Catherine Day: die mächtigste Beamtin Europas
Catherine Day ist als Generalsekretärin der Europäischen Kommission die mächtigste Beamtin Europas und die erste Frau überhaupt, die dieses Amt bekleidet. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen von ihr, dass sie für ihre Arbeit lebe. Ob das positiv ist, sei dahingestellt, sie ist damit jedenfalls glücklich – und das schon seit 33 Jahren.

Bild: Europ. Kommission
Day sieht sich als Bindeglied zwischen der technischen Arbeit der verschiedenen Abteilungen (Generaldirektionen) und der politischen Ebene des Kollegiums der Kommissionsmitglieder. „Mein Job ist es, dem Präsidenten der Kommission zu helfen, Prioritäten zu setzen, und dann die Kommissionsmaschine dazu zu bringen, die entsprechenden Resultate zu liefern“, erklärt sie.
Spitze der Schaltstelle der EU-Behörde
In ihrer Funktion an der Spitze der Schaltstelle der EU-Behörde ist Catherine Day naturgemäß eine der engsten Vertrauten von Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Wenn der Portugiese etwa bei EU-Gipfeln wissen muss, ob die Vorschläge und Forderungen der Staats- und Regierungschefs für die Kommission als Hüterin der EU-Verträge akzeptabel sind oder nicht, kann er sich voll und ganz auf das enorme Detailwissen seiner Generalsekretärin verlassen. Wie wichtig sie für ihn ist, lässt sich an der Tatsache erkennen, dass sie beim letzten routinemäßigen Stühlerücken in der Kommission – die interne Rotation der Spitzenbeamten ist Vorschrift – als eine der wenigen ihren Job behalten durfte.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin ist außerdem eine der wenigen Vertreterinnen ihres Geschlechts, die die „gläserne Decke“ durchbrochen hat, die vielen Frauen den Aufstieg in die obersten Führungspositionen der Gesellschaft versperrt. Sie führt das auch darauf zurück, dass sie das große Glück gehabt habe, mit männlichen Chefs zu arbeiten, die sie als Frau nicht unterschiedlich behandelt und stets unterstützt hätten. Auch aus einem kleinen Mitgliedsstaat zu kommen ist heutzutage in den EU-Institutionen kein Karrierenachteil mehr, wie man an ihrem Beispiel sehen kann. „Wir sind sehr kontaktfreudig und kommunikativ, wir nehmen uns selbst nicht zu ernst, die Leute empfinden uns nicht als Bedrohung und öffnen sich uns stärker“, beschreibt sie den Charakter ihrer irischen Landsleute und zugleich sich selbst.
„Wir sind die einzige Organisation, die dafür bezahlt wird, europäisch zu denken“, stellt Catherine Day die Rolle der EU-Kommission als neutraler Akteur in den Vordergrund, der keine nationale Agenda verfolge, sondern die europäische Agenda vorantreibe und so einen europäischen Mehrwert schaffe. Kein Mitgliedsstaat alleine könne ein ihm wichtiges Anliegen zu einer Gemeinschaftspolitik machen, das könne nur die EU-Kommission, betont die Generalsekretärin. Zu den Stärken der Kommission gegenüber den Mitgliedsstaaten zählt sie auch die Tatsache, dass ihre Institution über Zeiträume von 15-20 Jahren denke und die aktuellen Politiken auf ihre Vereinbarkeit mit solchen langfristigen Zielvorgaben hin überprüfe.
Wir nehmen immer wieder große Herausforderungen an
Was die Europäische Union in ihren Augen so aufregend und dynamisch macht, ist die Tatsache, dass sie sich unaufhörlich wandeln und umgestaltet werden muss – insbesondere nach den großen Erweiterungsrunden der letzten Jahre. Catherine Day schöpft ihre Motivation daraus, dass diese Umgestaltung und Anpassung an neue Herausforderungen endlos möglich ist. „Wir nehmen immer wieder große Herausforderungen an, und wir schaffen es immer – manchmal auf eine komplizierte und kostspielige Art, aber wir schaffen es“, betont sie in einem Interview.
Das Arbeitstier, das die Bezeichnung „Workaholic“ keinesfalls als Beleidigung auffasst, ist stets als eine der ersten im Büro und nicht selten die Letzte, die es am Ende eines für sie durchschnittlichen 15-Stunden-Tages verlässt – daher auch ihr Spitzname Catherine „Night and Day“. Sitzungen an Wochenenden sind für sie und ihre Mitarbeiter nichts Außergewöhnliches, E-Mails werden praktisch rund um die Uhr beantwortet. Der Ansicht, dass ihre Karriere auf Kosten ihres Privatlebens gegangen sei, kann die unverheiratete Katholikin nichts abgewinnen. „Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen, und ich bereue meinen Lebensweg nicht“, sagt Day, die nach eigenen Aussagen kein einziges Hobby hat, aber gerne Restaurants und Konzerte besucht.


















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