Mittwoch 22. Mai 2013, 10:59

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Die Globalisierungsängstiger

Keine seiner Weltuntergangsprognosen ist jemals eingetroffen – und selbst die Verelendungstheorie betraf nur jene Länder, in denen man seinen Sozialismus lebte: Karl Marx. Dass der Welt-Pessimist dabei nur stets falsch interpretiert wurde, glaubt heute noch jeder zweite Bundesbürger - 75% sind es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR (Spiegel 2005).

Deutschland: Gelebter Pessimismis: Bild: M. Hörl

Nirgendwo auf dieser Welt weichen die subjektiv wahrgenommenen Aufstiegschancen (im Sinne einer geldlichen Verbesserung) von den tatsächlichen mehr ab als bei unserem Nachbarn.

Dabei gibt es keine pünktlicheren Menschen, nur wenige sind ähnlich technikverliebt. Deutsche arbeiten präzise, pflichtbewusst und genau – insgesamt Grafik Hörlhervorragende Voraussetzungen, um hochwertige (und teure) Produkte zu fertigen. Und doch ist das Land unfähig, auf seine Leistungen und die seiner Unternehmer stolz zu sein. Kein Wunder: Schon mit dem Stichwort „Globalisierung“ assoziiert eine Mehrheit prinzipiell einmal nur Schlechtes. In vielen europäischen Ländern wie England, Schweden oder Dänemark, in weiten Teilen Asiens und in Amerika ist das gerade umgekehrt.

Man beginnt das Problem zu ahnen, wenn man Deutschlands Medien konsumiert. Geht es um Technik, parlieren die Gäste einer Talkshow noch auf Weltniveau. Wechselt man jedoch zur Wirtschaft, sackt das Level gegen Null. Dann geht es nur mehr um Verschwörungstheorien und Sündenböcke – Stichwort: Banken, Raubtierkapitalismus, Reiche und die „Weltherrschaft“ der Großkonzerne.

Deutschland: Top bei Technik - Flop bei Wirtschaft

Deutschland Bildungssystem entlässt die Mehrheit seiner Bürger ohne ein „Gefühl für Wirtschaft“ hinaus in eine Welt – voller Wirtschaft. Entweder kommt Ökonomisches in Hauptschulen, Gymnasien oder bei den Gesellschaftswissenschaften gleich gar nicht vor oder es wird wirtschaftsfeindlich unterrichtet.

Solcherart ungebildet ahnt mancher Absolvent persönlich schlechte Zukunftsperspektiven - und das erzeugt massive Abstiegsangst. Und wo ein Gespür für´s Unternehmertum nicht durch den Hausverstand einer sozialen Umgebung kompensiert wurde (in Bauern- oder Unternehmerhaushalten), da entwickeln sich sozial Geängstigte nun zu Ängstigern. Und ihre persönliche Wut erklären sie zu der einer ganzen Gesellschaft.

Auch wenn das Gehaltskonto anderes vermuten ließe, zählen sich die Wutbürger meist zu den „Kleinen Leuten“.

Wie ticken Globalisierungsängstiger?

Wie (der Philosoph) Karl Marx unterliegt auch Europas ökonomisch ungebildete Eliten heute dem Kardinalirrtum, dass der Gewinn des Einen immer den Verlust des Anderen bedeuten müsse. Wie Marx ist man der Meinung, dass Menschen sich ursprünglich primär um das Glück ihrer Gemeinschaft sorgen würden und dass nur ein teuflischer Kapitalismus die Menschen zum Eigennutz erzogen hätte. Das erklärt, warum man verzweifelt (wieder) nach Tricks und Möglichkeiten forscht, um die Irregeleiteten „zurückzuerziehen“. Dass die Umerziehung von Menschen in der Vergangenheit in vielen Katastrophen endete, kommt im europäischen Geschichteunterricht nur selten vor.

Die Gesellschaft nehmen sie als kalt und herzlos war, die Gegenwart als traurig und beinahe unerträglich. Da helfen nur noch radikale Änderungen, um die „echte Welt“ in das utopische Wohlfühl-Traumgebilde „Made in Gymnasium“ zu verwandeln.

Jede Zeitungsmeldung deuten sie vor dem Hintergrund des „Kampfes David gegen Goliath“, und meinen den Kampf des kleinen Mannes gegen das (internationale) Kapital. Denn der Glaube an die Weltverschwörungen des Kapitalismus, der Banken, der Reichen und der Mächtigen eint alle Ängstiger auf diesem Globus. Deshalb ihr Name: Globalisierungsängstiger.

Dass Österreichs Einkommen (laut Gini-Index) kaum irgendwo auf dieser Welt gleicher verteilt sind, nimmt ihr auf Niedergang gepolter Organismus gar nicht war. Wenn man die Handvoll Milliardäre, die das Stiftungsrecht der SPÖ ins Alpenparadies einst holte, ausnimmt, geht die Kluft sogar zusammen.

Die meisten Globalisierungsängstiger glauben, dass alle Menschen sowohl gleich talentiert als auch gleich motiviert sind. Sie zweifeln an der Kraft des Individuums und dass man für sein Schicksal selbst verantwortlich ist. Und dieses sogar aktiv ändern kann.

Für sie ist „es ist die Schuld der Gesellschaft“, wenn jemand partout nicht arbeiten will, „die Gesellschaft hätte dem Arbeitslosen gegenüber wohl massive Vorurteile gehabt“.

Der Kapitalismus hätte Schuld, wenn studierte Philosophen statt echter Jobs nur Praktika bekämen. Dass es generell „keine“ Jobs für Philosophen gibt, weil Bürger solche Leistungen einfach nicht in Anspruch nehmen, wird als Erklärungsansatz abgelehnt. Viel lieber ortet man dann Marktversagen. Mühevoll Bilanzen lesen wird als „buchhalterisch“ und spießig abgelehnt, erklärt die Formel „Die Großen haben schuld“ doch selbst die komplexesten Sachverhalte zuverlässig.

Umso stärker setzt man auf einen starken Staat, an dessen Schlüsselstellen politische Parteiensoldaten walten. Nur denen traut man zu, das fremde Wesen „Wirtschaft“ wegzusperren und zu kontrollieren.

Führt die Radikalisierung zum Scheitern Europas?

Europas Gesellschaft steht heute an der Kippe. Das Land könnte bald auseinanderbrechen. Seine politische Instabilität steht immer stärker im Kontrast zur Stärke Amerika, Chinas oder Indiens. Schon heute halten viele gute Köpfe den aggressiven Umgangston Europas nicht mehr aus. Jeder 6. Maschinenbauer verlässt heute Deutschland, 140.000 sind es jährlich.

Wenn Europa nicht schleunigst beginnt, seine Bevölkerung ökonomisch auszubilden, dann wird es in eine Phase eintreten, die es ideologisch schon einmal - in den 20er Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts - durchlebt hat. Eine aufgeschaukelte Mehrheit wird zu neuen (alten) Modellen sozialistischer Utopien zurückkehren wollen. Der einzige Trost: für das alte „S“-Wort hat man neue, weichere Bezeichnungen. Wenigstens in Form des Marketings hat der ökonomische Fortschritt Einzug auch nach Europa gehalten.


 




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