Donnerstag 23. Mai 2013, 02:20

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Die meisten Europäer sind reicher als ihre Staaten

Das private Nettovermögen der meisten Europäer übersteigt die Staatsschulden ihrer Länder deutlich. Ist es daher ein probates Mittel, Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen künftig noch stärker zur Kasse zu bitten? Wohl kaum, wenn man nur bei den „Superreichen“ ansetzt. Um wirklich ausreichend zusätzliche Staatseinnahmen zu realisieren, müsste die Masse – sprich: der Mittelstand – noch stärker geschröpft werden. Doch das kann im Grunde keiner wollen.

Die meisten Europäer sind reicher als ihre Staaten
Die meisten Europäer sind reicher als ihre Staaten
Bild: birgitH/pixelio.de
Eigentlich wäre es ganz einfach, die europäische Schuldenkrise zu lösen. Im vergangenen Juni machte der Vorstandssprecher der italienischen Großbank Unicredit einen Vorschlag, der es in sich hatte: Die Deutschen müssten zahlen, denn sie profitierten am kräftigsten vom Euro. Der Banker konnte sich dabei auf die deutsche Kanzlerin und führende Unternehmensvertreter berufen, die exakt diese Botschaft seit Ausbruch der Euro-Krise verbreiten: Deutschland als stark exportorientierte Nation sei der größte Nutznießer der gemeinsamen Währung. Der Unicredit-Chef fügte laut einem Bericht der Wirtschaftswoche vom 18. Juni 2012 hinzu, die Deutschen könnten das alles locker schultern, schließlich betrage ihr Geld- und Immobilienvermögen nach Abzug der Kredite 8,5 Billionen Euro. Das sei mehr als alle Schulden in der Euro-Zone zusammen.

Solche Ansichten sind mittlerweile fast schon Mainstream. Der ansonsten bemerkenswert farblose neue französische Präsident möchte einen Teil des Vermögens der Reichen seines Landes mit einem Steuersatz von 75 Prozent belasten – und hat den reichsten Franzosen damit schon vertrieben. Spaniens konservativer Premier Mariano Rajoy hat den Spitzensteuersatz von 45 auf 52 Prozent erhöht, und in Italien gibt es bereits seit 2011 einen Solidaritätsbeitrag für Besserverdiener.

Wer profitiert soll auch zahlen

Ist das also die Lösung – wer mehr verdient muss einfach mehr zahlen? An dieser Stelle ist dann regelmäßig von den „breiten Schultern“ die Rede, die mehr tragen müssten als die schwachen. Anders ausgedrückt: Wer angeblich vom Euro profitiert, soll auch für Griechenland und die anderen Krisenstaaten zahlen.

Doch wer sind eigentlich „die Reichen“? Diese Frage beantwortet jeder ganz individuell, indem er das eigene Einkommen als Maßstab nimmt. Beschränkt sich der Staat bei seinem fiskalischen Zugriff lediglich auf die Multimillionäre, bleibt das zusätzliche Steueraufkommen überschaubar. Die wirklich „Superreichen“ sind international gut vernetzt, haben eine einflussreiche Lobby, und ihr Vermögen ist mobiler denn je. Doch selbst wenn es gelänge, alle Multimillionäre zur Kasse zu bieten, reichte das zusätzliche Steueraufkommen kaum aus, um auch nur ansatzweise die Schuldenkrise zu lösen. Wo immer es Vermögenssteuern gibt, erbringen sie nirgendwo mehr als vier Prozent des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts.

Wer wirklich nennenswerte steuerliche Mehrerträge realisieren will, muss in der Masse abschöpfen – und nicht an der vergleichsweise dünnen Spitze. In Spanien greift der Spitzensteuersatz zum Beispiel ab einem Jahreseinkommen von 175.000 Euro. Anders ausgedrückt: Es geht nicht um ein paar Multimillionäre, sondern um Millionen von Europäern, die überdurchschnittlich verdienen. Und zwar nicht, weil es ihnen der Herr im Schlaf gibt, sondern weil sie engagiert arbeiten, Risiken eingehen, Ideen umsetzen und ihr Vermögen intelligent anlegen.

Dass ein Freiberufler oder Mittelständler erfolgreicher mit Geld umzugehen versteht als die Staaten, darf aber nicht als Begründung für enteignungsähnliche Eingriffe herhalten. Schon heute zahlen in Deutschland jene 50 Prozent der Menschen mit einem überdurchschnittlichen Einkommen gut 90 Prozent der Steuern. Die andere Hälfte kommt auf knapp 10 Prozent des Steueraufkommens. Gerade der gut verdienende Mittelstand wird also bereits seit Jahren massiv zur Kasse gebeten.

Darüber hinaus ist es nach wie vor sehr schwierig, das Geld der angeblich Reichen zu zählen. Welche Vermögenswerte gehören dazu? Unternehmensanteile und Immobilien? Oder nur Bargeld und Aktien? Wer den Immobilienbesitz mit einrechnet, muss sein Bild von „den Reichen“ schnell revidieren. Dann sprechen wir nicht mehr über in Luxus schwelgende, millionenschwere Erben, die den lieben langen Tag champagnerschlürfend auf der Yacht im Mittelmeer verbringen. Reich ist dann sogar das Rentner-Ehepaar, das sich vor 40 Jahren ein Haus in guter Lage gekauft und das Objekt nicht zuletzt durch Sparsamkeit und Konsumverzicht entschuldet hat.

Und überhaupt: Welche Europäer weisen eigentlich pro Kopf das höchste Vermögen auf? Die Deutschen sind es nicht, soviel vorab. Zwar sind sie mit einem Brutto-Geldvermögen von über 4,7 Billionen Euro (ohne Immobilien) absolut gesehen das fünftreichste Volk der Welt, gleich hinter den US-Amerikanern, Japanern, Chinesen und Briten. Doch zieht man vom Brutto-Geldvermögen die Schulden der Privathaushalte ab und rechnet das Ergebnis auf die Zahl der Einwohner um, ist Deutschland plötzlich nur noch Mittelklasse.

Schweiz und Luxemburg an der Spitze

So liegt das deutsche Netto-Geldvermögen pro Kopf bei rund 38.500 Euro. Dass die Schweizer und Luxemburger die Deutschen übertreffen, war eigentlich zu erwarten. Die Eidgenossen kommen auf ein Pro-Kopf-Vermögen von 138.000 Euro, die Luxemburger auf etwa 69.000 Euro. Dicht dahinter folgt das hochverschuldete Belgien. Die Staatsschulden des kleinen Königreichs machen 96 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus, das private Vermögen etwa 205 Prozent. Auch in Italien liegt das private Vermögen mit 175 Prozent des BIP deutlich über der Staatsverschuldung (118 Prozent). Spanier und Portugiesen könnten ebenfalls mit ihren privaten Vermögen ihre Staaten locker entschulden – und es blieben sogar noch etliche Milliarden übrig. Italien liegt mit einem privaten Nettovermögen pro Kopf von 43.000 Euro sogar noch vor Österreich (42.000 Euro). Allerdings ist auch diese Statistik mit Vorsicht zu genießen. Zum Beispiel heben einige „Superreiche“ in Italien den Gesamtdurchschnitt des Landes erheblich an. Diese Zahlen sagen somit nichts darüber aus, wie das Vermögen verteilt ist.

Wenig überraschend schließlich, dass in Griechenland das Verhältnis von Staatsschulden zu privatem Geldvermögen besonders negativ ausfällt. Während die Staatsschulden rund 145 Prozent des BIP bei steigender Tendenz ausmachen, liegt das private Geldvermögen bei 56 Prozent.


 




Die Deutschen müssten zahlen, denn sie profitierten am kräftigst

Das können wir schon machen, aber dann bestimmen die Deutschen auch was in diesen Staaten gemacht wird. Und da sind bestimmt alle dagegen. Aber wer zahlt, der schafft an. Und so bleibt es doch nur ein frommer Wunsch. Aber bei unseren Politikern bin ich mir da doch nicht so sicher, die verkaufen uns vielleicht doch.

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