Samstag 20. Dezember 2014, 13:51

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In einem Währungskrieg wäre Gold der Gewinner

Favoritenwechsel bei den Edelmetallen: Die Hoffnung auf ein Ende der Euro-Krise und eine konjunkturelle Belebung bremst den Goldpreis und beflügelt die „weißen Edelmetalle“ Silber, Platin und Palladium. In den USA sind begehrte Silbermünzen derzeit mitunter tagelang ausverkauft. Doch ein drohender globaler Währungskrieg könnte auch bald den Goldpreis wieder deutlich steigen lassen.

„Weiße Edelmetalle“ Silber, Platin und Palladium im Vormarsch
„Weiße Edelmetalle“ Silber, Platin und Palladium im Vormarsch
Bild: 8853 S.p.a./flickr.com
Wer in Edelmetalle investiert, muss mitunter „um die Ecke denken“. Dass in den zurückliegenden drei Monaten der Preis für Palladium stärker stieg als jener für das eng verwandte Platin, hängt indirekt auch mit der europäischen Schuldenkrise zusammen. Beide Edelmetalle spielen in der Automobilproduktion eine wichtige Rolle. Platin wird vor allem für Dieselmotoren gebraucht. Besonders beliebt sind Diesel-Fahrzeuge aber in Europa, wo die Nachfrage infolge der Euro-Krise zuletzt deutlich gesunken ist. Palladium hingegen wird vorrangig in Katalysatoren für Benzinmotoren verbaut – und diese Fahrzeuge erfreuen sich in den USA und China einer hohen Nachfrage. Das führte dazu, dass in jüngster Vergangenheit mehr Palladium als Platin nachgefragt wurde.

Seit Beginn des Jahres aber legte auch Platin kräftig zu. Das weiße Edelmetall ist seit längerer Zeit wieder teurer als Gold, was früher der Normalfall war. In den ersten drei Wochen des neuen Jahres verteuerte sich Platin auf Dollarbasis um über neun Prozent, der Palladiumpreis legte hingegen nur noch um rund drei Prozent zu. Platin profitiert zusätzlich vom anhaltenden Boom der Luxusbranche. Immerhin 31 Prozent dieses Edelmetalls wird in der Schmuckbranche verarbeitet, 38 Prozent der geförderten Mengen braucht die Automobilindustrie. Palladium hingegen geht zu über 70 Prozent in die Automobilproduktion und ist somit noch anfälliger für konjunkturelle Schwankungen als Platin.

Umschichtung in Silber und Platin

Schweizer Anlageberater berichteten in den vergangenen Tagen, ihre betuchte Klientel schichte zunehmend von Gold in Silber und Platin um. Tatsächlich spielt der Silbermarkt in den USA derzeit verrückt. Die Prägeanstalten in den Vereinigten Staaten und Kanada können die hohe Nachfrage kaum noch befriedigen. Seit Beginn des Jahres wurden nach Angaben des US-Münzprägeamtes mehr als sechs Millionen American-Eagle-Silbermünzen verkauft. Das war der dritthöchste Umsatz seit Einführung dieser Bullionmünze im Jahr 1986. Vorübergehend war der American-Eagle in den USA sogar komplett ausverkauft.

Obwohl nach der deutlichen Preissteigerung seit Jahresbeginn die Wahrscheinlichkeit einer vorübergehenden technischen Gegenreaktion wächst, stehen die Chancen für eine weiterhin positive Platin-Performance nicht schlecht. Experten erwarten in den nächsten Monaten ein deutliches Angebotsdefizit bei diesem Edelmetall. Grund hierfür ist unter anderem die angekündigte Schließung von südafrikanischen Platinminen durch den Produzenten Anglo American Platinum. Aber auch bei Palladium erwarten Experten in diesem Jahr ein Angebotsdefizit von bis zu einer Million Unzen.

Wenig Bewegung zeigte zuletzt der Goldpreis. Er legte in den ersten drei Wochen des Jahres nicht einmal um ein Prozent zu. Die einen sehen darin eine Manipulation von Zentralbanken und Großbanken, die wenig Interesse an einem weiter deutlich steigenden Goldpreis haben dürften. Nicht zuletzt wohl, weil die Notenbanken auf dem Goldmarkt ebenfalls auf der Käuferseite zu finden sind. Andere verweisen auf die haussierenden Aktienmärkte und die nachlassende Sorge, der Euro-Raum könne unter der Last der Schuldenberge zusammenbrechen. Experten wie William H. Gross, Chef der Fondsgesellschaft Pimco, die aktuell ein Vermögen von rund 1,5 Billionen Euro verwaltet, raten aber, gerade jetzt wieder in Gold zu investieren. Denn die von Optimisten schon für beendet erklärte Finanzkrise könnte bald in eine neue, höchst bedenkliche Phase treten.

US-Investmentlegende George Soros sprach die Gefahr offen aus: Es drohe ein Währungskrieg, den Europa verlieren werde. Kim Choong-soo, Präsident der südkoreanischen Notenbank, warnte vor den Folgen einer solchen Entwicklung. Am Ende könne eine große Depression stehen wie in den 1930er Jahren. Fondschef Gross sieht die Dinge ähnlich: „Der allzu freizügige Umgang der Notenbanken mit dem Scheckbuch wird unweigerlich zu Preissteigerungen und einer Abwertung der Währungen führen.

Abwertungskarussell kommt in Schwung

Einige Notenbanken haben in den vergangenen Wochen bereits damit begonnen, die Währungen ihrer Länder zu schwächen, um sich internationale Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. So kündigte die tschechische Zentralbank an, die Krone abwerten zu wollen. Davon sollen Impulse für die Wirtschaft des Landes ausgehen. Auch der schwedische Finanzminister spricht sich für eine schwächere Schwedenkrone aus, um den Export anzukurbeln. Und die neue japanische Regierung setzt ganz massiv auf einen schwächeren Yen. Die Bank of Japan will künftig unbegrenzt Geld drucken und Anleihen kaufen. Sollte auch die US-Notenbank Fed erkennbar den Dollar schwächen, wäre der Währungskrieg endgültig ausgebrochen. Schon warnt Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, vor den Folgen eines Abwertungswettlaufs. Die Verlierer könnten die Euro-Staaten sein, denn bereits jetzt gilt der Kurs der Gemeinschaftswährung als gefährlich hoch.

Je schneller das Abwertungskarussell aber in Schwung kommt, desto stärker dürfte der Goldpreis profitieren. Immerhin gilt das gelbe Edelmetall als eine solide Ersatz-Währung, die sich in einem drohenden Währungskrieg erneut als Fels in der Brandung erweisen könnte.




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