Donnerstag 30. Oktober 2014, 19:10

Banken & Finanzen

Das Vertrauen in den Euro kehrt zurück – aber die Krise ist noch lange nicht vorbei

So viele gute Nachrichten zum Euro gab es schon lange nicht mehr. Am vergangenen Freitag stieg die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit elf Monaten. Das trifft zwar die Exporte, ist aber ein Zeichen, dass das Vertrauen zum Euro wieder zurückkehrt.

Das Vertrauen in den Euro kehrt zurück
Das Vertrauen in den Euro kehrt zurück
Bild: Gerd Altmann/PIXELIO/©www.pixelio.de
Vor allem in den Ländern der Peripherie hat sich die Lage sichtbar entspannt. Die Renditen zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen sind zum ersten Mal seit Dezember 2010 wieder unter die psychologisch wichtige Marke von sechs Prozent gefallen.  Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras rechnet damit, dass die Wirtschaft 2014 wieder wachsen wird. Es gebe Licht am Ende des Tunnels, sagte er am Dienstag. Und wie jetzt bekannt wurde, endete der massive Kapitalabfluss aus Griechenland, Italien, Spanien und Portugal im vierten Quartal 2012. Nachdem private Anleger noch im dritten Quartal fast ein Fünftel ihrer Gelder abgezogen haben, floss im letzten Quartal 2012 wieder Kapital in diese Länder zurück, wie Analysten der niederländischen Bank ING beobachten.

Nur Dummköpfe sprechen vom Ende der Krise

Ist die Krise damit vorbei? Beileibe nicht. Von einem Ende der Krise können nur Dummköpfe sprechen, spottete in diesen Tagen ein hoher Beamter in Brüssel. Zu groß sind die Risiken, die weiterhin bestehen bleiben. Zu düster die mittelfristigen Aussichten für die Eurozone. Ökonomen warnen bereits, dass auf die Eurozone Jahre der Stagnation zukommen, wie sie Japan seit seiner großen Bankenkrise 1990 erlebt. Das Land hat sich davon bis heute nicht erholt.

Die beiden größten kurzfristigen Risiken für die Eurozone bilden Italien und Frankreich. Sollte der Wahlsieger in Italien die Reformen zurückdrehen, die Ministerpräsident Mario Monti angeschoben hat, würde das Investoren gegen das Land aufbringen. Wenn die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe schnellen, könnten wohl weder die Europäische Zentralbank noch der Rettungsfonds ESM eingreifen. Der Grund: Es ist unwahrscheinlich, dass das größte Mitgliedsland Deutschland Hilfe für Italien zustimmen würde, wenn Reformen ausgesetzt würden.

Frankreich ist auf dem falschen Weg

Aber auch von Frankreich gehen Gefahren aus. „Das Land ist auf dem falschen Weg“, urteilt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg. Die Regierung gehe die Probleme nicht wirklich an. Wie prekär die Lage ist, verdeutlicht die Debatte, die Arbeitsminister Michel Sapin ungewollt angestoßen hat, als er am Sonntag davon sprach, dass der französische Staat „total bankrott“ sei.  Die Regierung rechnet damit, dass die Staatsschulden in diesem Jahr auf 91,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen werden.

Besonders beunruhigend ist das Handelsdefizit des Landes. Die zuständige Ministerin geht zwar davon aus, dass es im vergangenen Jahr nicht ganz so ausgeprägt war wie 2011, als es sich auf 73 Milliarden Euro belief. Aber selbst ein kleiner Rückgang ist kein Grund zum Aufatmen. Frankreich mangelt es an Wettbewerbsfähigkeit, es produziert zu wenige Güter, die es am Weltmarkt absetzen kann. Rating-Agenturen verfolgen die Entwicklung des Außenhandels deswegen auch besonders aufmerksam.
Noch sind die Finanzmärkte mit Blick auf Frankreich erstaunlich gelassen. Die Renditen von etwas über zwei Prozent für zehnjährige Staatsanleihen – beinahe die Hälfte des italienischen Niveaus – spiegeln sicherlich nicht in die wirtschaftlichen Fundamentaldaten wider. Investoren rechnen wohl immer noch damit, dass im Extremfall Deutschland seinem Nachbarland zu Hilfe eilen würde.

Nicht ganz auszuschließen ist allerdings, dass in den Ländern mit Austeritätspolitik die Stimmung kippt. In Spanien, wo das Klima ohnehin schon angespannt ist, erhitzt ein Korruptionsskandal der konservativen Regierungspartei die Gemüter. In Griechenland haben die drei Regierungsparteien erstaunlich hohe Umfragewerte, aber auch dies kann sich schnell ändern. Außerdem gilt die Koalition als zerbrechlich.
Selbst wenn es der Eurozone gelingen wird, diesen Risikofaktoren aus dem Weg zu gehen, werden die kommenden Jahre absehbar schwierig. Sowohl Staaten als auch Haushalte müssen ihre hohen Schulden abbauen. Der Prozess wird schmerzhaft – und wird sich über lange Zeit hinziehen.

 

Bild: Gerd Altmann/PIXELIO/©www.pixelio.de




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