Das große Unverständnis
Viel mehr als eine Woche Urlaub rund um den Ferragosto, den 15. August, will sich der italienische Ministerpräsident Mario Monti in diesem Jahr nicht gönnen. Zu angespannt ist die Lage an den Finanzmärkten. Während in Brüssel in dieser Woche die Sommerpause einsetzte, tourte Monti durch Europa auf der Suche nach einer Lösung für die Eurokrise.

Bild: DiretoSacristia/flickr.com
Monti reiste zufrieden aus Helsinki ab. Dass er die Dienstfahrt überhaupt unternommen hatte, liegt an dem tiefen Riss, der derzeit durch die Eurozone geht. Der Norden und der Süden sind sich uneinig, welchen Weg die Eurozone einschlagen soll, um der Krise zu entkommen. Zwischen beiden Blöcken herrscht Misstrauen, beide fühlen sich unverstanden.
Südländer fühlen sich an die Leine gelegt
Während im Norden der Eindruck herrscht, der Süden wolle sich alimentieren lassen, missfällt im Süden das Tempo, in dem Reformen durchgezogen werden sollen.
„Deutschland will die Südländer an einer Leine halten, und das dicht am Abgrund“, heißt es in der Regierungszentrale eines Südlandes. „Die Reformen sind notwendig, aber müssen sie in dieser Geschwindigkeit erfolgen?“
Die Einsparungen, die Spanien etwa leistet, lösen nicht nur Ärger bei der Bevölkerung aus. Die spanische Regierung hat die knappen Mittel bereits als eines der Hauptrisiken für die nationale Sicherheit genannt. Das Team von Regierungschef Mariano Rajoy müht sich, auch mit schrumpfenden Ausgaben äußere Gefahren abzuwehren.
Egal ob Spanien, Italien oder Griechenland, überall fragen sich Politiker, welche Art an Einschnitte die Bürger noch akzeptieren werden. In Spanien ist die Stimmung derart aufgeladen, dass Beobachter daran zweifeln, ob Rajoy seine Amtszeit von vier Jahren ausschöpfen wird. In Italien sorgt sich Monti um seine Wiederwahl im April 2013, zumal sein schillernder Vorgänger Silvio Berlusconi angekündigt hat, wieder zu kandidieren. Und in Athen hat sich die aus drei Parteien bestehende Koalition zwar gerade auf neue Einsparungen geeinigt – doch es ist nicht sicher, ob sie daran festhalten wird. Vor allem die zweitgrößte Regierungspartei, die sozialistische Pasok, ist derart zerstritten über den Sparkurs, dass in Griechenland schon über eine Aufspaltung der Partei spekuliert wird. Unter anderem der frühere griechische Ministerpräsident Georgios Papandreou hatte bei der jüngsten Parlamentsabstimmung gegen die Einsparungen gestimmt.
Geberländer wollen Geld nicht freizügig verteilen
Im Norden Europas dagegen wollen Politiker gegenüber ihren Wählern nicht den Eindruck erwecken, sie würden leichtfertig Steuergelder an den Süden verteilen. In den Geberländern wird alles, was den Reformdruck auf die Südländer schwächt, mit Misstrauen gesehen. Verstärkte Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) oder künftig durch den ESM etwa, wie sie sich der Süden wünscht, würden aus Sicht vieler im Norden nur den Reformdruck auf den Süden schwächen.
Die Ankündigung der EZB am Donnerstag, Staatsanleihen nur gegen strenge Auflagen zu kaufen, war für viele im Süden eine Enttäuschung. „El País“, Expansión und andere spanische Tageszeitungen titeln am Freitag, dass die EZB Spanien in Richtung eines kompletten Hilfsprogramms dränge.
Noch ist völlig unklar, wie die Kluft zwischen Nord und Süd überwunden werden kann. Eindeutig ist aber auch, dass der Süden wesentlich besser organisiert ist als noch zu Jahresbeginn. Und vor allem die neue Achse zwischen Paris und Rom dürfte darauf hinauslaufen, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit geschwächt wird. Berlin kann nicht mehr darauf hoffen, dass Frankreich automatisch auf den deutschen Kurs einschwenkt, wie das unter Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy der Fall war. Hollande und Monti haben sich fest vorgenommen, geeint voranzuschreiten. Bereits für den Herbst ist der nächste italienisch-französische Gipfel fest vereinbart.


















~Conny Elsner
D tatsächlich der Zahlmeister? Deutsche Politker sagen ja!
So wird zumindest der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU)zitiert: „Die Deutschen können nicht länger der Zahlmeister für Griechenland sein!“ Wie sich Deutschland sonst noch querlegt ist im folgenden Artikel in der Presse nachzulesen: http://diepresse.com/home/wirtschaft/eurokrise/1275843/Eurokrise_Fortsch... !
Das Problem wird uns noch ewig beschäftigen ........
~GertiG
Zahlmeister oder Geberkomplex?
Mit dieser Ansicht ist der gute Anonymous nicht allein. Widerstand regt sich. Andere Leute vertreten in Bezug auf Deutschland dieselbe Meinung. Siehe zB den Kommentar von whatsoever1 zum Artikel im Standard vom 06.08.2012 http://derstandard.at/1343743979185/Italiens-Premier-Monti-veraergert-de... !
Die Frage ist nur: Wer hat recht? Ist jetzt Deutschland der Zahlmeister oder nicht? Wer wird das recherchieren?
~Anonymous
Der
Das Unverständnis besteht in Wahrheit darin zu glauben, dass Deutschland ein Geberland ist. Aber ein Geberkomplex mag bestehen.
Im Saldo hat Deutschland Alimentierungen der Eurozone von ca. 150 Mrd € erhalten für deutsche Forderungen in den Krisenländern GR, P, IE, ES (470 Mrd. an Forderungen gegen ca. 320 Mrd. an Zahlungen + Haftungen von deutscher Seite in ESM+EFSF).
Dagegen hat I kaum selbst Forderungen in den 4 Krisenländern, bezahlt und haftet aber für ca. 210 Mrd. € (gegen. knapp 90 Mrd. an offenen Forderungen).
Parallel dazu hat I einen wesentlich höheren Primärüberschuss (2012 > 4%) als D, könnte als bei normalen Zinsen leicht einen realen Überschuss erwirtschaften.
Der Kontrast zwischen diesen Fakten und der Schmach und Demütigung, die von D ausgehen, der wird der Europäischen Idee noch lange schaden.
Zur Journaille ist zu sagen, dass es einfacher sein mag auf seinen Bauch zu hören, der sagt, dass D immer schon der Zahlmeister war. Korrekt wäre es allderings, zu recherchieren.
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