Blick in den Sudkessel soll Touristen in neue BierWeltRegion locken
Wo sonst könnte eine BierWeltRegion entstehen als im Dreiländereck Niederbayern –Südböhmen – Mühlviertel, wo mehr Bier getrunken wird als im Rest der Welt. Beim pro Kopf Verbrauch liegen die Tschechen mit rund 132 Liter pro Jahr an erster Stelle gefolgt von Österreich und Deutschland mit rund 109 bzw. 102 Litern pro Jahr. Doch beim mit 970.000 Euro dotierten Interreg-Projekt BierWeltRegion, das Anfang Juni in die Umsetzungsphase gestartet ist, geht es nicht um Menge, sondern um Qualität.

Bild: Braucommune Freistadt
„Wir brauchen nicht alles neu zu erfinden“ – Heimische Weinkultur als Vorbild
Für die BierWeltRegion hat der Chef der Braucommune Freistadt fünf weitere Partner mit ins Boot geholt: auf österreichischer Seite den Tourismusverband Mühlviertler Kernland, die Stadt Freistadt und die Mühlviertler Messe sowie Brauerei und Gemeinde Aldersbach auf bayerischer Seite. „So wie der Moslem einmal im Leben nach Mekka pilgern muss, darf der interessierte Biertrinker nicht um unsere Region herumkommen“, schildert Pöschko seine Vision von der BierWeltRegion als europäisches Zentrum der Bier- und Braukultur. Als Vorbild orientiert sich der Initiator am österreichischen Wein: „Der Wein hat’s und vorgemacht und wir brauchen nicht alles neu zu erfinden: Nicht in Kalifornien, Südafrika oder Australien, nur in Österreich geht man beim Weinbauern in den Keller, bekommt eine Führung und kostet die verschiedenen Tropfen. Und genauso ist es beim Bier. In den industriellen Großbrauereien kann man als Biertrinker nicht einfach in den Sudkessel schauen. Bei uns schon.“
Brüssel fördert Interreg-Projekt mit rund 580.000 Euro
Vier Säulen sollen bis Mitte 2014 als Grundgerüst des grenzüberschreitenden Projekts aufgebaut werden: Neben der gemeinsamen Vermarktung der BierWeltRegion und dem Aufbau einer trilateralen Biermesse, die abwechselnd in Freistadt, Aldersbach und Südböhmen stattfinden soll, sind eine Qualitätsoffensive und eine Bierakademie geplant. Insgesamt stehen dafür 970.000 Euro zur Verfügung, wovon 60 Prozent über Interreg-Fördermittel von der EU aufgebracht werden. Die Qualitätsoffensive richtet sich an Gastronomie und Hotellerie, die mit speziell geschnürten, bierigen Angeboten mitziehen und so mehr Wertschöpfung in die Region bringen sollen. Zum Thema Bierhotels und Bierwirtshäuser werden Qualitätskriterien aufgestellt. Das wichtigste Kriterium: Regionalität. „Die Leute müssen wissen, dass in unser Bier nur 100 Prozent Gerste aus Österreich und 100 Prozent Hopfen aus dem Mühlviertel kommen. Und auch das Wasser kommt unbehandelt vom Brunnen in den Sudkessel“, bringt Ewald Pöschko das Reinheitsgebot auf den Punkt. Die geplante Bierakademie hat der Brauerei-Chef nicht als Sommelier-Ausbildung sondern vielmehr als eine touristische Weiterbildung für Bierliebhaber konzipiert. In Seminaren soll es theoretische und praktische Informationen zu den Themen Braukunde, Schaubrauerei, Abfüllung, Gläserkunde und Biersensorik geben. Geplant als modulare Veranstaltung mit einem Basismodul und Erweiterungen unterschiedlicher Dauer soll jeder Interessierte hier etwas Passendes finden, denn nicht jeder wolle gleich ein ganzes Wochenende in der Bierakademie verbringen, so Pöschko. Und dennoch sollen die Nächtigungszahlen in der Region dank des Interreg-Projekts steigen. Eine Machbarkeitsstudie für ein Bierhotel in Freistadt soll Chancen und Risiken für einen künftigen Leitbetrieb abwägen und mögliche Standorte ausloten.
Landesausstellungen als Initialzündung
Touristische Initialzündung für die BierWeltRegion soll die oö. Landesausstellung zum Thema Bier sein, die 2013 in Freistadt ausgerichtet wird. Drei Jahre später ist der niederbayerische Interreg-Partner Aldersbach ebenfalls Schauplatz einer Landesausstellung über die bayerische Braukunst. Die beiden publikumswirksamen Großveranstaltungen waren für Initiator Ewald Pöschko mit ein Grund, dass die Wahl auf den bayerische Partner gefallen ist. Zudem spielen beide beteiligten Brauereien mit einem Jahresausstoß von etwa 64.000 Hektolitern auch größenmäßig in der gleichen Liga. Dass die Tschechen in der Anfangsphase des grenzüberschreitenden Projekts nicht mit an Bord sind, hat folgenden Grund: „Man muss das langsam und klein aufziehen, sonst kommt man nicht auf einen gemeinsamen Nenner“, so Pöschko, dem die Umsetzung der BierWeltRegion eine Herzensangelegenheit ist. Sobald das Projekt ins Laufen gekommen ist, könne man immer noch andere Partner mit ins Boot holen. Ob das auch gelingen wird kann Pöschko jetzt noch nicht sagen, denn: „Die meisten Brauereien lassen sich gegenseitig nicht gerne in den Sudkessel schauen. Das Konkurrenzdenken ist immer noch zu groß“, bedauert der überzeugte Netzwerker.
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