: Chancen im ländlichen Nahverkehr

Der VCÖ (Verkehrsclub Österreich) gibt der Elektromobilität gerade in ländlichen Regionen  überaus gute Chancen auf Realisierbarkeit. Die weitläufige Erschließung ländlicher Regionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist aufwendig und kostenintensiv, die Abhängigkeit vom Auto ist im Vergleich zur Stadt wesentlich höher. Es fehlt bislang an Alternativen.

Durch Elektromobilität lassen sich auch im ländlichen Bereich unnötige Autofahrten eliminieren
Durch Elektromobilität lassen sich auch im ländlichen Bereich unnötige Autofahrten eliminieren
Bild: Bike Blog
Die üblicherweise kritische Mobilitätssituation im ländlichen Raum erfordert in mehrfacher Hinsicht Flexibilität. Öffentlichen Verkehrsmittel haben zumeist einen Seltenheitswert, die Strukturen für Radfahrer und Fußgänger sind gleichermaßen unbefriedigend. Fazit: Ohne Auto geht es nicht, in ländlichen Regionen ist der Zweitwagen zum unverzichtbaren Standard geworden, Wirtschaftskrise hin oder her. Mobilität ist schlichtweg Voraussetzung, um Zugang in den Berufsalltag zu finden, von den zahlreichen privaten Wegen und Besorgungen einmal ganz zu schweigen. Es geht schlichtweg darum, die nächstgelegene Haltestelle der öffentlichen Verkehrsmittel zu erreichen. 

34 Prozent der Strecken unter 2,5 Kilometer

Kurzstrecken sind die unumstrittene Domäne der Elektromobilität: Die gefürchtet Kaltlaufphase, die bei konventionellen Motoren nicht ohne überhöhte CO2-Emissionen abgeht, fällt weg. Der Stromer schnurrt dienstbeflissen ans nahe legende Ziel, ohne das in der kalten Jahreszeit obligatorische Giftwölkchen hinter sich herzuziehen. 1:0 für den Stromer. Die Statistik bringt es auf den Punkt: Die Hälfte der Strecken sind kürzer als 5 Kilometer, 94 Prozent der mit dem PKW zurückgelegten Strecken unter 50 Kilometer und somit im Idealbereich für emissionsarme Elektromobilität. Diese Fahrzeuge sind täglich kaum eine Stunde in Betrieb, es bleibt ausreichend Zeit für den Ladevorgang. Dieser könnte – rein theoretisch gesehen – tagsüber mit der Kraft der Sonne erfolgen.      

Mobilitätsmix: Öffentlicher Verkehr als tragende Säule

Rund ein Viertel der Pendler aus dem Raum Wien und Umgebung fahren laut Statistik mit dem PKW zum nächstgelegenen Bahnhof. Und genau hier setzt Elektromobilität an: Das Einsparungspotenzial ist dank optimaler Einsatzmöglichkeit stark ausgeprägt, die Reichweiten für die Streckenlänge mehr als ausreichend, hier machen Stromer wirklich Sinn. Dabei sollte der Begriff Elektromobilität auch in übertragenem Sinn gesehen werden – Elektrofahrräder und E-Roller sind für diesen rein zweckdienlichen Verwendungszweck ebenfalls durchaus vorstellbar. Die geringe Reichweite ist unter den gegebenen Umständen ausreichend, zumal der große Teil der Strecke ohnehin mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt wird.

Ressourceneffizienz im Regionalverkehr

Elektromobilität fördert systembedingt das dringend erforderliche Umdenken und damit den lang ersehnten Wandel des Mobilitätsverhaltens. Das hat zur Folge, dass Verkehrsmittel in Folge wesentlich effizienter genutzt werden, denn aufgrund der gegenwärtig noch sehr eingeschränkten Reichweite verlangt E-Mobilität nach einer vorausschauenden, integrierten Wahl der angebotenen Verkehrsmittel. Anders als bisher kommt geeigneten Schnittstellen zwischen Individualverkehr und öffentlichen Transportmitteln eine entscheidende Rolle zu. Der öffentliche Verkehr bleibt jedoch das Rückgrat und somit tragende Element der Elektromobilität und kann diese vorerst nicht ersetzen. Es geht an dieser Stelle überwiegend darum, einen zukunftsweisenden und zugleich praxistauglichen weil ressourcenschonenden Mobilitäts-Mix anzuregen und in Folge auch zu etablieren.   

Pedelecs: Drahtesel mit E-Power

Elektrofahrräder – diese werden gerne auch als Pedelecs bezeichnet – entsprechen in Handling und Funktion im Wesentlichen dem uns seit langer Zeit bekannten Fahrrad. Der Unterschied liegt jedoch im Preis – und dem gewissen Extra: Wann immer unsereins mit müden Waden in die Pedale tritt, gibt es auf Befehl Hilfe vom kleinen, aber feinen Elektromotörchen. Das reicht zwar nicht unbedingt für das Gelbe Trikot bei der Tour de France, erleichtert jedoch kleine Steigungen ungemein und verhindert damit auch gleich den einen oder anderen Muskelkater. Ja, wir san mit`m Rad`l da …  

400.000 Fahrten durch Pedelecs ersetzbar

Su:b:city im Umland von Wien arbeitet an innovativen Verkehrskonzepten mit dem Ziel, Autofahrten durch eine Fahrt mit dem Elektro-Fahrrad zu ersetzen. Studien zufolge ist das Potenzial für Elektrofahrräder im Regionalbereich beachtlich: So lassen sich rund zwei Millionen PKW-Kilometer auf Pedelecs verlagern. Das spart in Summe 140.000 Liter Treibstoff, 350 Tonnen CO2 und 400 Tausend Fahrten alleine im Raum Wien und Umgebung. Doch leider sind das nur rein theoretische Annahmen, es fehlt an geeigneten Rahmenbedingungen, um diese Werte zu realisieren.

Wie auch bei einem Projekt in Vorarlberg stellen die Projektleiter fest, dass eine solide Radfahrinfrastruktur erforderlich ist, um die angedachte Zielgruppe zu gewinnen. Immerhin wurden bei dem Vorarlberger Feldtest rund 1400 km pro Pedelec abgespult, 35 Prozent dieser Fahrten waren eine Verlagerung vom PKW zugunsten des Elektrorades, die durchschnittliche Streckenlänge betrug sieben Kilometer. Als auffallend ist zu werten, dass die befragten Personen öfter umweltfreundlich unterwegs wären, gäbe es nur die entsprechenden Infrastrukturen.

Deutlicher kann der Auftrag an die Politik nicht ausfallen!

 


 




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