Samstag 25. Mai 2013, 02:15

Umwelt & Agrar

CO2-Emissionen: Dicke Luft in China

2011 erreichten die weltweiten CO2-Emissionen mit 34 Milliarden Tonnen einen traurigen Rekordwert. Wenn der aktuelle Trend anhält, segeln wir ungebremst an den Zielen der Roadmap 2050 vorbei,  selbst die politische 2° Grenze ist in mittlerweile Frage gestellt. Ist der Klimawandel noch zu stoppen?

CO2-Emissionen: Dicke Luft in China
CO2-Emissionen: Dicke Luft in China
Bild: rab36/flickr.com
Die Berichte der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) und der niederländischen Environmental Assessment Agency PBL liefern reichlich Zündstoff. So sind die Emissionen von CO2 im vergangenen Jahr weltweit um 3% gestiegen. Während in der EU die Emissionen um 3% gesunken sind, was immer noch kalkulierte 7,5 Tonnen CO2 pro Kopf ausmacht, geben sich die USA und Japan mit 2% Reduktion zufrieden. Gänzlich anders sieht es hingegen in China aus: China legt gewaltige 9% zu, das bedeutet bereits 7,2 Tonnen CO2 pro Jahr und Kopf.  Umgelegt auf den globalen Vergleich ist China mit 29% vor den Vereinigten Staaten mit 16% und der EU mit 11% der unumstrittene Spitzenreiter, was CO2-Emissionen betrifft. Da fallen Indien, die Russische Föderation und Japan ja schon fast nicht mehr ins Gewicht, da diese bei den anteilsmäßigen Emissionen jeweils im einstelligen Prozentbereich angesiedelt sind.    

Energiewende: Kohlebedarf plus 5 %

Alle Welt redet über die Energiewende. Tatsache ist, dass der weltweite Kohlebedarf um satte fünf Prozent in die Höhe geklettert ist. Kohle verursacht immerhin rund 40% der gesamten CO2-Emissionen. Die Wirtschaftsflaute hat gewiss dazu beigetragen, dass sowohl in den EU27 als auch in  USA und Japan eine Reduktion der Treibhausgase zu verzeichnen ist, der vielerorts milde Winter hat ebenfalls dazu beigetragen. Die exorbitanten Ölpreise haben zudem bewirkt, dass Möglichkeiten zur Einsparung sehr bereitwillig umgesetzt wurden. Der Gasbedarf in der EU ist laut BP 2012 gar um 10 Prozent gesunken. Da in etwa ein Drittel des europäischen Gasbedarfs für Raumwärme sprich Heizanlagen eingesetzt wird, liegen sinnvolle Massnahmen klar auf der Hand: Thermische Sanierungen sind angebracht, da liegt die Kommission absolut richtig, da ist reichlich Einsparpotenzial vorhanden. Doch es gibt ganz andere Sorgenkinder, was den Energiebedarf und ganz speziell Steinkohle sowie die damit verbundenen Emissionen betrifft.

China, Indien: Wirtschaft als Turbo für Emissionen

Die schlechten Nachrichten kommen es aus dem Osten: Zwar haben Entwicklungsländer generell für eine geradezu inflationäre Vermehrung der CO2-Emissionen gesorgt, doch China und Indien haben mit 9 bzw. 6% Zuwachs ziemlich dick aufgetragen. Eine Billion Tonnen plus alleine 2011 sind einfach zuviel. Zugegeben, das Wirtschaftswachstum in China liegt bei über 10 Prozent, doch parallel dazu sind die Emissionen seit 2002 um 150% gestiegen, Indien hat es in diesem Punkt auf wenig rühmliche 75% gebracht. Kohlekraftwerke und Stahlindustrie erklären den drastischen Anstieg der Emissionen in China, zugkräftige Wachstumspakete für die Wirtschaft tragen ebenfalls dazu bei, das Land hat enormen Nachholbedarf. Dennoch ist nicht einzusehen, dass andere Länder deshalb großzügig mit den hoch giftigen Emissionen eingedeckt werden. Ein Trendwechsel ist so schnell nicht in Sicht.

Dynamische Komponenten erschweren Prognose

Wirtschaftswachstum im Osten, Rezession im Westen und komplett unterschiedliche Rahmenbedingungen machen es für die Experten schwierig, zuverlässige Prognosen zu erstellen. Kennzahlen aus Industrie und Verkehr liefern wichtige Inputs, dazu kommen Massnahmen für strukturelle Entwicklung und technische Innovationen. Nebst der laufender Entwicklung von Konjunktur und Wirtschaft gibt es zahlreiche weitere dynamische Komponenten wie beispielsweise das Bevölkerungswachstum. Unterm Strich gesehen geben die aktuellen Trends zu denken: Der globale Energiebedarf ist unaufhaltsam im Steigen, und das bedeutet in Sachen Emissionen mäßig gute Neuigkeiten, der globale Trend geht unbeirrt nach oben.

Zu wenig Verbindlichkeit

1990, als die Welt noch weitgehend in Ordnung war, fielen 29% der Emissionen auf Entwicklungsländer, die industrialisierte Welt blies 68% der schädlichen Treibhausgase in die Luft. 2011 hat sich die Lage geändert. Hoch entwickelte Industriestaaten verursachen 41%, im Aufbau befindliche Länder bereits 55% der Emissionen. Luftverkehr und Seefracht teilen sich die übrigen Belastungen. Dieser Trend bestätigt einmal mehr, dass dem Klimawandel nur mittels globaler Massnahmen beizukommen ist. In Tonnagen gesprochen: Seit 2000 wurden in etwa 420 Billionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen. Das ist nicht nur entschieden zu viel, sondern sollte auch zu denken geben. Rio, Cancun und Durban sind gute Ansätze, doch dabei ist es auch geblieben. Es fehlt sichtlich an Bereitschaft und somit an ernst gemeinter Verbindlichkeit, als notwendig erkannte Ziele gemeinsam zu realisieren, andernfalls Rio+20 einen anderen Verlauf genommen hätte.

Aktuelle Benchmarks müssen erreicht werden

Das ominöse 2° Ziel gilt als ernst zu nehmende Marke: Steigen die Emissionen weiter so an wie bisher, bleibt es ein illusorisches Wunschdenken, den Klimawandel auch nur annähernd unter Kontrolle zu bringen. Die nächsten zwei Jahrzehnte sind entscheidend, gegenwärtig bewegt sich die  Trendwende in Richtung Dekarbonisierung im Bagatellbereich. Die Tatsache, dass erneuerbare Energien die CO2-Bilanz um 5% korrigiert haben beweist wie wichtig es ist, ungeachtet der technischen Herausforderungen auf Innovation und Fortschritt zu setzen.

Geringe Produktionskosten, wenig Auflagen

Während in Europa ebenso wie in anderen hoch entwickelten Ländern unter strengen Rahmenbedingungen und exorbitanten Nebenkosten produziert wird, sind die Schwellenländer vielfach zum Liebkind der Konzerne geworden: Marginale Lohnkosten und verschwindend geringe Auflagen, welche diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdienen, schaffen einen enormen Wettbewerbsvorsprung. Das macht es verständlich, dass in Europa angesiedelte Hersteller angesichts der fernöstlichen Preisgestaltung ins Hintertreffen geraten und auf die Barrikaden gehen. Der Aufschrei der Solarindustrie ist nur ein aktuelles Beispiel für diesen Trend.

Made in China ist billig, doch alle Welt zahlt mit: CO2-Emissionen kennen keine Grenzen.       

 


 




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