CO2-Emissionen: Dicke Luft in China
2011 erreichten die weltweiten CO2-Emissionen mit 34 Milliarden Tonnen einen traurigen Rekordwert. Wenn der aktuelle Trend anhält, segeln wir ungebremst an den Zielen der Roadmap 2050 vorbei, selbst die politische 2° Grenze ist in mittlerweile Frage gestellt. Ist der Klimawandel noch zu stoppen?

Bild: rab36/flickr.com
Energiewende: Kohlebedarf plus 5 %
Alle Welt redet über die Energiewende. Tatsache ist, dass der weltweite Kohlebedarf um satte fünf Prozent in die Höhe geklettert ist. Kohle verursacht immerhin rund 40% der gesamten CO2-Emissionen. Die Wirtschaftsflaute hat gewiss dazu beigetragen, dass sowohl in den EU27 als auch in USA und Japan eine Reduktion der Treibhausgase zu verzeichnen ist, der vielerorts milde Winter hat ebenfalls dazu beigetragen. Die exorbitanten Ölpreise haben zudem bewirkt, dass Möglichkeiten zur Einsparung sehr bereitwillig umgesetzt wurden. Der Gasbedarf in der EU ist laut BP 2012 gar um 10 Prozent gesunken. Da in etwa ein Drittel des europäischen Gasbedarfs für Raumwärme sprich Heizanlagen eingesetzt wird, liegen sinnvolle Massnahmen klar auf der Hand: Thermische Sanierungen sind angebracht, da liegt die Kommission absolut richtig, da ist reichlich Einsparpotenzial vorhanden. Doch es gibt ganz andere Sorgenkinder, was den Energiebedarf und ganz speziell Steinkohle sowie die damit verbundenen Emissionen betrifft.
China, Indien: Wirtschaft als Turbo für Emissionen
Die schlechten Nachrichten kommen es aus dem Osten: Zwar haben Entwicklungsländer generell für eine geradezu inflationäre Vermehrung der CO2-Emissionen gesorgt, doch China und Indien haben mit 9 bzw. 6% Zuwachs ziemlich dick aufgetragen. Eine Billion Tonnen plus alleine 2011 sind einfach zuviel. Zugegeben, das Wirtschaftswachstum in China liegt bei über 10 Prozent, doch parallel dazu sind die Emissionen seit 2002 um 150% gestiegen, Indien hat es in diesem Punkt auf wenig rühmliche 75% gebracht. Kohlekraftwerke und Stahlindustrie erklären den drastischen Anstieg der Emissionen in China, zugkräftige Wachstumspakete für die Wirtschaft tragen ebenfalls dazu bei, das Land hat enormen Nachholbedarf. Dennoch ist nicht einzusehen, dass andere Länder deshalb großzügig mit den hoch giftigen Emissionen eingedeckt werden. Ein Trendwechsel ist so schnell nicht in Sicht.
Dynamische Komponenten erschweren Prognose
Wirtschaftswachstum im Osten, Rezession im Westen und komplett unterschiedliche Rahmenbedingungen machen es für die Experten schwierig, zuverlässige Prognosen zu erstellen. Kennzahlen aus Industrie und Verkehr liefern wichtige Inputs, dazu kommen Massnahmen für strukturelle Entwicklung und technische Innovationen. Nebst der laufender Entwicklung von Konjunktur und Wirtschaft gibt es zahlreiche weitere dynamische Komponenten wie beispielsweise das Bevölkerungswachstum. Unterm Strich gesehen geben die aktuellen Trends zu denken: Der globale Energiebedarf ist unaufhaltsam im Steigen, und das bedeutet in Sachen Emissionen mäßig gute Neuigkeiten, der globale Trend geht unbeirrt nach oben.
Zu wenig Verbindlichkeit
1990, als die Welt noch weitgehend in Ordnung war, fielen 29% der Emissionen auf Entwicklungsländer, die industrialisierte Welt blies 68% der schädlichen Treibhausgase in die Luft. 2011 hat sich die Lage geändert. Hoch entwickelte Industriestaaten verursachen 41%, im Aufbau befindliche Länder bereits 55% der Emissionen. Luftverkehr und Seefracht teilen sich die übrigen Belastungen. Dieser Trend bestätigt einmal mehr, dass dem Klimawandel nur mittels globaler Massnahmen beizukommen ist. In Tonnagen gesprochen: Seit 2000 wurden in etwa 420 Billionen Tonnen CO2 in die Atmosphäre geblasen. Das ist nicht nur entschieden zu viel, sondern sollte auch zu denken geben. Rio, Cancun und Durban sind gute Ansätze, doch dabei ist es auch geblieben. Es fehlt sichtlich an Bereitschaft und somit an ernst gemeinter Verbindlichkeit, als notwendig erkannte Ziele gemeinsam zu realisieren, andernfalls Rio+20 einen anderen Verlauf genommen hätte.
Aktuelle Benchmarks müssen erreicht werden
Das ominöse 2° Ziel gilt als ernst zu nehmende Marke: Steigen die Emissionen weiter so an wie bisher, bleibt es ein illusorisches Wunschdenken, den Klimawandel auch nur annähernd unter Kontrolle zu bringen. Die nächsten zwei Jahrzehnte sind entscheidend, gegenwärtig bewegt sich die Trendwende in Richtung Dekarbonisierung im Bagatellbereich. Die Tatsache, dass erneuerbare Energien die CO2-Bilanz um 5% korrigiert haben beweist wie wichtig es ist, ungeachtet der technischen Herausforderungen auf Innovation und Fortschritt zu setzen.
Geringe Produktionskosten, wenig Auflagen
Während in Europa ebenso wie in anderen hoch entwickelten Ländern unter strengen Rahmenbedingungen und exorbitanten Nebenkosten produziert wird, sind die Schwellenländer vielfach zum Liebkind der Konzerne geworden: Marginale Lohnkosten und verschwindend geringe Auflagen, welche diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdienen, schaffen einen enormen Wettbewerbsvorsprung. Das macht es verständlich, dass in Europa angesiedelte Hersteller angesichts der fernöstlichen Preisgestaltung ins Hintertreffen geraten und auf die Barrikaden gehen. Der Aufschrei der Solarindustrie ist nur ein aktuelles Beispiel für diesen Trend.
Made in China ist billig, doch alle Welt zahlt mit: CO2-Emissionen kennen keine Grenzen.


















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