Mittwoch 19. Juni 2013, 11:37

Umwelt & Agrar

EFSA: Grünes Licht für Gen-Soja

Brüssel und die Superknollen: Es ist zu befürchten, dass die EU-Kommission grünes Licht für gentechnisch getunte Sojabohnen gibt. Dann könnte die Roundup-Ready-Bohne von Monsanto  ungehindert die europäischen Äcker verseuchen. Wenn es jetzt zu keiner Einigung der  Mitgliedstaaten kommt, ist es zu spät.

EFSA: Grünes Licht für Gen-Soja
EFSA: Grünes Licht für Gen-Soja
Bild: Benjamin Klack/pixelio.de
Was den für Europa essentiellen Agrarbereich betrifft, scheint Brüssel einfach kein Glück zu haben. Die mittlerweile als „Pflanz aus Brüssel“ in Verruf gekommene GAP will einfach nicht in die Gänge kommen und was Gentechnik betrifft, scheint Brüssel in den mächtigen Klauen der gefürchteten Gentechnik-Lobby zu stecken. Zu allem Überfluss hat sich jetzt die für ihre Industrienähe nicht gerade beliebte europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) für den Anbau gentechnisch veränderter Sojabohnen ausgesprochen. Das kann fatale Auswirkungen für ganz Europa mit sich bringen. Denn damit kann EU-Kommissar John Dalli, der für Gentechnik ohnehin sehr empfänglich ist, zusammen mit den Mitgliedsstaaten die Zulassungsgenehmigung beschließen.

Roundup-Ready-Soja auf Europas Äckern

MON 40-3-2. So lautet die Bezeichnung der gentechnisch manipulierten Sojasorte von Monsanto. Resistent gegen das gefürchtete Pflanzengift Roundup wird die Pflanze salopp als Roundup-Ready Soja bezeichnet und darf ganz legal in die EU importiert und zu Tierfutter und Lebensmittel (!!!) verarbeitet werden. Der Pressemeldung des unabhängigen Instituts Testbiotech zufolge sind   Giftrückstände in der Pflanze, deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit nicht geprüft worden sind. Dazu Christoph Then von Testbiotech: „Ausgerechnet die Rückstände von Spritzmitteln, mit denen die gentechnisch veränderten Pflanzen regelmäßig behandelt werden, bleiben bei der Risikoabschätzung außen vor. EU-Kommissar John Dalli hat diese Praxis bisher vehement verteidigt. Jetzt bekommt er mit seinem industriefreundlichen Kurs ein massives rechtliches Problem.“

Gesundheitsfolgenmonitoring: Fehlanzeige!

Testbiotech hat bei Ludwig Krämer (Client Earth) ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Diesem zufolge wäre die Zulassung gegen das geltende EU-Gesetz. Denn dieses sieht seht wohl vor, dass potenzielle Folgen für die Gesundheit aus der Verwendung genmanipulierter Pflanzen, die anderswo zugelassen sind, beobachtet werden müssen. Ist dies nicht gegeben, dürfen die Superknollen weder importiert noch für den Anbau zugelassen werden. Die reichlich banale Etikettierung der EFSA,   ernsthafte Umwelt- und Gesundheitsschäden durch GTS 40-3-2 als unwahrscheinlich zu deklarieren, entbehrt jeder empirischen Systematik und ist angesichts der vorliegenden Fakten inakzeptabel.

EFSA: Mängel im Testverfahren

Während die Beliebtheit der Superknollen nie sonderlich hoch war, ist es um die Glaubwürdigkeit der EFSA im Zusammenhang mit Gentechnik keineswegs besser bestellt. Die Analysen weisen einige gar nicht so unwichtige Mängel auf. Die genetische Stabilität des Transgens wurde nur in Bezug auf die nächste Pflanzengeneration untersucht, jedoch nicht unter definierten unterschiedlichen Umweltbedingungen. Die Analyse der Inhaltsstoffe erklärt nämlich keinen Zusammenhang mit spezifischen Umweltbedingungen. Wechselwirkungen zwischen Genom und Umwelt bleiben unbekannt. Die deutlich erkennbaren Unterschiede der Pflanzen gegenüber konventionellen Vergleichspflanzen bezüglich deren Inhaltsstoffe werden erst gar nicht näher begutachtet.

Pestizidrückstände nicht berücksichtigt

Es gibt keine Untersuchungen über die dauerhafte Aufnahme der Pflanzen, weder bei Mensch noch Tier. Ergebnisse unabhängiger  Studien werden erst gar nicht berücksichtigt, ebenso mögliche Wechselwirkungen mit anderen gentechnisch modifizierten Inhaltsstoffen, die in Futtermittel zur Anwendung kommen und auch in Lebensmittel nachweisbar sind. Auch Pestizidrückstände inklusive deren Begleitstoffe finden keine Berücksichtigung in den EFSA-Analysen. Wie kann das passieren?

Roundup-Ready Soja und Glyphosat im Duett

Unzertrennlich wie Dick und Doof gibt es auch die Monsanto-Zwillinge Roundup-Ready-Soja und Glyphosat, das hochgiftige und zugleich recht zweifelhafte Spritzmittel, im Doppelpack. Das beschert den Monsanto-Fritzen zuverlässige Gewinne, es geht um rentable Nachhaltigkeit. Doch obwohl Monsanto behauptet, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, ist das Gegenteil der Fall: Es bedarf immer mehr und immer stärkerer Chemie, das das Unkraut in Zaum zu halten, und das wiederum beschert dem Konzern immer fettere Gewinne. Über die Schäden für die Agrarwirtschaft üben sich die Verantwortlichen einmal mehr in vornehmer Zurückhaltung, zumal hochresistente Superunkräuter in der Biologie ja gar keinen Platz haben. Anders dürfte es mit Superknollen aussehen …

Komplikationen zu erwarten

Die in das Retortensoja integrierten Gensequenzen verursachen schwerwiegende Modifikationen, deren Auswirkungen aus heutiger Sicht kaum abschätzbar sind. Da wäre einmal der geringere Ernteertrag, dem sich auch die EFSA nicht verschließen kann. Die vom Original stark abweichenden Inhaltsstoffe sind ebenfalls bedenklich. Die allergischen Reaktionen auf Soja sollten bekannt sein, wobei nicht auszuschließen ist, dass diese infolge der Genmanipulation intensiviert werden. Zudem sind Teile des Genkonstrukts bereits in Fischen und Ziegenmilch entdeckt worden. Das wird nicht nur Allergiker erfreuen, sondern alle Glyphosat-Süchtigen in ganz Europa.

Es bleibt zu hoffen, dass die Kommission ausreichend Rückgrat aufbringt, die Monsanto-Bande ein für alle Male in die Grenzen zu weisen.

Fütterungsversuche an der europäischen Bevölkerung sind unzulässig!  
 


 




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