Mittwoch 22. Mai 2013, 03:58

Telekommunikation & Verkehr


Das Europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem (ERTMS)

Derzeit existieren in Europa über 20 nationale Systeme für Signalgebung und Geschwindigkeitsüberwachung, die leider untereinander nicht kompatibel sind. Technische Ineffizienzen dieser Art sind ein wesentliches Hindernis für den rasch expandierenden Schienengüterverkehrsmarkt, bei dem der grenzüberschreitende Verkehr das größte Potenzial aufweist. Sie behindern auch die Entwicklung des europäischen Verkehrsnetzes insgesamt.

Einheitliches Eisenbahnverkehrsleitsystem gefordert!
Einheitliches Eisenbahnverkehrsleitsystem gefordert!
Bild: F. Gopp/pixelio.de
Die Lösung ist das Europäische Eisenbahnverkehrsleitsystem (ERTMS). Das ERTMS bietet für die Signalgebungstechnik einen einheitlichen europaweiten Standard zur Überwachung und bei Bedarf Reduzierung der Zuggeschwindigkeiten. Das System wird es den Zügen ermöglichen, in kompatiblen nationalen Netzen reibungslos, ohne Verzögerungen, zusätzliche Kontrollen oder „Feinabstimmungen” zu verkehren. Das ERTMS wird als modernes Hochleistungssystem zur Schaffung eines einheitlichen Eisenbahnraums beitragen.

Bahnverkehr innerhalb des gesamten transeuropäischen Netzes

„Viele Vorteile des ERTMS bleiben ungenutzt, wenn es isoliert nur von einem einzigen Land eingeführt wird. Die Mitgliedstaaten haben gemeinsam beschlossen, die Einführung des Systems voranzutreiben, also müssen sie jetzt auch gemeinsam handeln. Wir alle müssen zusammenarbeiten, wenn der Bahnverkehr innerhalb des gesamten transeuropäischen Netzes funktionieren soll,” so Siim Kallas, Vizepräsident der Kommission und zuständig für Verkehrsfragen.

Die Europäische Kommission und die dänische Präsidentschaft haben in Kopenhagen eine zweitägige Konferenz über das Europäische Eisenbahnverkehrsmanagementsystem (ERTMS) eröffnet. Von dieser bedeutenden Konferenz werden Impulse für die Interoperabilität der europäischen Eisenbahnen erwartet, sie ist damit ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem einheitlichen europäischen Eisenbahnraum. Thema der Konferenz werden die Hindernisse sein, die es als erste zu überwinden gilt, um die Voraussetzung für ein nahtloses grenzüberschreitendes Dienstleistungsangebot zu schaffen, das den Anforderungen der europäischen Bürger entspricht. Die Konferenz bietet auch Gelegenheit für die Vorstellung einer Empfehlung der Europäischen Eisenbahnagentur zur Verbesserung der technischen Vorschriften für die Einführung des ERTMS-Systems. Dadurch soll den Infrastrukturbetreibern eine effizientere und kostengünstigere Einrichtung des ERTMS ermöglicht werden. Die neue Version des ERTMS wird vor allem in Dänemark und in der Schweiz dringend erwartet, da diese beiden Länder beschlossen haben, ihr gesamtes Netz in den kommenden Jahren mit dem System auszurüsten.

ERTMS plangemäß im gesamten Netz einführen

„Die Europäische Eisenbahnagentur und die Kommission hatten sich 2008 zur Lieferung dieser neuen Version der Spezifikation bis 2012 verpflichtet, und ich stelle mit Befriedigung fest, dass diese Zusage eingehalten werden kann. Wir können das ERTMS somit plangemäß in unserem gesamten Netz einführen,” erklärte der dänische Verkehrsminister Henrik Dam Kristensen.

Die Schweiz hat bereits einen Vertrag über die Ausrüstung ihres gesamten Netzes bis 2017 unterzeichnet; die Gesamtkosten dieser Maßnahme belaufen sich auf 250 Mio. EUR (weniger als 80 000 EUR pro Kilometer). In Dänemark verursachen infrastrukturbedingte Signalgebungsprobleme etwa die Hälfte aller Zugverspätungen. Darum wurde die Einführung des ERTMS in ein weiter gefasstes Projekt zur vollständigen Erneuerung der Signalgebungs- und Verkehrsmanagementsysteme für den Bahnverkehr in Dänemark einbezogen. Weitere Elemente des Projekts sind die Erneuerung von Stellwerken und Zugausrüstung. Insgesamt sind über einen Zeitraum von 12 Jahren Investitionen in Höhe von 3,2 Mrd. EUR vorgesehen.


 




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