Samstag 25. Mai 2013, 21:27

Umwelt & Agrar

E 10: EU-Gesetze, Lobbys und steigende Benzinpreise

Brüssel erwartet bis 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energie von 10 Prozent im Verkehr. Da Österreich in diesem Punkt hinter den Vorgaben liegt, kommt E10 gerade recht. Die Nebeneffekte sind gar nicht so übel wie vielfach behauptet. Schade, dass die Vorteile vielfach unbeachtet bleiben.

E 10: EU-Gesetze, Lobbys und steigende Benzinpreise
E 10: EU-Gesetze, Lobbys und steigende Benzinpreise
Bild: Gerd Altmann/pixelio.de
Drohender Klimawandel und steigende Treibstoffkosten verlangen nach Lösungen. Die Vorgaben aus Brüssel sind klar und erfordern entsprechende Schritte. Elektromobilität ist eine Alternative, die mangels geeigneter Infrastruktur vorerst nur sehr zögerlich an Bedeutung gewinnt und bis 2020 gerade mal bescheidene drei Prozent ausmachen wird. Die fehlenden sieben Prozent können durch E 10 erreicht werden. Die für Oktober geplante Einführung von Biosprit erhitzt jedoch die Gemüter. Während die Autofahrer verunsichert in Warteposition verharren, liefern sich die Lobbys heftige Grabenkämpfe, es geht einmal mehr um Subventionen.

E10: Effizienter Klimaschutz

Die Ziele der Kommission sind auf einen weiten Zeithorizont ausgelegt. Umso erfreulicher ist es, dass mit Biosprit dank nahezu unmittelbarer Verfügbarkeit sofort etwas zur Erreichung der Klimaziele gemacht werden könnte, denn gegenwärtig verschenken wir reichlich Chancen. 200.000 Tonnen CO2-Emissionen könnten bei einer termingerechten Einführung von E10 kurzfristig realisiert werden, doch scheitert es nebst innerpolitischer Unstimmigkeit auf höchster Ebene auch am Veto der Mineralölindustrie. Diese pocht auf längere Vorlaufzeiten, denn ist E10 erst mal im Rennen, reduziert sich der Treibstoffabsatz um genau jene Menge, die aus anderer Quelle beigesteuert wird, und das ist gar nicht gut fürs eigene Geschäft.

E10, Ernteausfälle und Spekulationen

Da Getreide weltweit gehandelt wird, kann sich Österreich den üblichen Marktschwankungen nicht entziehen. Ähnlich wie bei Öl und Energie bestimmt das Gesetz von Angebot und Nachfrage den Preis, die spekulationsbedingten Differenzen sind systembedingt nicht vermeidbar und verursachen beträchtliche Preisschwankungen. So wird in Europa in etwa das 1,5 fache der europäischen Weizenernte gehandelt, in Chicago geht gar die ziemlich fiktive 30fache Menge der Welternte über den Ladentisch. Die Relation zwischen Warentermingeschäften und dem physischen Markt liegt fernab jeglicher nachvollziehbarer oder gar greifbarer Realität.

Neue Finanzmarktrichtlinie (MiFiD) verhindert Marktmissbrauch

Die Angst vor Ernteausfällen und die gebotene Versorgungssicherheit waren stets eine Ursache für Panikkäufe und Spekulationen mit teils abnormen Renditen. Doch damit ist bald Schluss. Die neue Finanzmarktrichtlinie der EU wird gerade ausgearbeitet und nimmt den Nahrungsmittel- und Rohstoffhandel an den Warenterminmärkten an die kurze Leine, um missbräuchliche Transaktionen zu vermeiden. Die Aufsichtsbehörden haben handfeste Informations- und Eingreifrechte, es gibt eine Einführung von Positionslimits, was zu einer geordneten Preisbildung und soliden Abrechungsbedingungen führt. 

Europaweit genug Getreide verfügbar

Schwache Ernten heizen die Stimmung an den Börsen weiter an. Zwar gibt es in diesem Jahr klimatisch bedingt lokal vereinzelt Ernteausfälle oder nur sehr bescheidene Erträge, doch  wird europaweit mit einer besseren Ernte als im vergangenen Jahr gerechnet, die weltweite Getreideproduktion hat sich ebenfalls erhöht. Bedingt durch eine stabile Preissituation können mehr Flächen aktiv genutzt werden. Inwieweit jedoch die Flächenerträge gesteigert werden, sind sich selbst die Experten nicht einig. Was Österreich betrifft, so werden vor Ort hochwertige Qualitäten an Brotgetreide nämlich Roggen und Weizen produziert, davon gehen 40 % ins Ausland. Für industrielle Verwendung wird Getreide geringer Qualität zugekauft, um damit beispielsweise Zitronensäure zu produzieren: Die weltweit größte Zitronensäureproduktion befindet sich nämlich in Österreich!

E10 aus österreichischer Produktion

Für Österreich besteht durch die Einführung von E10 keinerlei Mehrbedarf an Getreide, da in der Anlage Pischelsdorf bereits jetzt der gesamte E10 Bedarf produziert, im Moment jedoch ins Ausland verkauft wird. Jährlich werden 550.000 Tonnen Weizen und Mais verarbeitet. Auf Fläche umgelegt ist von 50.000 ha Weizen und 30.000 ha Mais die Rede, angesichts der Gesamtackerfläche von 1,36 Mio. ha, was wiederum weniger als 6 % der  vorhandenen Ackerfläche entspricht. Es gibt wirklich keinen berechtigten Grund, in ernsthafte Sorge ums Semmerl zu verfallen, es wird lediglich das verarbeitet, was frei verfügbar ist. Der hierzulande erforderliche Bedarf könnte somit aus heimischer Produktion stammen. Zudem fallen 180.000 Tonnen hochwertiges Eiweissfuttermittel an, wodurch sogar die Importe von (GVO)-Soja spürbar reduziert werden, zugleich werden wertvolle Arbeitsplätze gesichert.

E10 reduziert Abhängigkeit von Energieimporten

Österreich ist abhängig von fossilen Energieimporten. Ohne Erdöl und Erdgas aus dem Ausland geht es  nicht. Die Energieimportkosten erreichen mittlerweile Schwindel erregende Höhen und haben sich  innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht. Bereits im 1. Halbjahr 2012 übertreffen diese den Vergleichszeitraum des Vorjahrs um 16 %, Tendenz weiter steigend. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Preise von Benzin und Diesel. Die steigenden Mobilitätskosten sind für das erforderliche Wirtschaftswachstum keineswegs förderlich, sondern ein klares Argument für die Energiewende und für den konsequenten Einsatz von Biosprit, zumal dieser geradezu vor der Haustüre entsteht.

E10: Wie war das mit Peak Oil?

Sichtlich wird Peak Oil gerade wieder einmal nachhaltig aus dem Bewusstsein verdrängt. Sollen die aktuellen parteipolitischen Diskussionen etwa gar über die momentane Lage hinwegtäuschen?  Während einerseits um Kompetenzen gerangelt wird und Verantwortlichkeiten wie heiße Kartoffeln weitergereicht werden, spitzt sich die Lage zu. So, wie es aussieht fehlt es einmal mehr an einem ganzheitlichen Energiekonzept. Brüssel drängt auf Fortschritt, die Industrie auf Subventionen. Dass E10 nicht für den Hunger der Welt verantwortlich gemacht werden kann sollte mittlerweile bekannt sein. Der latente E10-Konflikt zwischen Tank und Teller schürt Emotionen ohne die Lage zu verbessern. Und so wie es jetzt aussieht, wird E10 in Österreich ebenso erfolgreich wie in Deutschland.

Hauptsache, wir reden über die Energiewende …


 




E10 - es kommt mehr Information, aber die Verwirrung bleibt!

Der Minister spricht im Interview mit dem Standard vom weltgrößten Zitronensäurehersteller unter http://derstandard.at/1345165336819/Unsinn-dass-Hunger-durch-E10-verscha... .

Und Heinz Kopetz (Vorsitzender des Weltbiomasseverbandes)legt sich in seinem Gastkommentar in der Presse unter http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1283519/Wer-gegen-E10-ka... für E10 vor den Zug.

Die zusätzlichen Informationen bringen zwar was, die Verunsicherung bzw Verwirrung bleibt aber auch.

Ganzheitliches Energiekonzept!

Also die Leopoldina-Studie zu Biomasse hat errechnet, dass in Deutschland zwar 7% des Primärenergieverbrauchs aus Biomasse stammen (was ordentlich ist), aber nur 3% aus heimischem Anbau kämen. Die Differenz muss Deutschland also bereits importieren, zulasten von Anbauflächen anderswo. Das muss NOCH kein Problem sein, andererseits sind die Kopplungen zwischen Öl- und Lebenspreisen schon recht drastisch und E10 ist kein E20, E50 oder E100. Für all unsere Lebensbereiche werden wir kaum von Erdöl auf Biomasse umsteigen können. Daher brauchen wir - und das sagt der Artikel korrekt - ein ganzheitliches Energiekonzept. Wer macht`s?
Mehr Infos: http://www.peak-oil.com/2012/08/e10-lebensmittelpreise-und-peak-phosphor...

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