Freitag 24. Mai 2013, 02:48

Energie & Ressourcen


EEG 2050: Erneuerbare Energie im Gegenwind

Angesichts der enormen Kosten für die erforderliche Energiewende plädiert Herbert Reul / CDU für mehr Realismus in der Debatte um CO2-freie Wirtschaft. Die Kosten für Investitionen bezahlt der Konsument. Im Moment geht es jedoch um Subventionen. Der Tanz um die Fördertöpfe ist in vollem Gang. NABU warnt vor einer Blockade der Energiewende!

Die hohen Kosten für die Umstellung auf alternative Energien könnten zu Protesten führen
Die hohen Kosten für die Umstellung auf alternative Energien könnten zu Protesten führen
Bild: Thaut Images - Fotolia.com
Deutschland: Während der CDU-Europaabgeordnete das EEG 2050 als „gute Diskussionsgrundlage“ für die nächsten Jahre betrachtet, fordert er zugleich mehr Realismus in der Debatte um die Energiewende. Das gilt für Erneuerbare Energie ebenso wie für Kernenergie. „Wenn Energie bezahlbar bleiben soll, dann wird auch die Kernenergie in den nächsten Jahrzehnten eine wichtige Rolle im europäischen Energiemix spielen müssen - und zwar nicht nur, um schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen." Schließlich wissen wir heute noch nicht, was die Technik von morgen leistet. Brüssel verlangt nach Erneuerbarer Energie. Es hat sich schon einiges getan, doch jetzt streiten Experten und Verantwortliche wieder einmal um das liebe Geld.

EEG: NABU befürchtet Blockade der Energiewende

Die Zukunft der deutschen Solarförderung in Verbindung mit der EEG-Reform ruft mittlerweile sogar den Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf den Plan. Dieser bemängelt die Reform zur Förderung der erneuerbaren Energie, Schwarz-Gelb steht einmal mehr im Kreuzfeuer. NABU-Präsident Olaf Tschimpke vermisst geeignete Rahmenbedingungen, zumal das EEG die einzige Garantie dafür sei, dass der Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland auch tatsächlich erfolgt, Solarstrom ist neben Windenergie ein relevanter Teil der Energiewende am Stromsektor. Kürzungen auf diesem Sektor blockieren den Ausbau, die EEG-Umlage bleibt am Verbraucher hängen. Während private Haushalte den Ausbau erneuerbarer Energie alleine zu tragen haben, profitiert die Industrie von den Preissenkungen, Schwarz-Gelb hat nämlich zahlreiche Unternehmen von der EEG-Umlage befreit. O. Tschimpke warnt zudem vor der Fortsetzung des umweltschädlichen Biogasbooms der letzten Jahre.

Solarstrom zu teuer?

Der Wunsch nach mehr Ökonomie bei der Förderung bei Alternativenergie wird bereits vielfach laut, selbst Wirtschaftsminister Rösler fordert energisch eine Reform der Ökoenergieförderung. Immerhin: Die Deutsche Energiewende kommt auf kolportierte 300 Milliarden Euro. Da darf nichts dem Zufall überlassen werden, auf Industrie und Verbraucher kommen einmal mehr enorme Belastung zu, so die Einschätzung von RWE-Chef Jürgen Großmann, dem für seine Schätzungen mittlerweile Schwarzmalerei und Polemik vorgeworfen wird. Er hofft auf bessere Bedingungen für Biomasse-Mitverbrennung in Kohlkraftwerken. Dem umweltfreundlichen Solarstrom hingegen kann Großmann gar nichts abgewinnen, die Kosten dafür sind entschieden zu hoch. In Deutschland gibt es schlichtweg zu wenig Sonne, um Solarenergie ökologisch sinnvoll zu produzieren.

Steigender Wettbewerbsdruck

Gegenwärtig ist festzustellen, dass die Module für die Photovoltaikanlagen verstärkt aus Asien stammen. Europaminister Ralf Christoffers sieht dadurch eine wirtschaftliche Gefahr für deutsche Unternehmen. Er verlangt in diesem Zusammenhang, über den Fortbestand deutscher Unternehmen zu beraten. Für seinen Geschmack wird die Wettbewerbsfähigkeit zu wenig berücksichtigt, die „Innovationsallianz Photovoltaik“ ist lediglich ein erster positiver Ansatz. Fazit: Die Länder sind angehalten, neue Strategien zu entwickeln, um die Zukunft der deutschen Photovoltaik auch nur ansatzweise zu bewerkstelligen soll heißen: den Wünschen Brüssels zu entsprechen.

Rösler fordert Reform

Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler betrachtet den Ökostrom als mittlerweile erwachsen geworden und überlegt, wie die Förderung für erneuerbare Energie reduziert werden könnte. Das bedeutet zwangsläufig, dass erneuerbare Energie in der Herstellung und Vermarktung auch aus wirtschaftlicher Sicht beurteilt werden muss. Angesichts der Zahl der durchschnittlich üblichen Sonnenstunden in Deutschland steht die Solarenergie gegenüber der Windenergie gar nicht gut da, sie führt gleichsam ein meteorologisch bedingtes Schattendasein – wenn da nicht die Förderungen wären. Doch jetzt geht es um die Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Branche, die durch eine komplett überzogene Subventionspolitik ganz offensichtlich in Verruf geraten ist. P. Rösler selbst verlangt nach Alternativen zum EEG-System, speziell wenn der Ökostromanteil langfristig auf 80 Prozent hochgefahren werden soll. Das EEG (Erneuerbare Energie Gesetz) ist schließlich als Markteinführungsgesetz gedacht gewesen und nicht, um eine ganze Branche auf Jahrzehnte hinweg zu subventionieren. Aus Sicht der Verbraucher kommen bei einem Durchschnittsverbrauch von 3500 Kilowattstunden in Summe 125 Euro zusammen. Und da drängt sich die Frage auf: Was ist uns eine heile Umwelt wert?

Grundlegendes Umdenken angesagt

Beliebt ist es ja gerade nicht, das EEG. Zugegeben, so an die 14 Milliarden Euro an Einspeisevergütungen spielt`s nicht mehr aus der Portokasse, doch Ölpreisentwicklung in Verbindung mit politischen Kalamitäten und der emotional geführten Klimadiskussion haben bei weiten Kreisen der Bevölkerung ein grundlegendes Umdenken in Sachen Umwelt und Energie bewirkt, welches hoffentlich schon sehr bald auch die strategischen Überlegungen der PR-bedachten Konzernchefs neu ausrichtet.

So löblich der nachhaltige Ausstieg aus der Kernenergie auch ist – der kontinuierliche Ausbau von Stromalternativen weist mittlerweile eine gewisse Dringlichkeit auf. Das Ziel, 2020 bereits 35% und 2050 gar 80% erneuerbare Energie in der Elektrizitätsversorgung bleibt jedoch utopisches Wunschdenken aus Brüssel, wenn die Landesfürsten weiterhin um Subventionstöpfe zanken. Merke: Bereits die Schildbürger haben vergeblich versucht, das Licht mit Tüten ins Rathaus zu bringen. Und Solaranlagen rechnen nicht bei Regenwetter. Doch das sei jetzt das Dilemma der Politik. Wir Europäer wollen Strom, möglichst aus der Steckdose. Umweltfreundlich. Und preiswert.             


 




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