Montag 20. Mai 2013, 08:51

Energie & Ressourcen

Biosprit: E10 sichert EU-Ziele (Teil 1)

Nach dem reichlich müden Start in Deutschland soll E10 die Herzen der österreichischen Autofahrer erobern. Die Treibhausgasreduktion wird dank Biotreibstoffen aus Österreich von 50 auf 70% erhöht. Das klingt gut, denn unsere Emissionen aus dem Verkehr liegen ein wenig über  den Vorgaben aus Brüssel.

Biosprit: E10 sichert EU-Ziele
Biosprit: E10 sichert EU-Ziele
Bild: Gerd Altmann/pixelio.de
Die geplante Markteinführung von E10 soll Österreich in Sachen Emissionen wieder auf Kurs bringen. Statt wie bislang üblich 5 soll E10 mit einem Anteil von 10% Biosprit die CO2-Emissionen weiter reduzieren. Bioethanol verursacht gegenüber fossilen Treibstoffen um 50% weniger Schadstoffe. Die Richtlinien der Union sind ein essentieller Teil des europäischen Klimapakets um die Treibhausgase bis 2020 um 20% zu reduzieren. Zudem reduziert die Beimengung von Biotreibstoffen aus heimischer Produktion die Abhängigkeit von Rohölimporten. Analysten befürchten nämlich kurzfristig eine drastische Anhebung der Rohölpreise, da ist jede Erleichterung willkommen.     

Deutschland: Technische Bedenken mangels Information  

Deutsche Autofahrer haben die Einführung von E10 anfangs mit nahezu konsequenter Verweigerung quittiert. Erst nach und nach ist es zu einem Umdenken gekommen. Technische Bedenken werden laut einer TNS-Umfrage als Hauptgrund für die Ablehnung genannt. Mangelnde Information und der weitläufige Glaube, Lebensmittel zu tanken und dadurch den Entwicklungsländern zu schaden sind weitere Argumente der deutschen Lenkraddreher gegenüber dem Rübensprit sprich Bioethanol. Lediglich die Kostenersparnis hat zum Umdenken animiert, der geringere CO2-Ausstoss wurde eben mal zur Kenntnis genommen. Sichtlich sind bei der Markteinführung einige Dinge gründlich daneben gegangen. Autofahrer brauchen Zeit und auch angemessene Sicherheit, den neuen Treibstoff zu akzeptieren.  Der Marktanteil von E 10 in Deutschland wird  mit 20% beziffert, mittelfristig soll E10 zum Standardtreibstoff avancieren, andernorts klappt es ja auch.

Stehen Biotreibstoffe zu Unrecht am Pranger?

Eine 2011 von Crop Energies Beim TÜV Pfalz in Auftrag gegebene Studie über den Kraftstoffverbrauch stellt E 10 ein gutes Zeugnis aus: Mehr Leistung bei gleichem Verbrauch lautet das überraschende Resultat. Aufgrund hervorragender Verbrennungseigenschaften von Bioethanol ist mit geringfügig höherer Leistung zu rechnen. Der ÖAMTC hat E10 ebenfalls genauer unter die Lupe genommen. In einem internen Feldversuch kam es in einem Fall jedoch nach knapp 30.000 km zu Schäden an einem Gussbauteil. Laboruntersuchungen ergaben Korrosion in Verbindung mit mechanischer Belastung als Ursache.

ÖAMTC: Konsumenten dürfen nicht belastet werden

Verständlich, dass die Gelben Engel eine verbindliche Verträglichkeitsliste seitens der Autoindustrie verlangen, die Haftungsfrage im Schadensfall ist vorab zu klären. Fahrzeugschäden dürfen keinesfalls dem Konsumenten angelastet werden. Neue Fahrzeuge kommen nach Angaben der Hersteller mit E10 ohnehin klaglos zurecht. Zudem muss ein Bestandsschutz für acht Jahre an konventionellem Treibstoff gegeben sein. Weiters verlangt der Club Nachweise über die nachhaltige Produktion über den gesamten Herstellungsprozess von Bioethanol.    

EU-Ziel nur mit Biotreibstoff erreichbar

Das Ziel, bis 2020 einen Anteil von 10% erneuerbare Energie im Verkehrssektor einzusetzen ist nur durch die verstärkte Verwendung von Biokraftstoffen zu erreichen, stellt Minister Niki Berlakovich anlässlich einer Expertentagung fest. Während Österreich in anderen Bereichen mit den Kyotozielen konform liegt, klappt es bei der Mobilität nicht ganz so gut. Diese ist als treibende Kraft für die Wirtschaftskraft zu werten und darf nicht sinnlos eingedämmt werden. Doch es fehlt an geeigneten Konzepten und Alternativen. Speziell bei E-Mobilität besteht Aufholbedarf. In mehreren Regionen wird diese gezielt bereits gefördert, doch es fehlt an der geeigneten Infrastruktur. Carsharing, Rad und öffentliche Verkehrsmittel sollen in ein ganzheitliches Mobilitätsmanagement eingebunden werden. Alternative Antriebe wären durchaus willkommen, N. Berlakovich hofft auf gute Ideen. „Es fehlt an Lösungen für das Problem“, so die Worte des Ministers. Immerhin, seit Einführung von Biotreibstoff konnten bislang 7 Mio. Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden.

E10 - sagt der Hausverstand

Um es auf den Punkt zu bringen: Es darf für E10 kein Biomaterial eingeführt werden, die Rohstoffe müssen ganz verbindlich hier angebaut werden. Lebensmittel haben Priorität. Biosprit darf nicht über Biogemüse stehen, so des Ministers klare Worte. Das bei der Produktion entstehende Futtermittel dient als Ersatz für Sojaimporte, das schont das Budget. Die enorme Preissteigerung bei Lebensmittel ist mit dem dramatischen Anstieg der Rohölpreise zu erklären. Nur 1,5% der verfügbaren Anbaufläche werden für Biotreibstoff benötigt, da bleibt genug für Obst und Gemüse. E10 kann in ausreichender Menge in Österreich produziert werden und dient dem Klimaschutz. Horst Jauschnegg, Vorsitzender des Österreichischen Biomasseverbands stellt eine berechtigte Frage in den Raum: Exportieren wir weiterhin die Hälfte der heimischen Bioethanolproduktion, die zur E10-Einführung in Österreich ausreicht oder nutzen wir sie endlich zur Gänze selbst? Für H. Jauschnegg ist es einfach eine Sache des Hausverstands. Es geht um die nachhaltige Verwendung von Ressourcen.   

Bioethanol ist sofort verfügbar

Johann Marihart (GD Agrana Beteiligungs-AG) stellt Bioethanol ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Es ist  sofort verfügbar und verbessert die CO2-Bilanz, mit der es ja nicht so gut bestellt ist. Bedingt durch die aktuellen Exporte von Bioethanol verzichten wir hierzulande auf rund 190.000 Tonnen CO2-Einsparungen pro Jahr, was das Haushaltsbudget der Alpenrepublik wiederum mit rund 3 Millionen Euro belastet. Dieses Budget wäre anderswo durchaus gut zu gebrauchen. Die Beimischung von 10 Prozent Bioethanol zum Sprit macht somit doppelt Sinn, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verliert einiges an Schrecken. Außerdem verweist J. Marihart auf den Synergieeffekt: Bei 125 Millionen Euro Investitionen werden 80 Arbeitsplätze geschaffen, 60 Prozent der Rohstoffanlieferungen erfolgen per Bahn und Schiff. Die anfallenden Eiweissfuttermittel sind somit garantiert Gentechnikfrei, ein Drittel der Sojafuttermittel aus Südamerika entfallen. Nachhaltigkeit ist gesichert. 

Um bei E10 auf Nummer sicher zu gehen, kommen in Kürze weitere Experten zu Wort. Wir wollen es schließlich genau wissen.         
 


 




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