Die Plagiatsgeier ziehen ihre Kreise
Die Aufregung um den zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg beginnt sich zu legen, die Nachwehen noch nicht. Zwei Prozentpunkte verloren CDU/CSU im Sonntagstrend. Wer ist schuld an diesem Verlust, wirft der „Spiegel“ eine interessante Frage auf, Guttenberg oder die, die sich über ihn die Köpfe heißreden?
In früheren Zeiten hätte man sich ob der Scham zumindest erschossen ... aber mal ehrlich, Guttenberg hätte die Sache auch aussitzen können, einige Zeit mit dem Spott leben müssen, bis das Medienecho verhallt wäre, doch nein, er nimmt den Hut und geht. Kanzlerin Merkel sagte es ganz richtig, „Wir wissen was Anstand und Ehre sind“. Aber wovon sprechen wir denn hier eigentlich? Von König Edward VIII., der für Wallis Simpson einen Rücktritt von Format wählte? Von Gary Hart, der im puritanischen Amerika durch seinen Hang zu Frauen die Chance auf das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten vertan hatte? Oder von Richard Nixon und seiner Palastgarde, der sich nach dem Watergate Skandal gezwungenermaßen nur durch einen Rücktritt vor der Amtsenthebung drücken konnte?
Sind uns die Sorgen ausgegangen?
Schauen wir uns doch einmal um! Ein Banker, der nicht verstehen kann, warum ihn seine Anleger nicht mehr mögen, ein Bankdirektor in Untersuchungshaft, ein weiterer mitten im Prozess. Dachte oder denkt einer von ihnen an Rücktritt? Ein Ex Finanzminister, der sich damit rechtfertigt, dass er einfach zu schön für diese ungerechte Welt ist und gleichzeitig schneller von der Schlammlawine überrollt wird als seine Angetraute Pacifico Griffini-Grasser sagen kann. Auch Grassers Diplomarbeit „Die Klein-AG der Schweiz. Zivilrechtliche und Steuerrechtliche Grundlegung sowie Gestaltungen und Probleme der Rechtspraxis“ wird unter die Lupe genommen. Ein pikantes Thema im Lichte der laufenden Untersuchung durch Staatsanwaltschaft und Finanzstrafbehörde wegen Steuerhinterziehung und Verdacht des Amtsmissbrauchs. Für Grasser gilt in allen Fällen die Unschuldsvermutung. Wird er bei Erhärtung der Vorwürfe mit Ehre und Anstand von der Bühne abtreten? Nun sicher nicht!
Ins Visier der Plagiatsfander rückt abermals EU-Kommissar Johannes Hahn. Ihm sei geraten: Es kräht kein Namensverwandter von Ihnen nach dem Inhalt Ihrer Dissertation, sitzen Sie das bitte aus. Oder machen Sie es wie Aufdecker Peter Pilz, der anlässlich aufkeimender Zweifel an der Authentizität seiner Dissertation zum Thema „Ökonomische Bedeutung der Einführung neuer Medien in Österreich“ den Medien unumwunden ausrichten ließ: „Sollte jemand auch nur ansatzweise einen Plagiatsvorwurf erheben, hat er am nächsten Tag eine zivilrechtliche Klage am Hals." Da sind wir doch froh, dass sich der Titeladel gerade noch in Österreich hält und es in der EU mittlerweile Usus ist, Titel auf Visitkarten und Websites weg zu lassen. Schall und Rauch! Ein Schweizer fragte mich einmal uncharmant ob das Mag. Vor meinem Namen die Abkürzung für Magarete sei. Das Namensbeiwerk hat niemanden, nicht Guttenberg und nicht Kommissar Hahn in eine verdiente Position gebracht.
Die Liga der Sensationsgeier, Posteneider und Plagiatsjäger freut es, denn wie schon Tucholsky sagte, man fällt nicht über seine Fehler. Man fällt immer über seine Feinde, die diese Fehler ausnutzen.
Ich frage mich, wann Herr Weber in Deutschland und Herr Fröhlich in Österreich jene jagen, die nicht nur abgeschrieben, paraphrasiert oder falsch zitiert haben, sondern die zur Vereinfachung der Sache gleich auf einen Ghost Writer zurückgegriffen haben, der glücklicherweise der Zitierregeln mächtig war. Da liegt das Geschäft der Geisterjäger. Leider wird dieses unergiebig bleiben mangels Gutachten, die den Betrug beweisen würden.


















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