CCS: Der Trojaner in der Energiewende (Teil 2)
Energie 2050: Brüssel setzt auf CCS. Doch die knackige Bezeichnung dieser Methode steckt voll unliebsamer Überraschungen. Das Liebkind der Kommission mausert sich zur unberechenbaren Diva. Die vertrackte Technik ist sichtlich ungeeignet, um CO2-Emmissionen nachhaltig in den Untergrund zu verbannen.

Bild: EC
CCS kann Klimawandel nicht stoppen
Kraftwerksanlagen haben eine enorme Vorlaufzeit. Die Entscheidungen von heute beeinflussen den Energiemix der Zukunft. Obwohl bereits einzelne CCS-Komponenten in der Petrochemie zur Anwendung kommen, sieht es bei Kohlekraftwerken gänzlich anders aus. Basierend auf dem aktuellen Stand der Technik, kommt CCS bei Kraftwerken nicht vor 2030 zur Anwendung. Das ist jedoch zu spät, um damit den Klimawandel einzudämmen. Die CO2-Emissionen müssen bereits 2015 spürbar reduziert werden, sonst geht das Konzept nicht auf. Seitens des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wird die Rentabilität von CCS nicht vor der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erwartet. Und das ist entschieden zu spät, damit sind die Ziele der Roadmap nicht zu erreichen.
Industrie verlangt CCS-fähige Kraftwerke
CCS als universellen Problemlöser für den Klimawandel zu bezeichnen ist denkbar unangebracht. Zu viele offene Fragen stehen im Raum. Sicherheitsfragen, aber auch ökologische und ökonomische Überlegungen warten auf verbindliche Antworten. Doch die Industrie weiß es sichtlich besser und drängt nachdrücklich auf den Bau CCS-fähiger Kraftwerksanlagen, wobei der Begriff CCS-fähig alles und nichts zugleich bedeutet. Niemand weiß genau, wann CCS konkret verfügbar ist und ob es die hoch gesteckten Erwartungen auch nur annähernd erfüllt. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Die vage Bezeichnung CCS-fähig ist quasi ein Blankoscheck für den Bau weiterer Kohlekraftwerke ohne jegliche Garantie dafür, dass CO2-Emissionen auch nur ansatzweise eingefangen oder gar vermieden werden. Ob der Klimawandel mit puren Absichtserklärungen eingedämmt werden kann, ist fraglich. Zudem kommen auffallend viele Projektabbrüche aus technischen und wirtschaftlichen Überlegungen, die ebenfalls nachdenklich stimmen sollten.
Emissionsreduktion an Subventionen gebunden
So, wies von Brüssel angedacht, klappt es mit CCS als Klimaretter nicht. Zum einen ist es zum Einsatz in Kraftwerksanlagen noch ein weiter Weg, zum anderen geht es einmal mehr ums Geld. Denn selbst wenn die Technik einsatzbereit wäre, müssen erst entsprechende Subventionsmechanismen implementiert werden. Zudem macht ein fixierter CO2-Preis die Sache erst richtig lukrativ. Solange nämlich die Zertifikate gegen einen Apfel und ein Ei zu haben sind, interessiert sich niemand ernsthaft für eine Technik, die fernab jeglicher Verfügbarkeit existiert. Die erforderliche Rentabilität vorausgesetzt, wären bis 2050 lediglich rund 30% der Emissionen aus fossilen Brennstoffen per CCS zu bändigen. Damit wird das Ziel der Roadmap schlichtweg nicht erreichbar, Brüssel setzt aufs falsche Pferd. So viel Zeit haben wir nicht.
Subventionspolitik gefährdet Nachhaltigkeit
CCS bindet CO2. Das wäre der Idealfall. Vorerst jedoch müssen wir uns damit zufrieden geben, dass genau diese Technik, die so viele offene Fragen mit sich bringt, Unsummen an Fördermittel verschlingt. Die konsequente Ausstattung der Kraftwerke mit dieser Technologie kostet enorme Beträge. Infrastruktur, Transport und Lagerung sind nicht umsonst. CCS ist Studien zufolge ein reiner Kostenfaktor, der in der Effizienz weit hinter den Hoffnungen zurück bleibt, jedoch sämtliche Kalkulationen sprengt. Vergleichbare Summen gezielt in erneuerbare Energien zu investieren könnte die CO2-Emissionen bis 2050 halbieren, die Lösung der Klimakatastrophe ist in Sicht, sofern die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
Weitreichende Haftungsrisiken durch CCS
Der komplexe technische Sachverhalt rund um CCS sowie fehlende Daten und Erfahrungswerte im Umgang mit dieser Technologie machen die Risikoanalyse zu einem regelrechten Glücksspiel. Die Gesetzgebung ist für diesen Themenkomplex so gut wie nicht ausgelegt, das mit dem Verursacherprinzip ist gut, aber angesichts der Umstände unhaltbar. Die Haftungsfragen sind unterschiedlich und können Gesundheitsfolgen ebenso betreffen das ganze Ökosystem. Wasserverschmutzungen oder ausgetretenes CO2 können reichlich Ungemach verursachen. Und genau hier liegt die natürliche Bremse bei der Weiterentwicklung der CCS-Methode: Seitens der Industrie ist keinerlei Bereitschaft zu weiteren Investitionen zu erkennen, solange es keinen Haftungsmässigen Freibrief gibt.
Angesichts der vielen bedenklichen Nebenwirkungen ist die Sache mit dem Freibrief für die Haftung eine höchst willkommene, geradezu erfreuliche Nachricht: Denn diesen Freibrief wird`s nicht geben.


















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