Die Europäer brauchen Wirtschaftsbildung anstatt neuer Schulden
Wenn in Europa Preise steigen, haben Spekulanten Schuld – und nicht aufstrebende Bürgersschichten aus Fernost. Wenn Euro-Schuldentürme stürzen, dann haben nicht jene Schuld, die diese aufgenommen hatten, sondern Banken…und - erraten - Spekulanten. Europa muss sein Bildungssystem radikal überdenken, sonst wird es bald wie Griechenland und DDR – statt Schweden oder Schweiz.

Bild: Goethe-Uni
Schulsystem ohne Wirtschaft
Dabei ist Europas Schulsystem viel besser als sein jüngster Ruf. Man vergisst nur seit Jahrzehnten und Jahrhunderten konsequent die Wirtschaftsbildung. Und wo kein engagierter Geographie-Lehrer das Vakuum ausfüllt, bleibt es bei eben diesem. Nur mit AHS-Matura und geisteswissenschaftlichem Flower-Power-Fächermix kann man wirtschaftlich nicht reüssieren. Die Ausbildung in einem technischen, in einem juristischen, medizinischen oder pädagogischen Studium macht Absolventen zwar zum Fachmann/-frau auf akademischem Niveau, allerdings ohne wirtschaftliche Kenntnisse. Auch Amerikaner studieren gerne geisteswissenschaftliche Fächer, doch werden sie von einem Kurs-system ermuntert, auch technische oder kaufmännische Kurse mit dazu zu nehmen.
Der Staat schafft meinen Arbeitsplatz
Wer heute unser Schulsystem verlässt, den haben Religionslehrer von der kapitalistischen Ausbeutung des Südens erzählt. Und so glauben junge Menschen, dass es ihnen nur deshalb so gut geht, weil es Afrikaners dafür umso schlecht ginge. Dass der Rohstoffanteil einer DVD, auf der ein neues 10.000 Dollar-EDV-Programm gespeichert ist, am Endprodukt nicht einmal messbar ist, stellt für die verhetzte Jugend keinen Widerspruch dar. Für sie sind Programmierer reich, weil afrikanische Sandgruben-Arbeiter darben müssen.
Für sie sorgt ohnedies nur Vater Staat für Jobs, die menschenwürdig sind. Dass dafür die Menschen in der Privatwirtschaft rekordverdächtig hohe Steuern zahlen, ist für sie mehr als gerecht. Schon beim Doppelten des Durchschnittsgehaltes schlägt in Österreich der Spitzensatz mit 50% zu, in England tut es das erst beim 4,4fachen, in Deutschland beim 6fachen.
„Der Staat kann Akademikern keine menschenwürdigen Jobs mehr bieten“, schrien griechische Jungakademiker bei Studentenunruhen in die Mikrofone von Journalisten, „der Kapitalismus ist schon längst am Ende!“ Zwei Zeilen weiter stellte sich im Artikel dann heraus, dass die Hoffnungslosen Soziologen, Politologen oder Philosophen waren. Hätte unser Kontinent die Steine-Schmeisser nur mit einem Funken Wirtschaftsbildung ausgestattet, dann wäre ihnen klar gewesen, dass sie auch in guten Zeiten keinen Job bekommen würden – weil die Bürger ihre Fähigkeiten nicht gebrauchen können. Bei der Berufswahl hatten sie wohl nur an sich gedacht. Und nicht daran, was andere Menschen brauchen - immerhin kaufen auch Soziologen oder Philosophen doch nur Dinge, die sie wirklich brauchen. Oder würden Politologen Hufeisen kaufen, nur weil der junge Nachbar Hufschmied lernte und jetzt neue Kunden braucht?
Der Grundirrtum des Marxismus: Das Nullsummenspiel
„Die einen werden reicher, indem sie andere ärmer machen“, so Christian Felber. Dieser größte Irrtum der Antike fand über die jüdisch-christliche Kultur Eingang in das europäische Selbstverständnis und seinen Ausgang im Marxismus. Lediglich der anglosächsische (und Schweizer) Raum konnte dem „Diktat der Wut“ entrinnen. Es besagt: „Die Summe aller Dinge auf der Welt ist immer Eins“. Hat einer von irgendetwas mehr, muss im Gegenzug dafür ein anderer wohl etwas weniger haben.
Über 3.000 Jahre war diese Erkenntnis auch richtig – es gab schlicht und einfach kein Wirtschaftswachstum. Keine neuen Erfindungen, Verfahren oder Techniken. Jedes Jahr fingen die Menschen wieder „bei null“ an. Nach Tausenden Jahren der Stagnation und Depression hatte es eine (antike) Gesellschaft verinnerlicht, dass man nur reicher werden konnte, wenn man jemand anderem etwas dafür vorher weggenommen hatte, wenn man es stahl oder jemanden betrog. Mit Beginn der Industrialisierung verlor der Grundsatz aber plötzlich seine Grundlage. Plötzlich wuchs die Wirtschaft „ganz aus sich heraus“, ohne dass ein anderer deshalb weniger hatte.
Nehmen wir an, ein junger Nigerianer würde in Lagos eine Schokolade-Manufaktur gründen. In großen Pfannen schmilzt er Schokolade, in selbst gefertigten Formen bringt er sie zur Abkühlung und verpackt sie von Hand. Mit einem Arbeiter würde er im ersten Jahr 100.000 Naira Umsatz machen. Die nigerianische Zentralbank bemerkt, dass im betreffenden Bezirk nun Güter im Wert von 100.000 Naira (=Umsätze) neu hinzugekommen sind und druckt Geldscheine in ebensolcher Höhe. Über Beamte wie Lehrer, Krankenschwestern oder Polizei (und Staatsaufträge) bringt sie die frisch gedruckten Banknoten in Umlauf.
Eine Gesellschaft hat nun ein Mehr an Gütern („Schokolade“), ein Mehr an Geld („Löhne“, „Gewinne“) und niemand hätte deshalb weniger. Ganz im Gegenteil: Rohstofflieferanten hätten neue Aufträge, ihr Rohstoff hat jetzt erst einen Wert. Eventuell könnten die Rohstofflieferanten bei weiter steigenden Bestellungen sogar Preiserhöhungen durchsetzen.
Wenn Religionslehrer wütend werden…
Bekäme der geschäftstüchtige Afrikaner nach fünf Jahren 5 Millionen als Kaufpreis für seine mittlerweile 10 Mitarbeiter zählende Firma angeboten, dann wäre er zwar plötzlich Multimillionär, er hätte aber niemandem etwas weggenommen. Im Gegenteil: Er hätte 10 arbeitslosen Tagelöhnern Arbeit gegeben, seiner Stadt und seinem Land zu Steuereinnahmen und Kakao-Bauern zu höherem Einkommen verholfen. Und er hätte das BIP seines Landes gesteigert. Nur schade, dass es „produzierende“ Unternehmertypen zwar in Asien, nicht aber in Afrika gibt.
Das hören Religionslehrer aber gar nicht gern. Für sie hat nur die Gier der Europäer Schuld. Im ungeschriebenen Religionslehrplan stehen neo-marxistische Propagandafilme a la „Let`s make money“ ganz weit oben auf der Liste. Neben den Gesellschaftsmodelle eines Felbers oder Jean Ziegler. Dass Afrikaner arm bleiben, weil sie nicht produzieren, und eventuell etwas zu gemeinwohl-orientiert sind, kommt ihnen gar nicht in den Sinn. Tatsächlich ist es aber die kapitalistische und zutiefst materielle Einstellung der Asiaten, und ihre Einsicht, dass nur Produktion zu Wohlstand führt, die sie an den Afrikanern längst vorbeiziehen ließ.
Marx war Gymnasiast – und (wäre) heute Globalisierungskritiker
In den 1970ern waren sozialistische Länder wie Vietnam, Indien oder China mit 200 Dollar BIP pro Kopf weit ärmer etwa die Elfenbeinküste mit 1.000 Dollar. Heute erzeugen die Chinesen mit 3.000 Dollar schon fünfzehnmal so viel wie früher, die Menschen in der Elfenbeinküste aber nur mehr 800. Nach herrschender marxistischer Lehre konnten die Chinesen deshalb reicher werden, weil die Menschen aus der Elfenküste nun entsprechend ärmer sind.
Tatsächlich haben die Asiaten aber mehr, weil sie mehr produzierten – und nun können sie Afrikanern sogar mehr Kaffee und Kakao abkaufen. Gymnasiasten wäre diese Logik neu – dafür hatte man in Geographie die Namen aller 124 Nebenflüsse des Jangtsekiang gelernt. Dass die Menschen in China (1979), Indien (1991) oder in Vietnam (1986) erst durch die Abkehr vom Sozialismus von ihren 20-Dollar-Monatslöhnen wegkamen, kommt in Europas Geschichteunterricht genauso wenig vor wie die 80 Millionen Tote des Kommunismus – denn (Europas) Geschichteunterricht hört beim Zweiten Weltkrieg auf.
Marx wäre heute Globalisierungskritiker. Ohne jede Wirtschaftsausbildung musste er zwangsläufig so denken, wie er dachte. Marx machte das Gymnasium − keine Sekunde wurde da an BWL verschwendet. Danach geisteswissenschaftlicher Flower-Power-Fächermix mit Schwerpunkt Philosphie. Die Dissertation des späteren Publizisten „Differenz der demokratischen und epikureischen Naturphilosophie“ hinterließ in der Welt der Erwachsenen keinen bleibenden Eindruck. Nie hatte Marx einen produzierenden Betrieb von innen gesehen. Wer sich durch sein Hauptwerk Das Kapital hindurchgequält hat, wird Seite über Seite mit Tausenden Worten Dinge erklärt bekommen, die ein Teenager mir Hausverstand als weltfremd entlarvt.
Christian Felber lehnt ein Schulfach „Finanzwissen“ entschieden ab und diffamiert es als „Zockerkunde“. Geht es nach ihm, soll das Bildungssystem die Menschen viel mehr zu gemeinwohlorientierten Menschen umerziehen. Statt „BWL“ gibt es dann „Gefühls- und Naturerfahrungskunde“.
Europas Bildungsmisere
Will die europäische Gesellschaft tatsächlich irgendwann zum Wohlstand Amerikas (oder der Schweiz) aufschließen, wird sie mehr produzieren müssen. Und das geht nur mit Optimismus − und den wiederum kann nur die Wirtschaftsbildung fördern. Als unterstes Kompetenzniveau gilt der Standard des EBCL, des European Business Competence Licence. Dieser so genannte „Europäische Wirtschaftsführerschein“ hat sich als international anerkannter Standard der betriebswirtschaftlichen Bildung etabliert. In 32 Ländern und in 25 Sprachen kann man das Zertifikat mittlerweile schon erhalten.
Spätestens in der 6. Klasse Gymnasium muss in jedem Gymnasium BWL ohnehin auf der Tagesordnung stehen – ausschließlich von Wirtschaftsakademikern unterrichtet. Dafür kann man getrost Religionsstunden streichen. Das Grundkonzept des Gymnasiums bietet von Altgriechisch und französischer Lyrik heute alles - was das großbürgerliche Leben des 18. Jahrhunderts so an Zerstreuung forderte. Wenn es Europa nicht gelingt, dessen Grundkonzept ins 21. Jahrhundert zu überführen, dann könnten wir wohlstandsmäßig bald wieder an diese Zeiten anknüpfen.


















~Mark
Ein toller Beitrag! Genau so
Ein toller Beitrag!
Genau so ist es - das Schulsystem ist doch gut. Leider vergisst man konsequent die Wirtschaftsbildung. Aber warum?
Ich denke nicht, dass alle Jugendlichen "vom Religionslehrer verhetzt" sind. Sicher, es gibt viele, die Dinge einfach negativ sehen, weil man ihnen das so erzählt hat. Viel wichtiger ist dann doch, den Jugendlichen eine gewisse Kritikfähigkeit mitzugeben, oder?
Ihnen zu sagen: Glaub nicht alles, was du siehst/hörst. Ihnen zusagen: Hinterfrage und sei wissbegierig, die Wahrheit herauszufinden!
Auch ein schönes Beispiel mit der Schokoladenfabrik- anschaulich erklärt.
Ich möchte dennoch etwas mehr auf die mangelnde Wirtschaftsbildung eingehen:
Ich habe gerade einen Artikel zum Thema gelesen. Hier geht es drum, dass in Italien das Festival dell'Economia stattfindet wo über Wirtschaft diskutiert wird und zwar auf allen Ebenen und von allen möglichen Beteiligten - Nobelpreisträger, Unternehmer, Politiker.
Der ein oder andere mag argumentieren, dass es Italien wirtschaftlich sehr schlecht geht. Aber so ganz richtig ist das nicht: manche Region Norditaliens (zumindest noch bis vor kurzem) [sind] wirtschaftlich ähnlich stark wie Bayern oder Baden-Württemberg, mit Rekord-Beschäftigungszahlen.
Können wir arrogant sagen, wir sind Wirtschafts-Europameister in Deutschland und brauchen das nicht, Italien hat es viel nötiger?
ich denke nicht.
Denn: Krisen hat jeder mal, aber das grundlegende Verständnis führt doch zu einer Besserung. Wenn das Volk versteht und somit Zusammenhänge begreift, die es vorher nicht begreifen konnte, kann sich das nicht positiv im Endeffekt auf die Wirtschaft auswirken?
Und was bringt Deutschland der Titel Wirtschafts-Europameister wenn doch die Mehrheit der Deutschen nicht mal weiß, was die EZB so macht...
(Quelle Artikel: http://www.marktundmittelstand.de/nachrichten/strategie-personal/wirtsch...)
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