Berlakovich hält trotz Kritik an E10-Plan fest
Weltweite Missernten und durch Agrarspekulationen gestiegenen Nahrungsmittelpreise lassen die Kritik am Biosprit wieder laut werden. In Deutschland hat sich Energieminister Niebel für einen sofortigen Verkaufsstopp von E10-Sprit ausgesprochen. Landwirtschaftsminister Berlakovich hält allerdings weiterhin am Plan fest, E10 im Herbst in Österreich einzuführen.

Bild: Christoph Jungbluth/flickr.com
Für das SPÖ-geführte Verkehrsministerium ist es offenbar nicht fix, dass der umstrittene Biosprit E10 im Herbst eingeführt wird. Eine klare Ansage gab es aber nicht, das Ressort von Verkehrsministerin Doris Bures spielte den Ball zurück an Berlakovich. Dieser müsse "das Einvernehmen von Gesundheits-, Wirtschafts- und Verkehrsministerium herstellen". Außer der ÖVP scheinen alle Parteien gegen E10 zu sein, auch Arbeiterkammer und Kirche bekräftigen abermals ihre Ablehnung.
Angst vor deutschem Schicksal
"Dabei müssen die aktuellen Entwicklungen mit einbezogen werden", so das Verkehrsministerium. Damit dürfte aber nicht die weltweite Hungerkrise gemeint sein, die ja durch die steigende Produktion von Agrosprit verschärft wird. "Es wurde vereinbart, dass auch die betroffenen Industrien, also auch Mineralölwirtschaft und Autoindustrie, mit am Tisch sein sollen, weil die Auswirkungen auf die Treibstoffpreise insgesamt und die Frage, welche Motoren E10 vertragen und welche Garantien die Autobesitzer hier haben, noch erörtert werden müssen."
Es solle also absolut sichergestellt werden, dass sich bei einer möglichen Einführung von E10 in Österreich nicht ein Flop wie in Deutschland ereignet. E10 eilt alles andere als ein guter Ruf voraus - der aus Getreide und Zuckerrüben gewonnen Kraftstoff soll bei Benzin zu 10% beigemischt werden. Die Einführung von E10 - Bioethanol bringe angeblich Nachteile mit sich, so der SPÖ-Umweltsprecher Makor: "Durch seine Gewinnung aus Getreide werden die Lebensmittelpreise weiter ansteigen. Insbesondere in Entwicklungsländern kommt es zu massiven Umweltzerstörungen durch Ausweitung der Anbaugebiete. Außerdem ist E10 ein regelrechter Motorenkiller. Seine chemische Zusammensetzung kann zu schweren Motorschäden führen. Daher fordern wir den Minister dringend auf, seine Pläne zu überdenken und auf die Einführung zu verzichten."
Arbeiterkammer sieht massive Mehrkosten
Die Arbeiterkammer (AK) sieht in den wohl bevorstehenden Teuerungen bei Gebäck und Fleisch die weltweiten Minderernten nur als "vorgeschobenen Grund". "Tatsächlich heizen Börsenspekulanten die Preise weiter an", kritisierte Silvia Angelo, AK-Wien-Leiterin der Wirtschaftspolitik am Donnerstag in einer Aussendung. Die für Herbst avisierte Einführung des Biosprits würde laut ihren Berechnungen den Konsumenten unter Strich rund 51 Millionen Euro pro Jahr mehr belasten - an Produktmehrkosten und Steuern.
Unter anderem bedeute es, für Lebensmittel tiefer in die Geldtasche zu greifen. "Die künstliche Angebotsverknappung von Mais durch die Beimischung von Biosprit" vor allem in den USA mit bis 40 Prozent der Maisernte sei weltweiter Preistreiber. Grundsätzlich fehle es auch "auf allen Märkten" an Transparenz, was an Rohstoffmengen vorhanden sei. Die EU-Kommission müsse dafür sorgen, Spekulationen auf Rohstoffe und Lebensmittel einzudämmen.
Auch der Autofahrerclub ARBÖ wiederholte seine Kritik. Gerade jetzt, da die Preise von Getreide und Mais in die Höhe schnellten, sei ein denkbar schlechter Zeitpunkt für die Einführung von E10.


















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