Sonntag 19. Mai 2013, 16:09

Gesundheit


Drogen in Europa – ein brennendes Problem

Der gestern von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) veröffentlichte Jahresbericht 2011 belegt, dass es beim Drogenkonsum in Europa zwei unterschiedliche Trends gibt. So ist der Konsum bei „klassischen Drogen“ relativ stabil. Positiv ist, dass der Kokainkonsum seinen Höhepunkt erreicht zu haben scheint und der Cannabiskonsum unter jungen Menschen weiter zurückgeht.

Drogen
Drogen
Bild: CC-BY 3.0
Der zweite Trend läuft der Stabilisierung bei klassischen Drogen aber vollends entgegen. Die neue Gefährdung kommt von synthetischen Drogen und deren zunehmend leichten Verfügbarkeit. Ein weiteres Problem liegt im raschen Auftauchen neuer Substanzen und dem weitverbreitete Mehrfachkonsum (der kombinierte Konsum verschiedener Drogen). In dem Bericht wird auch auf den möglichen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von HIV-Infektionen und intravenösem Drogenkonsum hingewiesen.

EU-Innen-Kommissarin Malmström ruft daher auch bei der Präsentation des Drogenberichts 2011, am Dienstag in Brüssel, zu Wachsamkeit bei den synthetischen Drogen auf und forderte verstärkte Bemühungen im Kampf gegen den Drogenhandel. Die Kommission werde den eingeschlagenen Weg entschlossen fortsetzen. Deshalb kündigte Malmström auch an, in Kürze Vorschriften über die Beschlagnahmung und Einziehung von Vermögenswerten, die aus dem Drogenhandel und anderen schweren Straftaten stammen, vorzuschlagen.

Eines der großen Probleme liegtim raschen Auftauchen neuer Substanzen und der weitverbreitete Mehrfachkonsum (der kombinierte Konsum verschiedener Drogen). In dem Bericht wird auch auf den möglichen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von HIV-Infektionen und intravenösem Drogenkonsum hingewiesen.

Millionen Europäer konsumieren Cannabis

Etwa 14,5 Millionen Europäer (zwischen 15 und 64 Jahren) geben an, einmal in ihrem Leben Kokain probiert zu haben; etwa 4 Millionen Personen haben im vergangenen Jahr Kokain konsumiert. Die jüngsten Umfragen zum Kokainkonsum zeigen einen positiven Trend in den Ländern mit dem traditionell höchsten Konsum. Berichten aus Dänemark, Spanien, Italien und dem Vereinigten Königreich zufolge (vier der fünf Länder mit dem höchsten Verbrauch) ist der Kokainkonsum unter jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 34 Jahren leicht zurückgegangen.

Etwa 78 Millionen Europäer, d.h. jeder fünfte Erwachsene im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, geben an, einmal in ihrem Leben Cannabis probiert zu haben; etwa 22,5 Millionen Personen haben im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert. Damit ist Cannabis auch weiterhin die in Europa am häufigsten konsumierte illegale Droge. Allerdings bestätigen die jüngsten europäischen Daten eine allgemeine Stabilisierung oder einen rückläufigen Trend beim Cannabiskonsum unter jungen Erwachsenen.

Dem Bericht zufolge findet bei den Ausgangsstoffen, d.h. den für die Herstellung von illegalen Drogen verwendeten chemischen Stoffen, ein Katz-und-Maus-Spiel statt. Es wird aufgezeigt, welche raffinierten Techniken die Hersteller synthetischer Drogen anwenden, um die Vorschriften zur Verhinderung der missbräuchlichen Verwendung der Ausgangsstoffe zu umgehen. Sie verwenden die Ausgangsstoffe aus „Vor-Ausgangsstoffen” zur Herstellung synthetischer Drogen oder sie tarnen die Ausgangsstoffe als chemische Stoffe, die keiner Kontrolle unterliegen, und wandeln sie nach der Einfuhr wieder um. Die jüngsten Fluktuationen auf dem Ecstasy-Markt veranschaulichen dieses Phänomen eindrücklich.

Legal Highs – neue Drogen sind im Vormarsch

Das rasche Auftauchen neuer unkontrollierter psychoaktiver Substanzen, die häufig als „legal Highs“ verkauft werden, stellt eine zunehmende Herausforderung dar. Nachdem der EBDD und Europol 2010 die Rekordzahl von 41 neuen Drogen (im Vergleich zu 24 im Jahr 2009) gemeldet wurden, zeigen die vorläufigen Daten für 2011 keinerlei Anzeichen für einen Rückgang. Für 2011 wurden bislang 39 Substanzen über das Europäische Frühwarnsystem (EWS) gemeldet. Die jüngste Momentaufnahme der EBDD (Juli 2011) der Online-Verkäufer von legal Highs zeigte eine Rekordzahl von 600 Online-Shops, in denen nach Angaben der Verkäufer psychoaktive Produkte verkauft werden, und offenbarte eine große Vielzahl neuer Produkte.

Der Heroinkonsum hat nach wie vor den größten Anteil an drogenbedingten Krankheiten und Todesfällen in der EU. Nach Schätzungen der EBDD konsumieren mehr als 1,3 Millionen Personen in der EU und Norwegen regelmäßig Opiate. Etwa die Hälfte der Drogenkonsumenten in Europa, die sich einer Therapie unterziehen, bezeichnen Opiate als ihr größtes Drogenproblem. In dem Bericht wird auf die Gefahr des Konsums anderer Opiate als Heroin und weist auf den möglichen Zusammenhang zwischen dem Ausbruch von HIV-Infektionen und intravenösem Drogenkonsum hingewiesen.


 




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