Die Millionengagen von Deutsche Bank-Chef Ackermann

Bild: MMag. M. Hörl
Ohne Ackermann gäbe es die Deutsche Bank schon längst nicht mehr. Als er im Mai 2002 seinen Job antrat, lag das einst mächtigste deutsche Geldhaus fast am Boden: Der Gewinn war weggeschmolzen, die Mitarbeiter stark demoralisiert; die Kunden waren genervt, weil man viele in die „Billigfiliale“ Deutsche Bank 24 abdrängen wollte. Der Börsenwert war kaum der Rede wert. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis eine ausländische Firma das „Deutsche Bänklein“ aufgeschnupft hätte.
Ackermann hat nicht nur die Deutsche Bank gerettet, sondern auch Zehntausende deutsche Arbeitsplätze. Ein ausländischer Käufer hätte sich wahrscheinlich nur für das Investmentbanking interessiert, mit deren Gewinnen man die Verluste der Zentrale und den vielen kleinen Landfilialen verdiente.
Mindestens ebenso schlimm: Die Deutschen leben vom internationalen Verkauf ihrer (fast) einzigartig präzisen Produkte. Und da hätte es zu kniffligen Situationen kommen können: Für wen haut sich eine amerikanisch dominierte „Deutsche Bank“ am heißen Zukunftsmarkt China denn ins Zeug? Für General Electric oder Siemens? Auch dieses Szenario hätte wieder Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet.
Ackermann hat den Wert des Konzerns glatt verdoppelt, viele Milliarden Euro jährlich an diversen Steuerleistungen hat er für den deutschen Staat und seine Bürger damit gerettet. Natürlich profitieren davon heute auch die Aktienbesitzer. Sie hatten aber auch in den Zeiten, in denen es dem Konzern so richtig dreckig ging, an ihn geglaubt und ihm seine jungen Aktien trotzdem abgekauft. Da die meisten Aktien aber sowieso von den großen Lebensversicherungen gehalten werden, sind auch viele „Normalos“ mit ihren 70 Euro Monatsprämie für die Lebensversicherung heute Miteigentümer bei der Deutschen Bank.
Konsumenten kaufen (meist) nur Dinge, die sie wollen – das kostet manchmal Jobs
„Ja, aber Ackermanns Deutsche Bank schreibt Milliardengewinne, kündigt aber im gleichen Atemzug 6.000 Mitarbeitern“, warfen man Ackermann vor einigen Jahren vor. Stimmt − aber auch wieder nicht. Die 6.000 saßen im Londoner Investmentbanking-Bereich und hatten mit riskanten Geschäften hohe Verluste fabriziert. Die mussten gehen (anders als vielleicht in einer staatlichen Bank). Dafür hat die Bank in gewinnträchtigen Bereichen längst wieder Tausende Menschen eingestellt.
Private Unternehmen handeln dabei nur so, wie auch normale Bürger handeln, so es das eigene Geld betrifft. Einem Bürger schmeckt Fleisch prinzipiell nicht mehr? Wird er sich jetzt trotzdem viermal die Woche zwingen, ein paar Bissen Schnitzel herunterzuwürgen, nur damit Bauern, Metzger und Viehtransporteure nicht ihre Jobs verlieren? Hätte der in seiner „politisch korrekten“ Nachbarschaft jetzt ein Problem, weil man sagen könnte: „Der isst kein Fleisch mehr, obwohl er sich’s locker leisten könnte und dafür müssen jetzt arme KleinbäuerInnen hungern!“
Josef Ackermann ist jeden Penny wert
Das eigentliche Problem ist nur: Der Mann besitzt das Fingerspitzengefühl einer kreischenden Motorsäge im Vanillepudding. Tätigt Aussagen über betriebswirtschaftliche Sachverhalte in einem Land, in dem Menschen nach Jahren der gewollten Arbeitsabstinenz den Staat auf Erhöhung ihres Hartz IV-„Gehaltes“ klagen.
Es stimmt: 2006, da toppte „Magic Ackermann“ selbst den Vorjahresrekord von 11,7 Millionen noch um 1,3 Millionen. Doch stieg auch der Gewinn um 50% auf 6,4 Milliarden Euro. 2,6 Milliarden Euro hat sich der deutsche Staat davon als Beute auf sein Konto überweisen lassen. Genug, um über 200.000 „müde Krieger“ ein Jahr lang mit „HARTZ IV“ zu versorgen.
Dem Gehaltsplus von 1,3 Millionen bei Josef Ackermanns stand also das 808fache, nämlich 1,05 Milliarden mehr für Angela Merkel gegenüber. Und für nur einen Euro Bonus produzierte er 962 Euro mehr Gewinn für seine Eigentümer. Gut für die Stabilität der Bank, gut für den „Standort Deutschland“ und eben die Aktionäre dieser Bank. Also gut für „Otto Normalverbraucher“ und seine Lebensversicherung.
„Für den Gewinnanstieg ist Herr Ackermann nicht allein verantwortlich!“ − „Doch.“
Es mag vielleicht ungerecht klingen, aber der, der die Weichen richtig stellt, ist dafür verantwortlich, dass der Zug dann in die richtige Richtung fährt.
Denen, die sich über die vermeintlich zu hohen Gehälter für „die da oben“ gern erregen, muss man sagen: Es ist leichter, die Leistung anderer zu kritisieren, wenn man selber noch nie so hohe Verantwortung übernommen hat. „Führen“ heißt, eigene Visionen gemeinsam mit vielen Menschen in konkreten Projekten bewusst umzusetzen. Dabei muss man auch unangenehme Entscheidungen treffen. Oft muss man sich weit aus dem Fenster lehnen und macht sich so für alle angreifbar. Läuft etwas wirklich falsch, muss man sogar ins Gefängnis. Viele Führungskräfte halten Verantwortung und Druck nicht stand und leiden unter Bluthochdruck und Depression. Manche sind mit 55 ausgebrannt und krank.
„Der Fisch fängt stets am Kopf zu stinken an“. Es ist der Chef der Firma, der die grundlegenden Entscheidungen trifft. Ist dieser Mann gut, sind die Jobs Tausender Menschen abgesichert. Dann werden genügend Mittel für die Forschung und Maschinen erwirtschaftet, dann bekommen Lieferanten Geld, es freuen sich Aktionär und Lebensversicherungssparer, und Milliarden fließen an den Staat. Baut der ganz oben hingegen Mist, wird Wohlstand vernichtet.
Darum ist es wichtig, für die Spitze den besten Mann zu finden. Und solche gibt es nun mal nicht wie Sand am Meer. Interessanterweise versteht ein jeder Bürger, dass er nicht zu einem Tennisstar wie Roger Federer geboren ist. Oder zu einem Golfprofi wie Tiger Woods. Oder zu einem wie Hermann Maier. Und so wie es eben im Sport nur wirklich wenige Spitzentalente gibt, gibt es auch in der Wirtschaft nur ganz wenige, die Groß-Organisationen erfolgreich führen können.
Ein Star wie Ackermann kann eine kaputte Firma „umdrehen“, indem er sich traut, auf neue Geschäftsfelder wie das Investmentbanking zu setzen. Hinterher sehen Kritiker solche Leistungen freilich als ganz selbstverständlich an und schielen neiderfüllt auf seine Millionen. Dabei vergessen sie aber, warum er die bekommen hat. Und wehe, seine Entscheidungen wären falsch gewesen und hätten zu Verlusten geführt. Statt Neid hätte ihn die Wut „über so viel Unfähigkeit“ getroffen. Manager- und Technikertalente sind sehr dünn gestreut. Und so führt der Kampf um diese Spitzenleute zu immer höheren Gehältern.
Ein Spitzenforscher für 10.000 Euro monatlich kann die Grundlage dafür legen, dass Hunderte Menschen mit 2.500 beschäftigt werden können. Ohne den einen gäb’s aber die anderen nicht. Denn nun mit dem Spitzenforscher an der Spitze werden viele neue Güter produziert, kann die Notenbank die Geldmenge entsprechend weiter erhöhen und unters Volk bringen und die Menschen werden weiter reicher.
Globalisierungsängstiger verstehen so etwas nicht. Ihnen fällt nur die Ungleichheit der Bezüge auf.


















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