Mittwoch 19. Juni 2013, 09:14

Gesundheit

CSI Lebensmittelsicherheit: Pestizid-Rückständen auf der Spur

Essen und Trinken sind als Teil des täglichen Lebens nicht nur lebenswichtig. Neben bloßer Nährstoffzufuhr bringen sie Genuss und können die Gesundheit positiv beeinflussen – sofern mit den Lebensmitteln keine Krankheitserreger, Schadstoffe oder Pestizide auf dem Teller landen.

CSI Lebensmittelsicherheit: Pestizid-Rückständen auf der Spur
CSI Lebensmittelsicherheit: Pestizid-Rückständen auf der Spur
Bild: BMLFUW/Rita Newman
Mehr als 800 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe werden weltweit eingesetzt. Mit der Analyse der Rückstände dieser Wirkstoffe und ihrer giftigen Abbauprodukte in Lebensmitteln und Getränken beschäftigten sich  500 Experten aus 58 Nationen kürzlich bei der 9. Europäischen Pflanzenschutzmittelrückstands-Tagung (EPRW) in Wien.
Die viertägige Veranstaltung, die von 25. bis 28. Juni von der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) veranstaltet wurde, gilt als die wichtigste europäische Plattform für Pestizidrückstände in Lebensmitteln. Ziel des Treffens, das seit 1996 alle zwei Jahre stattfindet, ist der Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Experten aus privaten und öffentlichen Laboreinrichtungen, nationalen Behörden und Agenturen sowie Lebensmittelwirtschaft und Handel. „Der Nachweis des ‚Zuckerwürfels im Bodensee‘ ist zur Routine geworden. Wir können heute mit einzelnen Analyseverfahren über 500 Wirkstoffe gleichzeitig nachweisen“, beschreibt Sonja Masselter, AGES-Institutsleiterin für Lebensmittelsicherheit, die aktuellen Analysemöglichkeiten. Leider sei aber nicht jeder Wirkstoff mit diesen Multimethoden erfassbar. Der Nachweis und somit die Überprüfung des gesetzlichen Höchstwertes erfordere für manche Pestizid-Rückstände den Einsatz von Einzelmethoden. Diese seien aber kostspielig, weil sie oft bis zu 100 Mal zeitaufwändiger sind und zusätzliche Ressourcen benötigen.

Genaue Rückstandsdefinition, damit „nur das zugelassen wird, was kontrolliert werden kann“

Größte Herausforderung für die Pestizid-Analytik, darin waren sich die Teilnehmer einig, ist die Rückstandsdefinition. Denn die eingesetzten Pestizide verändern sich bis zum verzehrfähigen Lebensmittel und bilden Abbauprodukte, sogenannte Metabolite. Entscheidend ist daher die Frage, welche Pestizide zugelassen werden und welche Wirkstoffe samt Abbauprodukten nach EU-Recht untersucht werden müssen. „Nur über ein umfassendes Wissen zum Verbleib beziehungsweise Abbau der toxischen Stoffe in der Pflanze oder im Nutztier und deren Nachweismöglichkeiten können Grenzwerte und Zulassung in dem Sinne organisiert werden, dass nur zugelassen wird, was auch kontrolliert werden kann“, betonte Lutz Alder vom Deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)  Diese Frage gehe weit über die reine Analytik hinaus und schließe die Pflanzenschutzmittelzulassung, die Risikobewertung sowie europäisches Gemeinschaftsrecht mit ein.

Europaweit weniger Rückstände in Obst und Gemüse

Koordinierte EU–Pestizidmonitorings liefern jährlich Daten über die Situation in allen Warengruppen von Lebensmitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft sowie Getränken aus Inland, EU, sowie Drittländern. In Österreich wurden dabei 2011 insgesamt 2.682 Proben auf Pflanzenschutzmittelrückstände analysiert. 41 davon (1,5 Prozent) wiesen zu hohe Pestizidrückstände auf, bei 996 Proben (37,1 Prozent) wurden zwar Rückstände, jedoch ohne Höchstwertüberschreitungen festgestellt. „Die Anzahl an Höchstmengen-Überschreitungen in Österreich ist auf unter drei Prozent gesunken“, freute sich Masselter. Auch die Situation in Europa habe sich etwa bei Obst und Gemüse durch vielfältige Maßnahmen verbessert. Zurückzuführen sei dies, laut der AGES-Expertin, auf die Harmonisierung der gesetzlichen Höchstwerte innerhalb Europas sowie eine verbesserte Agrarpraxis der Erzeuger.

Globale Warenströme fordern Lebensmittelanalytik

Alltagstauglich, schnell und vor allem sicher im Identifizieren unerwünschter Rückstände müssen die angewandten Analysemethoden sein. Dass die umfassend geprüften Nachweisverfahren künftig sowohl auf EU-Ebene wie auch international anerkannt sein müssen, darin waren sich alle Teilnehmer einig. „Und noch wichtiger ist, dass diese auch global in den Ländern zur Verfügung stehen und angewandt werden können, in denen unsere Lebensmittel und Futtermittel produziert werden“, betonte Alder. Wenn europäische Standards der Lebensmittelsicherheit weltweit etabliert werden sollen, dann müssten Produktionsländer etwa in Südamerika, Afrika oder Asien ihre Einhaltung mit zuverlässigen Analysemethoden kontrollieren können.


 




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