Die Politikwissenschaftlerin Laura Rudas (SPÖ) ist für die Wiedereinführung einer Börsenumsatzsteuer; Kapitalvermehrung sei keine Leistung. Es sollten jene entlastet werden, die tatsächlich arbeiten. Es seien nicht die Pensionäre für die Krise verantwortlich, sondern Spekulanten. So etwas wie Derivate brauche Österreich nicht. Das Schauspiel erinnert an die deutsche Hyperinflation von 1914 bis 1924, als das Deutsche Reich zuerst den Krieg und dann die Reparationszahlungen mit dem exzessiven Druck von Banknoten zu finanzieren suchte.
Da der Geldschwemme aber keine Güter gegenüberstanden (Kriegszeit), überboten sich die Konsumenten beim Kauf der wenigen realen Güter – die Preise explodierten. Der Spuk sollte den Siegermächten demonstrieren, dass Deutschland nicht in der Lage wäre, seinen Reparationszahlungen nachzukommen. Kommunisten wie Ernst Thälmann verstanden das Naturgesetz von Angebot und Nachfrage nicht. Für sie waren Kapitalisten und Spekulanten wie (der Unternehmer) Hugo Stinnes an der Geldschwemme Schuld. Banken wie die der Rothschilds hätten auf Kosten kleiner Leute profitiert.
Betriebswirtschaft statt Sündenbock
Ein kurzer Blick ins Lehrbuch „BWL für Banken“ genügt: Derivate sind eine Art Versicherungsprämie gegen fallende oder steigende Kurse, ohne die eine moderne Finanzwirtschaft nicht auskommen kann. Drei Beispiele sollen hier für Klarheit schaffen:
Derivate sind böse!
Bild: MMag. M. Hörl
Eine Lebensversicherung hat von ihren Hundert-tausenden Sparern insgesamt 10 Milliarden Euro eingesammelt und für die in Aktien und Anleihen investiert. Der Konzern rechnet aufgrund von Terrorattacken oder Krieg in den nächsten zwei Jahren mit stark fallenden Kursen. Deshalb kauft er Derivate für 0,2 Milliarden Euro, in diesem Fall PUT-Optionen. Damit wettet man auf fallende Kurse.
Tritt der Terrorfall ein bzw. erklärt irgendwer irgendwem den Krieg, dann brechen jetzt die Kurse ein, zum Beispiel um 20 Prozent. Der Wert der Derivate steigt dann um etwa 1.000 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro. Das verwaltete Ver-mögen ist zwar nur noch 8 Milliarden Euro wert, doch mit dem Gewinn aus dem Verkaufserlös der Optionen (2,2 Milli-arden Wert minus 0,2 Milliarden für den Erwerb) steigt man wieder pari aus.
Passiert hingegen nichts und die Börsenkurse steigen sogar um 10 Prozent auf 11 Milliarden Euro an, dann sind die „Optis“ irgendwann sogar ganz ohne Wert. Von der einen Milliarde Euro Kursgewinn muss man die Versicherungsprämie von Euro 0,2 Mrd. abziehen. Bleiben unterm Strich 10,8 Milliarden.
Ein guter Fondsmanager hätte die „Optis“ natürlich rechtzeitig um wenigstens die Hälfte verkauft und seinen Anlegern satte 100 Millionen erspart. Wenn das kein Grund für eine Prämie wäre…
Ohne Derivate: Verluste für die Sparer
Im Rudas-Fall „ohne Absicherungsinstrumente“ hätten die Vermögen der Versicherten im Krisenfall so starke Verluste erlitten, dass viele ihre Versicherungspolicen gekündigt und ihr Geld abgezogen hätten. Ohne Einlagensicherung wäre ein solcher Konzern in wenigen Tagen pleite. Tausende Mit-arbeiter verlören ihre Jobs, Tausende Sparer ihr Vermögen. Die Menschen würden Banken nun misstrauen und die Wirtschaft erlitte einen herben Schock.
Beispiel zwei: Der ehemalige Staatskonzern AUA hatte seine Verluste nicht nur wegen des kontinuierlichen Politikereinflusses eingefahren („Die AUA muss österreichisch bleiben“, SPÖ), son-dern weil er sich nicht gegen steigende Ölkurse abgesichert hatte. Das wäre spekulativ gewesen, für einen durchpolitisierten Staatskonzern in Österreich in höchstem Maße unmoralisch. Die Lufthansa hatte klügere Leute an Bord und konnte mit ihren Absicherungsgeschäften die Ölpreisexplosion der Jahre 2007-2008 unbeschadet überstehen. Das Ergebnis ist bekannt: Die (wirtschaftlich) erfolgreiche Spekulanten-Airline konnte den staatlichen Politbetrieb übernehmen.
Und drittens: Bei jedem Sparprodukt mit Kapitalgarantie geht ein bestimmter Prozentsatz des angelegten Geldes in den Ankauf von Sicherungsprodukten, meist in Derivate. Nur so kann Ihnen eine seriöse Hausbank garantieren, dass Ihr Geld auch gegen fallende Kurse absichert ist.
Europa braucht endlich Wirtschaftsbildung
Wer heute ein Gymnasium besucht hat, weiß nichts über das Funktionieren von Wirtschaft. An den meisten Fakultäten wird dies auch später noch nicht nachgereicht. Wer zwar technisch gebildet ist, aber nicht weiß, wie Märkte (also Menschen) ticken, ist anfällig für vereinfachte Sichtweisen und muss das glauben, was andere ihm/ihr sagen.
Europa braucht eine liberale Zivilgesellschaft, ähnlich der in anglosächsischen Ländern, in Ostasien oder der Schweiz. Eine solche kann aber nur dann entstehen, wenn Bürger wissen wie das Leben und die Wirtschaft ticken. Wenn in Berlin eine Piratenpartei ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger und den Ausbau staatlicher Betriebe fordert, - und damit eine Landtagswahl gewinnt, dann ist endgültig Feuer am Dach der europäischen Union.
Seit kurzem werden sie in den heimischen Medien über den grünen Klee gepriesen: Ziemlich genau drei Jahrzehnte nach ihrer Gründung haben Österreichs Grüne nach einer wechselvollen Geschichte so etwas wie den Zenith erreicht. 1983 waren sie am Einzug ins Parlament noch gescheitert, vier Jahre später gelang der legendären Freda Meissner-Blau dieses Kunststück, und 2006 wurden sie bei den Nationalratswahlen sogar - wenn auch ex aequo mit der FPÖ - auf Bundesebene drittstärkste Partei. Seit fünf Jahren wieder nur auf Platz vier, stellen sie derzeit 20 Abgeordnete im Hohen Haus. Parteichefin Eva Glawischnig-Piesczek und ihr Team dürfen nach den Wahlsiegen bei vier Landtagswahlen allerdings hoffen, endlich den großen Durchbruch zu schaffen - und in der Bundesregierung zu landen. »
Wenn wirtschaftsferne Politiker in Staatsbetrieben Manager spielen, ist der Schaden programmiert. Nicht weiter schlimm, nach einer kurzen Nachdenkpause findet man sie meist in noch höher dotierten Positionen. Private, die mit dem eigenen Betrieb Schiffbruch erleiden, verlieren durch persönliche Haftungen meist alles und rutschen in die Sozialhilfe. »
Die vierte Novellierung der ungarischen Verfassung innerhalb von 15 Monaten scheint das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben. Die Reaktionen der EU und des Europarates auf diese neuerliche Provokation der Regierung Orbán sind aber alles andere als gleichförmig. Während der bloß intergouvernementale Europarat über eines seiner Organe ein Monitoringverfahren gegen Ungarn wegen dessen vermeintlicher Verletzung der Grundwerte seiner Satzung einleitet, kann sich die supranationale EU noch immer nicht dazu entschließen, gegen Ungarn das sogenannte „Artikel 7-Verfahren“ wegen Verletzung tragender Grundwerte der EU einzuleiten sondern stellt lediglich Vertragsverletzungsverfahren in Aussicht. Ist das politisches Kalkül oder lediglich die Konsequenz eines Sanktionsverfahrens, das deswegen nicht angewendet wird, da es den Einsatz einer politischen „Atombombe“ darstellen würde? »
Die Europäische Union steckt in Erklärungsnöten. Sie muss angesichts des Desasters eines Offshore-Zentrums namens Zypern, den Kontoinhabern - ob Inländern oder Ausländern – erklären, warum mehr als 50% ihrer Einlagen verloren sind. Sie muss den Bürgern der Europäischen Währungsunion zu vermitteln versuchen, warum Zypern für die Stabilität des Eurowährungsgebiets im Ganzen unerlässlich ist und sie muss den unterschiedlichen deutschen Banken erklären, warum eine zentralisierte Bankenunion mit der Bankenaufsicht innerhalb der EZB das kollusive Zusammenwirken von Staaten und Banken bei der Staatsfinanzierung beenden würde. »
Hiobsbotschaften ohne Ende: Die Arbeitslosigkeit in den Euro-Krisenstaaten erreicht ein Rekordniveau. Und Besserung ist frühestens im nächsten Jahr in Sicht. Bis dahin glimmt die Lunte an vielen sozialen Pulverfässern. Nicht allein die Höhe der zu zahlenden Zinsen für neue Staatsanleihen entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg der Euro-Rettung, sondern die Frage, wie lange die Bevölkerung einen Zustand erträgt, den EU-Arbeitskommissar László Andor mit Blick auf die hohe Jugendarbeitslosigkeit als „Tragödie für Europa“ bezeichnet. »
Kontrovers - die Audiodiskussionsserie auf EU-Infothek. Auch diesmal diskutieren Andreas Unterberger und Georg Hoffmann-Ostenhof wieder über ein aktuelles Thema. Kontrovers ist Programm auch dieser Diskussion. Die beiden Journalisten widmen sich mit ihren unterschiedlichen Weltanschauungen dem Thema: Integration - Zusammenleben in Österreich.
Staatssekretär Sebastian Kurz hat den Integrationsbericht 2012 vorgelegt - es gebe kleine Fortschritte in der Bildung und beim Spracherwerb. Hat sich im Bereich der Intergation etwas bewegt?
„Das weiß ich, und deswegen will ich Sie; ich will keinen Bequemen“, soll die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Wolfgang Schäuble gesagt haben, als dieser im November 2005 auf ihr Angebot, Innenminister zu werden, geantwortet habe, er werde loyal sein, aber sich keine Zügel anlegen lassen. »
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