Betrug in der Fischerei: Welcher Fisch kommt auf den Teller?
Wissenschaftler der Kommission veröffentlichen Bericht über neue Technologien zur Bekämpfung von Betrug in der Fischerei.

Bild: CC-BY 2.5
Der erste Schritt in eine neue Ära
Vorgestellt wurde der Bericht von Maria Damanaki, EU-Kommissarin für maritime Angelegenheiten und Fischerei, auf der „Slow-Fish“-Messe in Genua: „Der Umfang illegaler Fischerei wird weltweit auf 10 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt. Dabei handelt es sich um kriminelle Machenschaften, die sich nachteilig auf die globale Wirtschaft auswirken, Meeresökosysteme gefährden und Fischereigemeinden wie Verbraucher schädigen. Ohne Einhaltung der Vorschriften in Gewässern der EU und anderenorts kann es keine nachhaltige Fischerei geben. Heute machen wir den ersten Schritt in eine neue Ära. Die Herausforderung besteht nun darin, die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse europaweit in die tägliche Praxis umzusetzen.“
Máire Geoghegan-Quinn, EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft und zuständig für die Gemeinsame Forschungsstelle („Joint Research Centre“, JRC), äußerte sich wie folgt: „Dieser wichtige, von den Wissenschaftlern der kommissionseigenen JRC ausgearbeitete Bericht beschreibt, wie ein breiterer und besser koordinierter Einsatz innovativer molekularer Technologien helfen kann, Betrug in der Fischerei zu vereiteln und sicherzustellen, dass die Verbraucher das bekommen, wofür sie bezahlen, und dass sie wissen, was sie essen.“
Die Auszeichnung von Fisch und Fischerzeugnissen mit falschen Artennamen oder die falsche Deklarierung der geografischen Herkunft sind zwei gängige Betrugspraktiken in der Fischerei. Der Bericht zeigt auf, wie molekulare Methoden, beispielsweise DNA-basierte Technologien, es ermöglichen, selbst bei verarbeiteten Erzeugnissen eine Bestimmung der Art vorzunehmen, ohne dass hierfür Expertenwissen erforderlich wäre. Molekulare Technologien sind somit ein effektives Instrument für die Durchführung unabhängiger Kontrollen und können Überprüfungsverfahren, insbesondere die so genannte „physische Kontrolle“ von Sendungen, Erzeugnissen, Behältern, Lagern usw., sinnvoll ergänzen.
Im JRC-Bericht wird ein kohärentes, praxisbezogenes EU-weites Vorgehen empfohlen, um neue molekulare Technologien für die europäischen Überwachungs- und Durchsetzungsbehörden zugänglich zu machen.
Angestrebt wird die Förderung eines informierten Dialogs zwischen den verschiedenen Akteuren. Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:
- bessere Verbreitung einschlägiger Informationen und Empfehlungen bei allen Akteuren;
- Gewährleistung des Zugangs von Analyselabors in den Mitgliedstaaten zu gemeinsamen Archiven mit Referenzdaten und anderen einschlägigen Informationen für die Analyse von Fisch und Fischerzeugnissen; diese Archive könnten ähnlich gestaltet sein wie die von der JRC betriebene „Fishtrace“-Datenbank (www.fishtrace.org);
- Schaffung eines Netzes zertifizierter Testlabors, die Analysen für Kontroll- und Vollzugszwecke durchführen und harmonisierte, validierte Analyseprotokolle untereinander austauschen;
- umfassende Schulung von Inspektoren und Laborpersonal in der ordnungsgemäßen Handhabung von Proben und der Durchführung von Analysen.
Anhand von Daten zu über 100 berichteten Fällen nimmt die JRC derzeit eine Kosten/Nutzen-Bewertung vor, um die praktische Einführung der betreffenden Technologien zu erleichtern. Die Kosten vieler dieser Technologien, insbesondere von DNA-Analysen, sind inzwischen deutlich gesunken.
Keine Toleranz gegenüber Betrügern
Zur Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Fischerzeugnissen und zur Bekämpfung illegaler Fischereipraktiken forciert die Kommission derzeit die Umsetzung der IUU-Verordnung nach der für alle Seefischereierzeugnisse eine validierte Fangbescheinigung vorzulegen ist. Für die Validierung der Bescheinigungen sind die Behörden der Mitgliedstaaten zuständig. Kontrolltechnologien nach dem Stand der Technik, wie sie im neuen JRC-Bericht beschrieben werden, können zu diesem Prozess beitragen.
Glossar
Genetik: Erforschung der Vererbung und erblicher Variationen von Organismen. Im vorliegenden Fall die Erforschung genetischer Marker zur Bestimmung der Unterschiede zwischen Arten oder der Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen (Populationen) derselben Art.
Genomik: Erforschung einer Vielzahl von Genen oder genetischen Markern im Genom. Heutzutage ermöglicht die „Hochdurchsatz-Sequenzierung“ die Sequenzierung großer DNA-Abschnitte (ganzer Genome) innerhalb kurzer Zeit.
Forensik: Wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der methodischen Sicherung und Analyse gerichtsverwertbarer Beweise befasst (kurz gesagt: Anwendung wissenschaftlicher Analysen zur Unterstützung strafrechtlicher Ermittlungen).


















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