Samstag 25. Mai 2013, 09:41

Energie & Ressourcen

Deutschland: Jetzt floppt auch CCS

Die Energiewende steht unter keinem guten Stern: Kaum haben sich die Wogen um die  umstrittene Solarförderung gelegt, kündigt sich weiterer Ärger an: CCS. Das dürfte reichen, um der Energiewende einen weiteren Tiefschlag zu versetzen. Technische Probleme und enorme Kosten knabbern am Image.

Deutschland: Jetzt floppt auch CCS
Deutschland: Jetzt floppt auch CCS
Bild: ccsnetwork.eu
Vom Hoffnungsträger der Nation zum Aschenputtel der Energiewende: CCS (Carbon Capture and  Storage) ist ein hochkomplexes Verfahren, um CO2-Emissionen aus Industrie und Kraftwerken zu binden und in unterirdischen Lagerstätten zu speichern. Nebst den ebenfalls in Verruf geratenen Emissionspapieren soll CCS gemäß den Vorgaben aus Brüssel einen relevanten Anteil an der Reduktion der CO2-Emissionen bewirken, doch technische Hürden in Verbindung mit sichtlich falsch eingeschätzten Kosten machen der Wunderwaffe schwer zu schaffen. Die dafür erforderlichen Lagerstätten erfreuen sich einer vergleichbaren Beliebtheit wie die Lager für Atommüll. Das treibt die ohnehin skeptischen Umweltaktivisten endgültig auf die Palme.

CCS: Auf das falsche Pferd gesetzt

Brüssels Liebkind namens CCS lahmt. Die Fortschritte halten sich europaweit in Grenzen. In den Pilotprojekten ist es nicht gelungen, CO2-Emissionen dauerhaft zu vermeiden. Das wiederum führt sämtliche Strategien in Sachen Energiewende ad absurdum. Weder aus ökologischer noch aus ökonomischer Sicht macht es Sinn, dieser Methode eine Schlüsselrolle in der Energiewende einzuräumen, so die Meinung des DIW-Industrieökonomen Christian von Hirschhausen. Ein modernes Energieversorgungssystem beruht auf Flexibilität, einer Eigenschaft, mit der CCS nicht punkten kann.

CCS: Aus für Kohlekraftwerke!

Die CCS-Technologie ist auf die gleich bleibende Performance von Kohlekraftwerken ausgelegt und reagiert auf Lastschwankungen systembedingt eher ungehalten. Angesichts der natürlich bedingten Schwankungen der erneuerbaren Energien müssen auch Kraftwerksanlagen maximale Flexibilität beweisen. Weder Kohlekraftwerke noch CCS erfüllen diese Anforderungen. Für C. Hirschhausen ist die CCS-Technologie nicht aus den Kinderschuhen gekommen. Innovationen haben es nicht zur Serienreife gebracht. Wenig schmeichelhaft fügt er dazu, dass die CSS-Technologie als der „Transrapid der Energiewirtschaft“ in die Technikgeschichte eingehen könnte. Zudem basiert die Kostenschätzung auf zu optimistischen Prognosen. Und damit sieht es für Kohlekraftwerke gar nicht gut aus: Diese sind nämlich an eine funktionierende CCS-Technologie gebunden.

Über eine Milliarde Euro an EU-Förderungen

Pilotprojekte für Abscheideanlagen werden vielfach eingestellt, die Entwicklung in Deutschland darf dabei sehr wohl als repräsentativ für Europa angesehen werden. Vattenfall in Cottbus und RWE in Hürth sprechen eine klare Sprache. Trotz der üppigen Fördermittel aus Brüssel ist in keinem der Pilotprojekte auch nur die Andeutung einer zuverlässig funktionierenden CCS-Kette ersichtlich, und das bei über einer Milliarde Euro. Außerdem hat die europäische CCS-Richtline nur in wenigen Staaten in die nationale Gesetzgebung geschafft. So, wie es aussieht, muss die Bundesregierung ebenso wie Brüssel neue Lösungsansätze für die Energiewende finden.          

CO2- Lagerung erhärtet Fronten

Ähnlich wie bei Kernkraftwerken fallen auch bei der CCS-Technologie reichlich risikobehaftete weil durch und durch gefährliche Substanzen an. Die Technologie gilt als riskant, und das wiederum macht entsprechende Bestimmungen unumgänglich. Das betrifft natürlich auch die unterirdische Lagerung von Kohlendioxid. Die vorläufige Einigung zwischen Bund und Ländern zum CCS-Gesetz findet wenig bis gar keinen Anklang, denn anstatt das Scheitern der Technologie einzugestehen, gibt es einen faulen Kompromiss zulasten von Bevölkerung und Umwelt, gibt eine Energie-Expertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Berlin zu bedenken. Man hofft, die CO2-Lagerung mittels Initiativen vor Ort vermeiden zu können. Das wiederum lässt Szenarien der Marke Castor vermuten.

Gesetzesentwurf mangelhaft

Der Gesetzesentwurf für CCS gleicht derzeit einem zahnlosen Papiertiger und beschränkt sich auf Speicherungsmenge sowie Haftungsregeln für Konzerne. Mangels erkennbarem Nutzen für den Klimaschutz ist dieser vorsichtshalber gleich komplett unberücksichtigt geblieben, was die Risiken für die Umwelt betrifft, so ist eine diesbezügliche Vorsorge nicht gegeben. Nach lediglich 40 Jahren soll die Haftung für die CO2-Endlager auf die Allgemeinheit übertragen werden. Die für 2017 vorgesehene Revision des Gesetzes gleicht einem Freibrief für die CCS-Technologie.

Das Märchen von der sauberen Kohle

Die desillusionierenden Ergebnisse der Pilotprojekte lassen befürchten, dass es zu früh ist, auf diese Technologie zu vertrauen. Zudem wirkt sich CCS auf die Energiewende keineswegs förderlich aus, im Gegenteil, die Politik hält unerschütterlich am Märchen von der sauberen Kohle fest anstatt die Energiewende wie angekündigt zu realisieren. Es wird vielmehr versucht, unter Zuhilfenahme enormer Summen die als schädlich erkannten Kohlekraftwerke krampfhaft in den Energiemarkt zu integrieren. Nichtsdestotrotz ist die Kombination aus CCS und Emissionshandel zumindest aus wirtschaftlicher Sicht gesehen gut gelungen: Selbst wenn sich die CO2-Emissionen nicht wie eigentlich vorgesehen eliminieren lassen, für lukrative Geschäfte reicht es immer noch.

Vertrackte Technik, eine ziemlich mächtige Lobby und undurchsichtige taktische Intrigen bescheren der deutschen Regierung bei der Energiewende miese Noten. Um aus dem Sumpf von strahlender Kernkraft, schmutziger Kohle und blockierten Solarzellen herauszukommen, wäre fürs erste eine Grundsatzentscheidung von Vorteil. Danach dürfte es leichter fallen, das Einmaleins aus Brüssel zu lernen. 

 


 




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