Sonntag 19. Mai 2013, 22:50

Energie & Ressourcen

Bioenergie: Limitierte Nachhaltigkeit

Angesichts der erforderlichen Energiewende macht sich die auch Nationale Akademie der  Wissenschaften Leopoldina ihre Gedanken zu diesem brisanten Thema. Dabei kommen die Experten zu dem eindeutigen Schluss, dass Bioenergie quantitativ gesehen keinen wichtigen Beitrag leisten kann.

Bioenergie: Limitierte Nachhaltigkeit
Bioenergie: Limitierte Nachhaltigkeit
Bild: Biomasseverband.at
Um von fossilen Brennstoffen weg zu kommen gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Solarkraft und Windenergie sind nur eine Variante nebst der in Verruf gekommenen Kernkraft. Eine weitere denkbare Variante der erneuerbaren Energie wäre Bioenergie. Was es damit auf sich hat, wo deren Möglichkeiten und Grenzen liegen, darüber haben sich die Wissenschafter der Leopoldina ihre eigenen Gedanken gemacht. Mit dabei war auch ein Forscherteam der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Wien und Graz.

Bioenergie: Nicht-fossil und nachwachsend

Energie, die aus der Verbrennung nicht-fossiler, pflanzlicher Biomasse oder Holz stammt, wird als Bioenergie bezeichnet. Ob unmittelbar durch Verbrennung oder vorherige Umwandlung in Bioethanol, Biodiesel oder Synthesegas hat diese an sich Ressourcen schonende Art der Energiegewinnung durchaus ihren berechtigten Platz im europäischen Energiemix. Der zunehmende Trend zu dieser Energieform scheint ungebrochen. Doch ganz so einfach und zukunftsträchtig wie vielfach geglaubt ist auch diese Energieform nicht. Experten warnen vor überzogenen Hoffnungen. 

Der Kampf gegen C02-Emissionen

Ausschlaggebend für die Verwendung von Bioenergie ist die angepeilte Reduktion schädlicher CO2-Emissionen, um dadurch den Klimawandel zu minimieren. Doch leider ist der Sachverhalt wesentlich komplexer als vermutet. So CO2-neutral wie angenommen ist Bioenergie nämlich nicht. Die Tatsache, dass der Kohlenstoff-Kreislauf eng mit dem Nährstoffkreislauf zusammenhängt wird vielfach vergessen. Biomasse ist auf diese Nährstoffe angewiesen, und damit geht die Rechnung nicht mehr auf. In Summe nämlich verursacht Bioenergie gegenüber anderen alternativen Energiequellen deutlich mehr CO2-Emissionen und ist somit gar nicht so umweltfreundlich, wie vielfach behauptet.

Bioenergie im Effizienztest

Gerechnet auf die Strahlungsenergie der Sonne gelangen jährlich bescheidene 0,5 Prozent dieser Energie in pflanzliche Biomasse. Dieser Anteil ist so vernichtend marginal, dass sich jede Debatte über die tatsächliche Effizienz der photosynthetischen Energieumwandlung eigentlich erübrigt. Sonnenenergie und Windkraft haben dem gegenüber eine meist zehnfach höhere Flächeneffizienz. Ein weiterer Faktor gibt ebenfalls zu denken: Während der EROI (Energy Return on Investment) bei Photovoltaik bei akzeptablen 7 und bei Windkraft gar bei 18 liegt, kommt Bioenergie mit Faktor 3 gar nicht gut weg. Bioenergie kostet im Vergleich zu anderen alternativen Energiequellen den höchsten Preis pro eingesparter Tonne CO2 und trägt somit unterm Strich am wenigsten zur Einsparung von Treibhausgasen bei. Dabei berufen sich die Wissenschafter auf eine Publikation der OECD.                 

Bioenergie: Natürliche quantitative Grenzen

Der gravierende Nachteil im Gegensatz zu Solarkraft und Windenergie liegt am enormen Flächenbedarf der Bioenergie. Um überhaupt Sinn zu machen und dabei zu mindest eine gewisse Rentabilität zu erzielen, geht es wie so oft um die entsprechende Menge. Und diese ist mangels verfügbarer Fläche eben nur sehr bedingt gegeben. Das bedeutet, dass Biomasse die Energiewende quantitativ kaum beeinflussen kann. Bioenergie wird somit wohl auch in Zukunft nur eine eher untergeordnete, nämlich ergänzende Rolle im europäischen Energiemix ausmachen. 

Lichtblick: Leichte Speicherung

Bei aller Kritik für Bioenergie stellen die Experten den Speichermöglichkeiten von Bioenergie gute Noten aus. Diese lässt sich, egal ob als Biomasse oder bereits weiter verarbeitetes Produkt, auch in größeren Mengen und bei zugleich ausreichender Energiedichte ausgesprochen gut lagern, was einen entsprechenden Kapazitätsvorteil bedeutet. In diesem Punkt müssen sich Wind- und Solarkraft definitiv geschlagen geben.

Experten wagen kaum Prognosen

Was die Zukunft der Bioenergie betrifft, üben sich die Experten in bescheidener Zurückhaltung. Zu viele unbekannte Fakten und Komponenten, ökologische und klimatische Risiken sind damit verbunden. Regionale Unterschiede führen zu grundlegend unterschiedlichen nationalen Ausgangssituationen. Während in den Ländern Südamerikas Biomasse durchwegs als temporäre Ausweichmöglichkeit durchgeht, schaut die Bilanz in unseren Breitengraden schon etwas ernüchternder aus. Zudem kommt, und auch darauf verwiest das Expertenteam, dass die Verwendung von Feldpflanzen mit der Nahrungsmittelkette in Konkurrenz steht. Diese Tatsache wiederum belastet  die öffentliche Akzeptanz von Bioenergie spürbar.

Weltbevölkerung, Primärenergie und Anbauflächen

Diese drei Komponenten haben auf den ersten Blick so gut wie keine unmittelbare Gemeinsamkeit, stehen jedoch in einem sehr engen Kausalzusammenhang. So wächst beispielsweise die Bevölkerung global gesehen um ein Prozent pro Jahr. Dem gegenüber steht der steigende Bedarf an Primärenergie. Die globale Lebensmittelproduktion müsste sich bis 2050 verdoppeln, um mit der Nachfrage auch nur einigermaßen Schritt zu halten. Doch dem gegenüber können die dafür erforderlichen Anbauflächen bis 2050 lediglich um bescheidene 5 Prozent wachsen. Und obwohl vielfach auf eine spürbare Ertragssteigerung gedrängt wird ist es fraglich, wie weit das im Sinne der angestrebten Nachhaltigkeit überhaupt möglich ist. Ressourceneffizienz ist mehr denn je angebracht.   

 


 




Kommentar hinzufügen