Die Zukunft der Mobilität
Wien: Die Bundessparte Transport und Verkehr der WKO hat gemeinsam mit hochkarätigen Experten der Branche die Möglichkeiten, Chancen und Schwachpunkte aktueller und geplanter Verkehrskonzepte beleuchtet. Bei diesen Überlegungen dreht sich alles um Effizienz und Klimaschutz. Wie sieht die Mobilität der Zukunft wirklich aus?

Bild: EUI
Kostenfaktor Treibstoff
Diesel hält die Wirtschaft am Leben. Jedes Lenkrad sichert 1,5 – 3 Arbeitsplätze. Aber: Diesel ist zugleich auch ein Kostenfaktor. Effizienz und sorgfältiger Umgang mit dem kostbaren Treibstoff ist oberstes Gebot, sowohl aus ökologischen wie aus ökonomischen Überlegungen. Moderne Technik bewirkt teils beträchtliche Verbrauchsminderungen, was wiederum den CO2-Emissionen zugute kommt. Doch in Relation machen Transport und Verkehr nur einen relativ bescheidenen Anteil an den CO2-Emissionen in deren Gesamtheit aus. Immerhin nutzen bereits 13.000 heimische Fahrzeuge alternative Antriebe oder reine Biokraftstoffe, 80 % der hier angemeldeten Fahrzeuge werden in kommerziellen Betrieben eingesetzt. Und bereits jeder fünfte Stadtautobus fährt mit alternativer Antriebestechnologie. Doch das Mobilitätsbedürfnis steigt und steigt, ebenso der Warenverkehr. Es gilt, die immer dichter werden Verkehrsströme nachhaltiger zu gestalten.
Verkehr verlagern – aber wie?
Verkehrschaos in den Städten, nicht zuletzt dank unkoordinierter Ampelphasen, Stau auf den Autobahnen und Verspätungen im Flugverkehr legen es uns Nahe, alternative Wege der Fortbewegung zu ersinnen. Mit dem Schienenverkehr ist es auch so eine Sache, denn Züge fahren nicht immer und schon gar nicht dort, wo man hin will oder muss. Zwar ist seitens der ÖBB zu vernehmen, dass bis 2025 um 25% mehr Fahrgäste erwartet werden, doch muss vorerst das Netz optimiert werden und effizientere Schnittstellen sprich andere Anbindungen an das restliche Verkehrnetz erforderlich sind. Flächenpräsenz und Nachfrage sollen in Einklang gebracht werden, im Güterverkehr gibt es mehrfach Kapazitätsengpässe. Neue Impulse im Mobilitätsmix sind gefragt. Es geht darum, die Systemvorteile der Schiene optimal zu nutzen. Dabei fällt seitens des ÖBB- Verantwortlichen gleich mehrfach der Begriff Kundenorientierung. Das klingt schon einmal viel versprechend. Immerhin: 93% der Tonnagen und Personentransporte erfolgen mit erneuerbarer Energie.
Wasserwege als Option
Der Gütertransport zu Wasser hat in Europa einen Anteil von bescheidenen 5 Prozent. Doch auch hier fehlt es an geeigneter Infrastruktur. Aufgrund des erforderlichen Vor- und Nachlaufs gibt es systembedingte Nachteile, die jedoch auf Kostenseite kompensiert werden, sofern der Faktor Zeit nebensächlich ist. Der Anteil der Schiffsfracht soll bis 2020 auf 20 Prozent erhöht werden, gegenwärtig gibt es auf der Donau rund 80 Prozent freie Kapazitäten. Das liegt unter anderem auch an den technischen Begebenheiten, vielfach scheitert es am entsprechenden Ausbau der Wasserwege. Der Aufwand für den Ausbau ist beträchtlich, von der langen Vorlaufzeit für Planung und Genehmigungsverfahren einmal ganz abgesehen. Generell gilt die Schiffsfahrt in Relation zu den transportierten Tonnagen durchaus als umweltfreundlich, zumal auch auf diesem Sektor alternative Antriebskonzepte im Kommen sind, obwohl die erforderliche Infrastruktur erst implementiert werden muss.
Zum in die Luft gehen …
Um in diesem sensiblen Bereich CO2-Emissionen zu reduzieren sind gravierende technische und organisatorische Hürden zu überwinden. Biotreibstoffe der ersten Generation haben sich als komplett unbrauchbar für die Luftfahrt herauskristallisiert, mit der zweiten Generation sieht es bereits etwas besser aus. Beimischungen funktionieren weitgehendst problemlos, die generelle Umstellung auf Biotreibstoff bleibt selbst in den nächsten Jahren Zukunftsmusik, zumal Biotreibstoffe wesentlich teurer sind als Kerosin. Weiters müssten angesichts des theoretischen Bedarfs ganze Landstriche mit Rapps und Co. zugepflastert werden. So gesehen bleibt neben optimierten Anflugrouten ein effizientes Luftraummanagement die vorerst sinnvollste Lösung, die aufgrund der eingesparten Flugmeilen ziemlich nachhaltige Einsparungen mit sich bringt. In der Luftfahrt ist Sparen angesagt – man hat ja nichts zu verschenken.
Mobilitätsmix und Investitionen
Was die Technik von morgen bringt, wissen wir heute noch nicht. Doch es steht fest, dass wir unser Mobilitätsverhalten anpassen müssen. Das erfordert rundum reichlich Investitionen und neu durchdachte logistische Konzepte, die auf Tragfähigkeit überprüft werden müssen. An Ideen mangelt es ja nicht – es geht um deren Umsetzung. Dabei muss klar sein, dass Verkehr als solches nur sehr bedingt, wenn überhaupt reduzierbar ist. Defacto muss dieser optimal gesteuert werden, was wiederum effiziente Infrastrukturen technischer und logistischer Art erfordert.
Schnell handeln. Sonst wird es mächtig teuer!
Die Stärkung nachhaltiger Verkehrsmittel ist unabdingbare Voraussetzung um die katastrophalen Folgen des Klimawandels zu minimieren. Experten gehen dabei von rund 150 Milliarden Euro pro Jahr aus, um den Bereich Transport und Verkehr entsprechend zu adaptieren und den Klimawandel einzudämmen. Die Investitionen insgesamt belaufen sich auf 270 Milliarden pro Jahr, um die EU Vorgaben bis 2050 zu erfüllen. Als Gegenleistung halbieren sich die Importe, dafür steigt die Energie- und Versorgungssicherheit.
Nur Verbindlichkeit zählt
Das politische Ziel der zulässigen Klimaerwärmung liegt bei zwei Grad, wenn wir so weitermachen wie bisher werden es bis 2050 in etwa vier bis fünf Grad Temperaturanstieg sein, die wir zu erwarten und verantworten haben. Die Politik ist gefragt, geeignete weil klare Rahmenbedingungen zu schaffen, um ein abschätzbares Umfeld für Investitionen zu schaffen. Planbarkeit ist gefragt, sonst kann es nicht klappen. Und angesichts der enormen Belastungen für die erforderlichen Investitionen sind neue steuern gegenwärtig absolut unangebracht.
Andreas Klacska, WKO, Obmann Bundessparte Transport und Verkehr, bringt es auf den Punkt: „Nutzer- und forschungsorientierte Förderungen zur Verbesserung der Transporteffizienz und zur Flottenmodernisierung müssen nachhaltig gesichert werden. Kontraproduktiv für Umwelt und Standort ist aus unserer Sicht jedoch ein weiteres Drehen an der Steuerschraube“.


















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