China wird Eurozone nicht retten (können)
Während die EU in Peking als Bittsteller vorstellig wird, dürften Barroso, Merkel & Co die Möglichkeiten Chinas massiv überschätzen.

Bild: Committee of 100
Wenn Merkel sich nun aber schon zum zweiten Mal der Peinlichkeit hingibt, in China als Bittsteller vorzusprechen und sich dann mit vagen Zusagen abspeisen zu lassen, dann ist klar, dass alle die mittlerweile auf rund 3,5 Billionen Dollar abgeschwollenen Devisenreserven Chinas im Auge haben. Tatsächlich dürfte es sich dabei um den weltweit einzigen Finanzfonds handeln, der theoretisch groß genug wäre, um die Eurozone nachhaltig aus der Misere zu ziehen. Vielleicht hätten Merkels Berater ihre Chefin jedoch auf die Tatsache aufmerksam machen sollen, dass diese Gelder weitgehend gebunden sind und schon strukturell auf absehbare Zeit nur in begrenztem Ausmaß für die Finanzierung europäischer Staatsdefizite genutzt werden könnten.
Reserven weitgehend gebunden
So ist der Großteil der Reserven entweder zur Vorsicht in Cash-nahen Finanzvehikeln geparkt, um auch bei unvorhergesehenen Problemen stets die Importrechnung sowie fällige Zinszahlungen an das Ausland begleichen zu können. Noch viel mehr dürfte die bestehende Substanz aber in langfristigen Wertpapieren feststecken, die China allein deshalb schon nicht in Eurozonenpapiere umschichten könnte, weil am Markt dann nackte Panik zu erwarten wäre. Sollte etwa bekannt werden dass China seine US-Bestände auf den Markt wirft, würden eben diese Bestände sofort massiv an Marktwert verlieren, was kaum im Interesse der Chinesischen Regierung liegen dürfte.
Immerhin stehen Regierung und Chinesische Notenbank schon länger schwer in der öffentlichen Kritik, weil ihr zu 70 Prozent auf Dollar laufendes Devisenportfolio seit zehn Jahren stetig an Wert verliert und in den letzten zehn Jahren bereits 40 Prozent an Wechselkursverlusten verdauen musste. Als Reaktion darauf hatte die Zentralbank angekündigt, künftig vermehrt in internationale Realwerte zu investieren, was auch in aller Deutlichkeit als Reaktion auf die expansive Geldpolitik der USA deklariert wurde. Insofern wird es für die PBoJ nicht einfach werden, nun ein großes Portfolio an Eurozoneanleihen aufzubauen, das letztendlich dieselben Probleme bereiten würde, wie die US-Papiere.
Nach Einschätzung des Analysten Wang Jun von der staatlichen Denkfabrik CCIEE wolle China daher allenfalls 100 Milliarden Euro in Europa investieren, interessier sich aber vor allem für Technologie und solide Industriefirmen und kaum für zweifelhafte Staatsanleihen.
Nimmt man nun den Leistungsbilanzüberschuss Chinas als Indikator für das jährlich insgesamt verfügbare Investitionskapital, dann waren das 2012 immerhin 258 Milliarden Euro. Rund ein Viertel davon fließt derzeit in Euroanlagen, was – bei gleichbleibender Aufteilung des Zuwachses an Reserven zwischen Dollarraum und Eurozone – für 2011 also rund 65 Mrd. Euro ergibt. Ob die Außenbilanz Chinas heuer aber so stark weiterexpandiert wie in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist kaum anzuschätzen. Immerhin steigen die Preise importierter Rohstoffe weiter, während die internationale Nachfrage bereits unter der Eurozonenkrise zu leiden scheint.
Chinesische Binnenwirtschaft in Gefahr
Gleichzeitig bietet auch die Binnenwirtschaft nicht wenige Problemzonen, die einem Engagement in Europa entgegenstehen könnten. So brauen sich über Chinas Finanzsystem schon länger düstere Wolken zusammen, etwa bei der Finanzierung öffentlicher Infrastrukturprojekte lokaler Körperschaften durch (mehrheitlich) staatliche Banken. Eine Mehrzahl der Projekte soll bilanziell dabei nur aufgrund der massiven Aufwertungen der eingebrachten öffentlicher Ländereien darstellbar sein, so dass langfristig kaum eines der Projekte die Ertragserwartungen und noch weniger die Kreditverpflichtungen erfüllen können dürfte. Ebenso bestehen kaum Zweifel, dass es an vielen Immobilienmärkten längst zu massiven Spekulationsblasen gekommen ist, und sollten diese Befürchtungen materialisieren, dann könnte in absehbarer Zeit eine massive Rekapitalisierung des Chinesischen Bankensystems erforderlich werden und die von Europa begehrten Mittel verschlingen.
„Sterilisation“ kaum noch möglich
Sollte die Chinesische Wachstumsstory hingegen ungebrochen weitergehen, dann steht massiven Eurobond-Investitionen auch die nach wie vor steigende Inflationsrate in China entgegen. Denn China versucht die Devisenkäufe zu „sterilisieren“, das dafür aufgewendete Zentralbankgeld also nicht in den realen Wirtschaftskreislauf gelangen zu lassen, indem es die Reserveverpflichtungen der Banken anhebt und Notenbank-Schuldscheine verkauft. Das scheint aber schon lange nicht mehr voll zu gelingen, wodurch der Preisauftrieb ungebrochen anzieht und zusehends zu gewalttätigen Unruhen führt. Sobald die Konjunktur aber leichte Schwächen zeigt, gerät die Zentralbank in die Zwickmühle, und würde mit weiteren Sterilisierungsmaßnahmen die Konjunktur gefährden. So nahm sie im November erstmals seit drei Jahren die Mindestreservevorgaben vom Rekordhoch von 21,5 Prozent um einen halben Prozentpunkt zurück, während sie eigentlich hätte erhöhen sollen um die Devisenkäufe auszugleichen.
Die chinesischen Banken selbst haben dabei ihr Interesse an Europa weitgehend verloren. So wurden laut Reuters Banken und Unternehmen von den Währungsbehörden in Tanjin befragt, und rund ein Viertel gab an, die Geschäftsbeziehungen zu den gefährdeten Eurozoneländern teilweise oder komplett eingestellt zu haben und auch auf Europa fokussierte Anlageprodukte zurückgefahren zu haben.


















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