Das Nachtgespenst
Ein Gespenst geht um in der italienischen Politik. Seitdem der gealterte, aber immer noch rege ehem. Regierungschef Berlusconi die Möglichkeit seines Comeback in Aussicht gestellt hat, zucken die Parteihierarchien in Rom zusammen und auch in Brüssel und Berlin kommt angesichts der populistischen Ausfälle von Berlusconi ein gewisses winterliches Frösteln auf.

Bild: cvrcak1/flickr.com
Crashtest
Derweil hat Mario Monti, der Technokrat aus Brüssel – vom Volke nie gewählt und von Staatspräsident Napolitano dennoch zum Senator auf Lebenszeit ernannt – seine persönlichen Ambitionen weit vorangetrieben. Fast einher mit dem Rücktritt von Berlusconi verkündete er die Gründung seiner Partei, einem diffusen Gebilde mit heterogenen Inhalten und disparaten organisatorischen Strängen. Eine Plattform für ihn – und nur ihn – um den Crashtest seiner demokratischen Existenz, die Februarwahlen, überleben zu können.
Berlusconi und Monti sind ein gutes Gespann. Berlusconi gibt nicht nur den Clown der italienischen Politik, sondern stärkt die Position Montis. Je mehr Berlusconi schreit, umso mehr klammert sich das Nicht-Berlusconi-Italien an Monti als Hoffnungsträger. Indessen sitzt das Misstrauen gegenüber Monti tief. Die Parteien außerhalb des Popolo della Libertà mögen Politiker, die die Ochsentour gescheut haben, nie. Und auch die Italiener wissen die Bemühungen von Monti um die Gewinnung ihrer Gunst richtig einzuschätzen. Seine öffentlichen Messgänge an der Seite seiner Frau und seine tugendhaften Diskurse vermögen nicht die Arroganz eines Mannes zu verstecken, der entsprechend seiner Herkunft fest davon überzeugt ist, den Italienern den richtigen Weg zu weisen. Besonders der italienische Süden weiß diese norditalienische Bevormundung des ehemaligen Präsidenten der Universität Bocconi in Milano einzuordnen.
Monti ist ein italienischer Realpolitiker
Naiv ist die Einschätzung der deutschen Politik: Berlusconi wird zwar verdammt, meist noch unter Hinweis auf seine privaten Verfehlungen. Monti wird dagegen als alternativlos und integer hoch gelobt. Realpolitisch betrachtet ist niemand so sehr auf die Haftung Deutschlands für italienische Schulden angewiesen wie Italien. Kein öffentlicher Auftritt, in dem Monti sich nicht darum bemüht, für neue Instrumente der Gemeinschaftshaftung zur Bewältigung der italienischen Schulden zu werben. Einmal sind es Eurobonds, dann Stabilitätsanleihen, ein anderes Mal schlägt er Euro bills vor.
Deutschland sollte in dieser Situation auf Interessen achten und nicht persönliche Sympathien in den Vordergrund stellen. Monti ist ein italienischer Realpolitiker. Die Februarwahlen sind für ihn die Feuerprobe und was danach kommt, dürfte den Deutschen hinreichend Gelegenheit geben, ihr Urteil über diesen hohen Herren der Realität anzupassen.


















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