BASF verlegt Agro-Gentechnik in die USA
Der energische Protest der europäischen Bürger und dem ebenfalls nicht leisen Gezeter renommierter Medien folgend gibt Chemieriese BASF spürbar genervt den Rückzug vom europäischen Markt in Sachen Gentechnik bekannt. Das neue Headquater der hierzulande unbeliebten Superknollen wird nach North Carolina / USA verlagert.

Bild: photosforfree/Rolf van Melis
Neue Standortpolitik bei BASF
Die Unternehmenszentrale der BASF Plant Science wird von Limburgerhof / Deutschland nach Raleigh / North Carolina (USA) verlegt. Der Chemiekonzern beabsichtigt, die zukünftigen Aktivitäten im Bereich der Pflanzenbiotechnologie auf die Hauptmärkte in Nord- und Südamerika zu konzentrieren. Gent / Belgien sowie Berlin sind für den Bereich Forschung und Entwicklung zuständig. Die für den europäischen Markt bestimmten Produkte werden eingestellt, lediglich die bereits eingeleiteten Zulassungsprozesse bleiben im Rennen.
“Wir sind davon überzeugt, dass die Pflanzenbiotechnologie eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts ist. Andererseits fehlt in weiten Teilen Europas immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker. Daher ist es aus unternehmerischer Sicht nicht sinnvoll, in Produkte, die für die Kommerzialisierung ausschließlich in diesem Markt vorgesehen sind, weiter zu investieren”, sagte Dr. Stefan Marcinowski, Mitglied des Vorstandes der BASF und zuständig für Pflanzenbiotechnologie.
Crop Protection der BASF Limburgerhof bleibt
Während die Positionen für Regulierungsfragen erhalten bleiben, wird der Rest der „Knollenpartie“ über den Atlantik verfrachtet. Der Bereich Crop Protektion ist von den für viele sehr überraschend kommenden Massnahmen nicht betroffen. Zugegeben - die neue Standortstrategie kostet einige sehr qualifizierte Arbeitsplätze – doch ist die Entscheidung des an sich renommierten Chemieriesen mit allem Respekt zu würdigen: Das unprofitable europäische Gentechnikgeschäft fällt weg.Die Forschung wird gestärkt: Bei Metanomics in Berlin sowie CropDesign in Gent legen die Chemiker von Welt einen Zahn zu, die Sektion Forschung wird eifrig vorangetrieben, um die Plattform für Genidentifizierung weiter auszubauen und die strategisch wichtige Führungsrolle in diesem Bereich zu stärken.
GVO-Gemüse am absteigenden Ast
Konkret werden folgende Produkte vom europäischen Markt genommen: die gentechnisch veränderte Stärkekartoffel Amflora, Amadea und Modena, eine weitere, gegen Knollenfäule resistente Superkartoffel sowie eine gegen Pilzbefall resistente Weizensorte. Um weiterhin alle Optionen in puncto Kartoffelprodukte offen zu halten werden bereits angelaufene Zulassungsverfahren konsequent weiter geführt.
Die künftige Produktpalette von BASF beinhaltet die Schwerpunkte Ertragssteigerung und Stresstoleranz für Nutzpflanzen. Und, wie könnte es auch anders sei: Wenn das Wort Gentechnik fällt, ist auch Monsanto nicht weit. Die Zusammenarbeit der beiden Konzerne soll auf fruchtbaren Boden fallen.
Über eine Million Unterschriften
Die Bürger der Union kennen in Sachen Gentechnik keinen Pardon. Frei nach dem Motto „Genfood, nein Danke“ haben über eine Million Bürger mit ihrer Unterschrift bewiesen, was von den Superknollen zu halten ist. Über 45.000 davon stammen übrigens aus Österreich.
Umweltschutz- und Konsumentenorganisationen beurteilen den Rückzug von BASF am europäischen Gentech-Markt ausgesprochen wohlwollend. Und so bleibt zu hoffen, dass auch bei den teils recht experimentierfreudigen BrüsselianerInnen das mittlerweile längst fällige Umdenken einsetzt. Doch nachdem es selbst die profitorientierten Konzernväter begriffen haben, dass in der Union mit Superknollen nichts zu holen ist, dürfen wir frohen Mutes sein. Nichtsdestotrotz, wir behalten die Szene im Auge.



















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